Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 41 (7.10.1868)
- Date
- 1868-10-07
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LJ — 231 — schloß mich ihr an und nach fünf kleinen Tagesmärschen kam ich, in der Eigenschaft eines RbinozerosbändlerS,-ist dieser Stadt an. Um den Quälereien der Amiiara’»;ü entgegen, stieg ick bei einem Muhaineväner ab, der einerder drei Marktrichter war. Mein Wirtb gab inir Auskunft über dieOrrsbewobner und init bober Freude vernabin ick. daß, in einer Stunde Entfernung, eine Falafcka-Geineinde sich befände, von deren (Gliedern niedrere das (bewerbe eines Schmiedes betrieben. Unter dem Borwande des Einkaufs >vgab ick inich in das Falascha-Biertel. Ick verlangte mit dem Dctrera (Gelehrten, Chackam) zu sprechen und alsbald eilte eine große Rienge berbei, u», den weißen Juden zu felwn. Sie hatten viele Müde zu glauben,- daß ick von derselben Religion wie sie sei, bis endlich eingehendere iutimes Uuta* Haltungen alle Zweifel beseitigten. Ich mußte in tj a b t ha eine» Monat warten, ebe ick mich weiter wagen konnte, und reiste endlich, von einigen Falascha's begleitet, nach der Stadt Wal galt, von danach Thegadieh, dielt inich einige Tage in Amirfafa auf. und dann i» Dsckanfancara, einem Bezirke, der eine beträchtliche Bevölkerung Falascha's aufznweisen bat, in Dörfern um' den Berg llodaru, welcher der vorzüglichste Aufenthaltsort der Ascetiter oder Rasiräer ist." Der Krieg zwischen Anhängem und Gegnern des abyssinischen Königs 't'dsoäoron trieb den Reifenden von einen: Dorfe der Falaschas zum andern, und er schlug endlick die Straße ein, die von Matama nach Go »dar führt. „An einem Freitag Abend gelangten wir in die Räbe von Vakui; wegen der Sabbatb-Rube konnten wir nickt mehr in's Dorf ziehen. Das-war unsere Rettung: an: folgenden Tag war der Markt geplündert, und die Obrigkeit, Gegner des Königs Thcodoros, verjagt." Halcvi, vor ei.t Kriegsgericht gestellt, ward auf Fürbitte der Falasckas sreigclaffen, feierte zu Abi,a-O. >,tcra, wo ein berühmter Mesgld oder Tempel der Falascka's ist, das Osterfest, schlug darauf den Rückweg ein, traf zu Cutit eine egyptische Bejahung, besuchte zu ll'enck«r, im Lande der Eunarna's, die schwedischen Äkissionäre und schiffte fick endlick mit seinein Reisegefährten, dein jungen Falascha, zu Maffua auf einem egyptischen Dampfer nach Suez ein. „Und nun beeile ich mich," fährt er fort, „Ihnen einige vorläufige Notizen über die Falascha's zu geben, eine Bevölkerung, die in mehr als einer Beziehung interessant ist. Die ganze wissenschaftliche Seite der Frage soll anderswo erörtert werden; ich will Ihnen blos in einigen großen Zügen das Geinälde, welches dieser sonderbare Brucktbeil (t'racfiüu) des Iudenthums bietet, darstellen. Eine beträchtliche Bevölkerung mit mehr oder weniger schwarzer Hautfarbe, ohne jedoch den Reger-Thpbus zu baden, ist auf der weiten Hockebne zerstreut, die sich von dem südlichen Ufer des Tacazze bis an die Gestade des blauen yül erstreckt, und rühmt sich demselben Stamme (solche) wie unsre Gottesmänner nnd unsre Propheten anzugedören. Ihre ganz arrikanische Gesichtsfarbe scheint einem solchen Ansprüche entgegen zu sein; aber' die wunderbare Feinheit ihrer Züge und die höbe geistige Begabung (1.1 vivc intelligent!'), die aus diesen schwarzen Gesichtsbildnugen hervorleucktet, legt allem Zweiteln und allen Eimvürfei: Schweigen auf. Der Adel ihres Ursprungs wird durch Millionen der christlichen Religion angedöriger Mitbürger bestätigt. Die Falascka's beten de». einzigen Gott an und betrachten ibn alö den, Gott ihrer Boreltern: -Abraham, Isaak und Jacob. Sie schmeicheln sich, dieser alten aber ewig jungen Ration anzugehören, die nie auibören wird/ihren woklberecktigten «legitime; Einfluß auf die Geschicke des Menschengeschlechts zu üben. Die Vicbc zum heiligen Lande erfüllt ihre warme, den Eindrücken oifne Seelen mit einem liebliche:: inelancbolischen'Gefühle.. Die großen Erinnerungen des Bolkes sind ihre geistige Rabrnng. Der Raine Falascha d. i. Perbannte, den sie fick, selbst beilegen, bezeugt es schon, daß sic in ihren eigne» Augen Freindlinge auf dem Boden Aethiopiens sind.... Sie sprechen zwei zu. vermiedenen Sprackstämmen gehörende Sprachen;, sie bediene» sich deö Ambarischen, der berrsch-ndei: Landessprache, bei allen Berbandlnugen mit ibren Rachbarti und sprechen einen Dialekt des Agau*) jm Sckooße ihrer Familien und übersehen in diesen: Dialect die Bibel ihren Kindern. Ein Theil der Gebete, der im Tempel in der Gbeez -Sprache (Mutter des Ambarischen, den: semiliscken Sprachstainme angebörig) gesprochen wird, wird von Allen im Bolksdialect, agauisch, überseht und gesungen.... Sie führen entweder biblische Rainen, bestehend in hebräischen, nach abyssinisckcr Weise mutine. ausgesprochenen Wörtern, oder von äußern Umständen berrülvende lllanien (nniue-j du circnustaiuc) nach dem Gebrauche der alten Hebräe/ und der Gbeez-Race, lehiere dam: bald der Gbeez- Spracke, bald dem Ambarischen angebörend. Auch trifft man eine Menge von Ramen, die der Agau-Sprache entstammen, aber ick Körte nickt einen chaldäischen, griechischen oder arabischen Rainen. Ihre Kleidung is^ von de:' der übrigen Landes - Angehörigen nickt verschieden. Wohlhabende tragen kurze Hosen, eine Art Jacke, die Sckamma, eine römische Toga mit rothen: Rand und die Pantoffelndes Sudan. Die Armen begnügen sich mit zwesiStücken Kattun, wovon eins um die Lenken befestigt, das andere über die Schulter geworfen wird. Knaben geben häufig bis in's zehnte Jahr nackt, die Mädcken sind besser bedeckt. Die Frauen haben ein langes Heind, Armbänder, Ohrringe u. s. w., die arabische Mode, den jungen Mädchen die 'Rase zu durchstecken,, kennen sie nickt. Gewöhnlich läßt man den Kopf unbedeckt, selbst während des Gebetes. Die Priester und 'Rasiriin allein tr-agen den Turban. Männer nnd Frauen, alle rasiren sich den *) Wir schreiben diese fremden Wörter so, wie sie im Deutschen ausgesprochen werden. i