Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 42 (14.10.1868)
- Date
- 1868-10-14
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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236 muß. Zuweilen nennen sie ibn „den großen Theodorosl' eine den cbiliamüöai * Legenden des abyfsiniscben Volke« emlehnie Benennung. Als sie von den Missionären zum ersten Male mir voller Bestimmtheit Die Behauptung Körten, der Messias sei gekommen, beeilten sie sich an den vermeintlichen Hobepriester in Jerusalem zu schreiben und anzufrwgen. ob diese Nachricht gegründet sei. Ihre Absicht stand fest: bänen sie eine bejahende Antwort erkalten, so würden sie das Land ihrer Verbannung in Masse verlaffen haben. Irn Ebaracler der Falascka's gibt es einen Zug, der sie vor den andern älkiopischen Bölkersckasten rortheilhan auszeichnet. Dem Abyssinier, welcher Alles zu wissen bshauprei und seiner Würde zu vergeben glaubt, wenn er von dem Europäer etwas lernen würde, entgegengesetzt, geh stekt der Falascka seine.Unwissenbeit und zeigt eine große Wissbegierde. Weniger lässig und scharfsichtiger als die andern Völkerschaften,- haben die Falascka's die Gabel, sich in kurzer Zeit umzugestalten und die Litten der gebilt deten 'Nationenanzunebmen. Wenn ibre Stirne nickt von Zorn genirckt ist, sirablt sie eine unbeschreibliche Anmut» und liebevolle Hingebung »dandov »^mpathiqu*-), die sic» auck in allen ihren Bewegungen wiederfindet." Die Zahl der Falascka's glaubt der Berichterstatter, nach freilich sebr unsicherer Schätzung,"auf 30—40,000 Familie» odep t.r)0—200,-000 Seelen annebmen zu können. I! ,.Die Beziehungen der Falascha's zu den Ambara's sin» auch ganz eigner Art. Der Abyssinier braucht den Iudeir der ikm die für Feld und Haus nötkigsten Gerätke liefert; daker baßt er ihn auch nickt, -obgleich er ihn als einen Un - gläubigen und Gottesmörder bezeichnet. Im Gegentbeil. der Aberglaube schreibt den Falascka's das Borrecht der Er - fabrung in der Kunst der Zauberei und in den geheimer Wissenschaften-zu, und auch dadurch werden sie ein Gegen stand der Furcht für jeden Amkara. Bis zum Negierungsanfang des Königs Theodor*,, konnte der Jude jedes obrigkeitliche Amt verwalten. Diese: Herrscher, der nack Glaubenseinbeit strebte, entfernte si gewaltsam daraus. Dann kamen die Proselytenmacher, de neu es gelang, .gegen eine barinlose Bevölkerung Berrolgun gen bervorzurufen. Bis in ibren friedlichen Wobniingei sahen sick die Falascka's von diesen glaubenswüthigen Eu ropäern angefallen. Man bestach, verführte die Einen, mar stritt sich mit den Andern herum, und um die Bekehrung zu beschleunigen, rief man den weltlicken Arm zur Hülfe. Durch Ebrgei; und Judenhaß verblendet, führten die prote * flämischen Puritaner ibre neubekebrlen Juden sogar de götzendienerischen abyssinischen Kirche zu, um den Schutz del Ahuua, des .Erzbischofs dieser Kirche, nicht zu verlieren.! ' Man bereitete einen entscheidenden Schlag gegen dal Gesetz vom Sinai vor, man wollte den Erleuchteten in Eu, rova den Fall des Iudenibum.s in Aetbiopien verkünden *> Das tausendjährige Reich, bei der Wiederkunft Christi mrt seinew-überschwenglichen Herrlichkeiten betreffend. r Ter Uebtrsetzer. Mehrere Falascka-Priester wurden in den Palast nach Gondar vorgeladen, um in Gegenwart des Königs üher religiöse Fragen zu disputiren. Die Fanatiker und die Abtrünnigen entwickelten eine große Tbätigkeit, um dem Kreuze den Sieg zu sickern. Ein panischer Schreck.bemächtigte sick der Geister der schwachen Falascka's; sie glaubten sich in den Zeiten des Antiochus zu befinden. Da zeigten sich glücklicher Weise die Makkabäer. Die jüdischen Priester kamen zum Könige nicht allein; sie waren von Hunderten der Gläubigen begleitet. Die Disputation beginnt, die Geister erbiben sich. Der König, durch den Widerstand der jüdischen Priester gereizt, befiehlt seinen Soldaten, auf die Rebellen anzulegen. Da zeigen sich augenblicklich Hunderte von Köpfen; die Männer entblößen die Brust: „Sckieße, Herr, sagten sie, wir Alle sind bereit, für unsre Religion zu sterben." Ter König Tbeodoros, der UN Grunde ein ritterliches Gemütb besaß, bewunderte die Festigkeit der Falascha's, entließ die Bersaininlung und macktc den jüdischen Priestern bie_ schönsten Geschenke. Bon da ab verschlimmerte sich die Sacke der Missionäre .von Tag zu Tag. Zwietracht brach unter ihnen selbst aus. Ein Abtrünniger wurde in Bande gelehi, nachdem er auSpeitsckt worden war.. Der König ließ sick die Corresponden; der Europäer übersetzen und mußte die Kränkung erfahren, sich von Menschen verläumdet (»»altrait«) zu sehen, denen er eine wahrhaft königlicke Gastfreundschaft gewährt hatte. Die Schuldigen wurden gefangen gesetzt, die für sie Fürsprache einlegen wollten, mußten gleiches Schicksal erleiden. Die Falascka's arhmeten wieder frei, wie durch Zauberei waren ibre Bedrücker verschwunden. War die Gefahr aber von dieser Seite beschworen, ko konnten sich dock die Juden großen Verlusten nicht entziehen, welche die finstern Schliche der Missionäre über sie zu verhängen wußten. Ich spreche nicht von der geringen Anzahl derer, die durch die drobende Verfolgung erschreckt, oder von den - Bekebrern hingerissen, den Glauben ihrer Väter abschworen; ick spreche von den zahlreichen Opfern, die in einer traurigen Verbannung zu Grunde gingen, zu. der sie sich freiwillig verdammten, um den Feinden ihrer religiösen Ueberzeugung zu entgehen. Europa kennt noch bis zuin heutigen Tage nicht die Ströme von Tbränen und Blut, welche die Apostel der Erlösung und des Heils in diesen fernen - Ländern verursacht haben. Die Furckl, welche die Falascha's hegten, auf ein Zeichen des Tyrannen, des kostbarsten Erbes ihrer Väter — ihrer Religion — beraubt zu werden, batte sie in große Aufregung versetzt; sie betrachteten ibre Leiden als Vorläufer der messianischen Zeit. Die Geister,waren erregt, die ruhige Vernunft hatte einer zügellosen Einbildung Platz gemacht: eine unermeßliche Menge Männer, Frauen, Kinder verließ den beimathlicken Heerd; ehrwürdige Greise stellten sich, Fabnen, schwenkend und fromine Lieder sisigend,' an die Spitze dieser begeisterten Schaar, und ohne irgend welche Vorsicht, ja ohne nur den einzuschlagenden Weg zu kennen, richteten sie ihren Laus gegen Jonnen-Aufgaugj sie