Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 41 (7.10.1868)
- Date
- 1868-10-07
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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227 ihrer Kinder zum nachahmungswürdigen Beispiele nehmen und nicht, wie bisher, das des Landadels, dessen Streben im Allgemeinen auf Vererbung des Kastengeistes abzielt, eine Richtung, di« im Judenthume keinen Grund hat und daher aus eiteln, nichtigen Motiven in gedankenloser Weise von Außen her in die Jndenheit nicht importirt werden sollte. Sie wissen, lieber Freund, daß sowohl meine Eltern, als auch ick, was die Mittel anbetrifft — ick darf das ohne Verletzung der Bescheidenheit sagen —Gouvernanten zu holten im Stande waren, es aber dennoch unterlassen, weil sie hierin in richtiger Würdigung eine verkehrte, krankhafte Richtung der Zeit erblickten und ich diese auch noch heute darin im verstärkten Grade wahrnehme. Tie Gouvernanten - Erziehung, lassen Sie mich es aussprechen, ist ein Krebsschaden, welcher an der Bildung der Jugend reicher Eltern und auch am Judenthume vernichtend nagt und darum engagire ich für meine Töchter keine Gouvernante. Darum aber auch ist der Gegenstand wichtig und würdig genug, um von der Feder eines Sach- und Fachkundigen nach allen Seiten hin erschöpfend behandelt zu werden, damit auch dem Blödesten es einleuchte, was wahre Bildung, waö die Menschheit, was das Judenthum, was die wahren Forderungen der Zeit und waö das wohlverstandene eigenste Interesse ihrer Kinder von ihnen erheischt. Um eine solche Erörterung zu veranlassen, habe ich diese Zeilen veröffentlicht. Wird dieses Ziel hierdurch erreicht, so glaube ich, daß ich auf diesem, meinem Berufe, fremden Gebiete den reichsten Lohn erhalten habe. Damit Gott befohlen, lieber Freund. Literarisches. Die traditioncllenSynagogen-Ge sänge, herausgegeben von N. H. Katz, Lehrer und Cantor in Brilon und L. Waldbott, Lehrer und Cantor in Oberlustadt, bayr. Pfalz. Selbstverlag von R. H. Katz in Brilon. Preis (?) Es ist jedenfalls als Verdienst anzuerkennen, daß die Herausgeber durch vorliegende Gesänge manchem angehenden Vorbeter Material geboten, wodurch er im Stande ist, sich mit vielen traditionellen Melodien bekannt zu machen. Dieselben sind einstimmig und einfach gegeben und von allen Schnörkeln befreit, wodurch jedenfalls der Geschmack im Vortrag gefördert wird. Uebrigens hätten wir gewünscht, daß auch Responsorien und einzelne Piecen für den Chor miteingeflochten wären, damit auch die Gemeinde nicht leer ausgehe. ES ist heutigen Tages nicht genug damit, daß der Vorbeter anständig und musikalisch seine Gesänge und Recitalive vorträgt, auch die Gemeinde soll und will sich durch Gesang am Gottesdienst betheiligen und gerade dies halten wir für sehr wichtig, weil die Würde und Andacht des Gottesdienstes am meisten fördernd. Es hätten gar manche Pieceü dafür wegbleiben dürfen, z. B. der Segensspruch al netilatk foäojim, aoclirenu, tislioraek zurenu, das Jozer vor der „Tefilah“ und manches Andere, daS ja doch in vielen, sogar orthodoxen Gemeinden seine Berecktigung, wenn eS je solche gehabt, verloren hat. Hofien wir, daß in den folgenden Heften diesen Ausstellungen Rechnung getragen werde und namentlich auck mebrstimmige Gesänge für daS Aus- und Einheben der Thorarollen ausgenommen werden möchten. Archiv für geiftlicken Männergesang, enthaltend Choräle, Hymnen, Motetten^und Cantaten aus alter und neuer Zeit von Bernhard Brähmig. Heft I. 12 Sgr. Leipzig, Carl Merseburger. Eine Sammlung herrlicher Chöre, die sich für Seminarien, Gnmnanen und.Männer-Gesangvereine eignen nnd die theils von dem Herausgeber selbst,- thc'jls von andern berühmten Meistern der Tonkunst: Händel, Beethoven, Lotti, Bach, Vogler, Scknbert rc. componirt sind.- Bei guter Aufführung — manche davon erfordern musikalisck gebildete und gut geschulte Sänger — muß ihre Wirkung ausgezeichnet sein. Ihrer Tendenz wegen eignen sie sich übrigens nur für christliche 'Kreise. Der Gelegenheitssänger für große und kleine Männerchöre, componirt u. arrangirt von Th. Drath. Lp. 66. Preis TVz Sgr. Verlag daselbst. Meist einfache, ansprechende und in gutem Styl gehaltene Gesänge, die recht dankbar fick aufführen t mögen. Zwanzig dreistimmige Frauenchöre von verschiedenen Ccmponisten, berauögegebenyon Benedict Widmann. Verlag das., 6 Sgr. Für Töchterschulen sind.die Gesänge vorliegender Sammlung, die recht Gutes enthält, zu schwierig und dreistimmige Frauenchöre, die zur Einübung derselben erforderlich sind, dürften sich schwerlich oder selten finden. Wir glauben darum nicht, daß diese Sammlung irgend einen praktischen Zweck zu erreichen im Stande ist. Gesang-CursuS für die Oberklassen höherer Töchter-Schulen. Leitfaden für Gesangschülerinncn mit 100 schriftlichen Aufgaben ' von Gustav Flügel. Verlag das. 1867. 6 Sgr. Von einem guten Gesangunterricht kann nur dann die Rede sein, wenn der Schüler nicht bloS Lieder