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Der israelitische Lehrer · 1868-10-07 · 41 (7.10.1868) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
41 (7.10.1868)
Date
1868-10-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er IsmelitiseKe Ackrer. Zeitschrift für die gesummten Interessen des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa/" M 41. Den 7. Oktober 1868. 8. Jahrgang.! Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Sbonnementspreis 40 kr. — 111/2 Egr. Anzeigen zu 1 Egr. di« Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Die israelitischen Lehrerinnen und Gouvernanten. AuS Baiepn, im September. von Anton L. „Wollen Sie nicht auch für Ihre Fräulein Töchter eine Gouvernante engagiren, damit diese eine zeitgemäße Bildung, wie sie die Volksschule nicht gewähren kann, sich anzueignen vermögen?" So fragte mich jüngst ein Freund und Geschäftskunde von mir. „Aus Ihrer Frage," gab ich zur Antwort, „geht mir hervor, daß Sie auch der verkehrten Richtung heutiger Zeit huldigen und schon für ihre Fräulein Töchter eine Gouvernante in Ihr Haus genommen haben. Ich kann dieser Richtung nicht folgen und habe hierfür meine guten Gründe." Diese wünschte der Freund nun kennen zu lernen und ich theilte sie ihm gerne mit und nahm am Schlüsse wahr, daß. ich sie nicht vergebens ihm auseinandergesetzt hatte; denn er erklärte mir, daß er die Nutzanwendung für sich aus meinen Gründen zu ziehen nicht unterlassen werde. Sie aber, geehrter Herr Redakteur, gestatten mir wohl, obgleich Sie mich als Geschäftsmann, also als Ihrem ehrsamen Stande nicht angehörend, persönlich kennen, die meinem Freunde vorgetragenen Gründe im Interesse Ihrer geschätzten Leser in Ihrem Blatte zu veröffentlichen. Nach meiner Ansicht eignen sich Damen zum Lehrerberuf wenig. Hier sind sowohl physische als auch psychische Gründe geltend zu machen, welche wir aber, da diese hinlänglich bekannt und anerkannt sein dürften, anzuführen nicht für nöthig erachten. Doch bemerken will ich en pasoant, daß schon von religionsgesetzlicher Seite der Grundsatz aufgestellt worden und bis heute praktische Geltung und Anwendung gefunden hat daß daö weibliche Geschlecht von der Ausübung aller Gebote, welche von einer bestimmten Zeit abhängen, diSpensirt ist, eben weil es durch den häufig wiederkehrenden Wechsel seines physischen Zustandes, der nicht ohne Influenz auf seine geistige Stimmung bleibt, indem er in der Regel eine höhere Reizbarkeit im Gefolge zu haben pflegt, nicht qualisizirt erscheint. Sollte dieser'Grund beider erziehlichen Thätigkeit, die eine gleichmäßige GemüthSstimmung wie keine andere erforden, übersehen werden dürfen? Wollen wir aber auch hiervon absehen und annehmen, daß das weibliche Geschlecht zum Lehrerberuse vollkommen sich eignet, so fehlt doch eine wesentliche Bedingung, durch welche es sich die hierzu er-, forderliche Qualifikation erwerben kann; wir meinen Bildungsanstalten für jüdische Lehrerinnen oder Gouvernanten. Unseres Wissens existiren solche Anstalten in Deutschland nicht. Obgleich dies der Fall, lasen wir doch in einem jüdischen Blatte zu unserm größten Erstaunen und in Rücksicht auf die zarte Heranwachsende Jugend zu unserm tiefsten Bedauern, daß.ein Engros- Expcrtgeschäft in Gouvernanten aus Dsütschland nach Oesterreich nicht nur inS Werk gefetzt/» sondern auch im größten Maßstabe betrieben wird. Wir fragten ünS verwundert, als wir dieses lasen: Mein Gott, wer sind diese Damen und wo haben sie ihre Ausbildung erlangt? Welches Geschlecht werden diese unS heranbilden? Fragt man sich nun aber: wo werden die Gouvernanten gebildet? so kann man darauf nur die .Antwort geben: sie besuchen nach einer bisweilen höchst mangelhaften Vorbildung christliche Pensionate oder höhere Töchterschulen ein oder zwei Jahre und hören darum selten oder nie ein Wort von Juden und Judenthnm, wenn nicht, wie eS leider noch , häufig vorzukommen - pflegt, im verächtlichen Tone; oder sie besuchen sogenannte jüdische Pensionate, die, wir bekennen es mit Schmerz , in religiöser Beziehung zuweilen nicht viel besser sind als die christlichen, ja nicht einmal so gut, da in den christlichen Pensionaten die christliche Religion die gebührende Berücksichtigung findet, was mit der jüdischen Religion in jüdischen Pensionaten häufig nicht der Fall ist. Rühmliche Ausnahme gibtS allerdings, wenn Männer von Wiffen und Character an der Spitze solcher Anstalten

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