Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 41 (7.10.1868)
- Date
- 1868-10-07
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 stehen. Wurde mir doch voo einem Geschäftsfreund: aus Cöln mitgetheilt, daß die jungen Damen in einen i dortigen berühmten jüdischen Mädchen-Institute nicht nur die jüdischen Feiertage mit dem üblichen hebräisches Namen nicht benennen dürfen, sondern auch nicht einmal am sabbath zum Besuche des Gottesdienste!« anzehalten, vielmehr gerade am Sabbathmorgen währenk dieser Zeit von christlichen Lehrern in Profan; gegenständen unterrichte! werden. Und die in solchen Anstalten gebildeten Mädchen sollen die zukünftigen Mütter in Israel in der Religion Israels erziehen?! Ist dieses nicht eine Preisgebung des ganzen Zuderp thums und eine Verhöhnung des Geistes wahrer Meistschenbildung? Was sagen Sie aber erst zu folgendes Tbatsache, die ich verbürgen kann? Eine Gouvernante die Tochter eines jüdischen Lehrers, meines Mitschülers auf der Ieschiba, erklärte an einer christlichen Tafe^ woran ste mit ihren Schülerinnen «ans gene Therl nahm, daß ne vom Schweine bereits alles gegessen habe, nur noch keine Carbonnade, welche, wie sie jes^t wahrnehme, am vortrefflichsten schmecke. Das nenne ich mir doch eine ächt fortschrittliche Gouvernante! Der Midrasch sagt: „Durch das Verdienst der frommen Frauen seien unsere Vorfahren aus Aegyptens Knechtschaft erlöst worden^ Wären aber unsere heutigest Gouvernanten schon damals ' in Funktion - gewesen, *dann ninsa u«n DHajrro u’ja ’jai u’jai nfi nnsa ja, wir wären nie erlöst worden. Gingen aber auch aus den. soeben besprochenes Anstalten für das Leben hinlänglich wissenschaftlich gebildete Damen hervor, was wir aber noch bezweifelst, so fehlt ihnen dennoch die wesentlichste Oualificatior, welcbe die Lehrerin erst recht-' eigentlich zur Lehrer! t macht — die pädagogische. Denn wenn Wissenschaft - liche Befähigung allein ohne pädagogische Theorie und-Praxis zum Lehramte befähigt, so müßte auch ich, der ich früher auch ein Gymnasium absolvir, einen guten Lehrer abgeben» was ich aber entschiede a in Abrede stellen muß^ weil ich bei wiederholten Versuchen an meinen vier eigenen Kindern ein ersprießliches Resultat zu erzielen nicht vermochte. Ich will es nun ganz übergehen, daß Damen wegen ihchs vorherrschenden Gemüthslebens zur Httmnbildunz vom Charakteren — und hierauf muß nach isteiner Meinustg bei der Erziehung Gewicht gelegt werden, — wenig berufen erscheinen. t Endlich habe ich Verpflichtungen gegen die ist. Schule meines Ortes, deren Lehrer als ein Meistxr in der Pädagogik einen wohlbegründeten Ruf durch seine erziehlichen Resultate genießt. Sollte ich nust, wie dieses leider häufig genug, rücksichtslos von 'den Reichen geschieht, diesen Mann kränken und die Existenz dieser Schule durch meint Beispiel untergraben, dstß ich ihr, was unbedingt Nachahmung finden würde, meine Kinder entziehe und ihnen für eine bewährte Iugendbildung eine höchst fragliche angedeihen lasse? Nein, dazu bin ich schon aus Dankbarkeit gegen unfern würdigen Lehrer, geschweige 1>enn aus meinem und der Schule Interesse, nicht im Stande^. Dann aber auch wirkt nach meiner Ansicht das Zusammenerzieben der verschiedenen Geschlechter und der verschiedenen Stände versittlichend und die Humanität fördernd, wodurch ,das Volksleben gewinnt und dem sich auch leider immer mehr in der Judenheit breit machenden Kastengeiste ein kräftiger Damm entgegengesetzt wird. Uebrigens genießt die Privatcrziehung, soviel ich dieses in Erfahrung gebracht habe, keineswegs die Gunst der Heroen und Meister in der Pädagogik und mit Recht weil es ihr an Wetteiferndem Vater der Fortschritte, fehlt, und ibr Mittel und Ziel in der Regel Dressur und Abrichtung ist. Dieses mögen besonders die Eltxrn beherzigen und den Stein des Anstoßes der Privatabrichtung der gedeihlichen Erziehung ihrer Kinder nicht in den Weg legen oder wenn sie eS schon gethan haben, rechtzeitig Hinwegräumen, solange der angerichtete Schaden in etwa noch wieder gut' zu machen, und ehe es zu spät ist. Wer sind nun die Leute, die Gouvernanten für ihre Kinder engagiren? Lassen Sie mich es offen bekennen: Es sind in der Regel Glaubensgenossen, die auf merkantilem Wege reuffirt und nun mehr Geld haben als sie gewöhnlich zu besitzen gewohnt waren, Parvenüs im eigentlichen Sinne des Wortes, die nur Wege suchen, auf welchen sie durch ihren Reichthum glänzen können, die, selbst ohne Bildung, dadurch ihre Nichtbildung zu verdecken und vor der Welt durch die vermeintliche Bildung ihrer Kinder, (die, wie sie träumen, einst noch ganz andere Rollen spielen sollen) Glanz zu erwerben, streben. Da aber dennoch ihre Seele am Gelde hängt, so muß die Gouvernante die Stelle der Zofe, Gesellschaftsdame u. s. w. vertreten, zu welchem Zwecke sie auch wohl eigentlich und hauptsächlich engagirt und wodurch ein nettes Sümmchen erspart wird.- Auf zweckmäßige Erziehung ihrer Kinder kommt es ihnen dabei am allerwenigsten an, da site doch selbst oft keine Erziehung genossen und doch Geld erworben haben. Christliche Fabrikanten und Kaufleute von noch weit größerem Vermögen als diese Glaubensgenoffen nehmen niemals Erzieher oder Erzieherinnen in ihr Haus, wenn die Qrtsschulen billigen Anforderungen entsprechen, und sind sie wegen zu geringer Leistung der Ortsschulen zur Aufnahme solcher Personen in ihr Haus gezwungen gewesen, so siebt man sie diese sofort daraus entfernen, wenn in der Ortsschule eine Besserung eingetreten oder deren Eintritt auch nur zu erwarten ist. Dieses Verfahren sollten sich unsere reichen GlaubenSgenoffen im Jntereffe