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Der israelitische Lehrer · 1868-09-30 · 40 (30.9.1868) · p. Seite 222

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
40 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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2*2 conjessionslosen Gymnasien und Realschulen in Widerspruch gerathen mit dem Nationalitätsprincip, daS sie auch aus ihre Fahne geschrieben haben. Keine Religion ist ja so sehr Zeichen der Nationalität, als die jüdische; gerade dadurch, daß einer die mosaische Religion beibehglt — sei er auch Resormjude — erklärt er, daß er an seiner Nationalität festhalten will. Zn wie starrer und feindseliger Weise aber die Juden andern Nationen gegenüber sich halten, ist ja bekannt. Mögen uns also die Herren Stadträthe erklären, wie sie ihre Agitation für die Juden mit dem NationalitätSprincip vereinigen'wollen." Gut gebrüllt, Löwe! Wien» 12. Sept. Die erste Civilehe in Oesterreich geschah in Proßuitz (Mähren), woselbst ein Cohen (Aaronide) eine Geschiedene heirathete und deßhalb vom Rabbiner nicht getraut wurde. (Es erinnert uns das an die empörende Kampfweise, welche jetzt gegen die Casieler Rabbinerversammlung von Seiten der frommen (!) Gegner gebräuchlich ist. Die Versammlung wollte z. B. die Prärogative der Aaroniden und Leviten beim Aufrufen zur Thora — ob auch beim Segen (pn) — läßt sich aus den Verhandlungen nicht entnehmen, — wegschayen. Die frommen Blätter sagten: „Es darf also jetzt der Cohen eine ruit nrnj u. s. f. heirathen rc.," woran vielleicht keiner der Herren in Caffel dachte und was gewiß Niemand ein gottesdienstliches Prärogativ nennen wird. — Die Versammlung beschloß, die Frage, ob die Gebete für die Wiederkehr nach Palästina und den Wiederaufbau des Tempels belasten werden sollen, der Commission zu überweisen. Die „Frommen" sagen hierauf: Die Rabbinerversammlung habe die „Messiasidee" abgeschafft, was freilich später, weil mit dem klaren Wortlaut des über die Verhandlung in den öffentlichen politischen Blättern Veröffentlichten in Widerspruch, widerrufen wurde. So deuten sich diese Herren dieltzebote nprn «b und iojq boi n'rn «in. (Redaktion). BrÜNN .Der zweite allgemein» österreichisch« Lehrertag, der am 25., 20., 27. August in hiesiger Stadt abgehalten wurde, zählte auch viele israelitische Lehrer aus allen Theilen der Monarchie unter seinen Mitgliedern. Der Geist der Humanität und des Fortschritts, der in der Versammlung herrschte, das Band mniger Collegialität, das, alle Mitglieder umschlang, liehen keinen aus der Verschiedenheit der Cenfeffion hervorgegangenen Mißton in das harmonische Ganze dringen. Die jüdischen Lehrer betheiligten sich verhältnißmäßig stark an den Debatten, und wir bemerkten mit Vergnügen, daß sich einige derselben als tüchtige Redner,und Denker bewährten und auch beim jedesmaligen Auftreten mit dem Beifalle der Versammlung beehrt wurden. Besonders gerne wurden die Reden des Herrn Director Lederer auS Pest, «egen der schönen Vortragsweise und der vielen geschmackvoll dargestellten Anekdoten, mit denen er seine Reden würzte, gehört. Herr Lederer zählte zu denjenigen Rednern, die durch glücklichen Humor auch einem magern Inhalt Effekt zu geben wußten. Als erfahrene Schulmänner und beifällig begrüßte Redner nennen wir auch die Herren Guttmann aus Fünfkirchen und Salomon Pollak aus Leipnik. Beide geißelten -sarkastisch den bisherigen Sprachunterricht in den Volksschulen und stellten auch positive Anträge zur Verbesserung. Der letztere spickte seine Reden vielfach mit lateinischen Sprüchen und auch ein Satz „unserer Weisen" wurde ins Treffen geführt. Noch manch andere Lehrer unseres Glaubens sprachen über einzelne Thesen würdig und effektvoll. Einige der Unsrigen waren nicht so glücklich, oratorische Lorbeeren zu erringen, machten vielmehr glänzendes Fiasko und mußten, gedrängt von den nicht sehr schmeichelhaften Kundgebungen der Versammlung, schon nach den ersten Sätzen die Rednertribüne verlassen. Wir wollen keine Namen nennen, uiid beinerken nur, daß mancher die bei dem ersten Lehrertag in Wien gemacbte Erfahrungen bester hätte benützen können. Nebst der Hauptversammlung wurden auch im Interesse einzelner Lehrrrgruppen mehrere Nebenversammlungen abgehalten. Eine solche Versammlung hielten auch die, jüdischen Lehrer Mährens im Sitzungssaale der hiesigen Cultusgemeinde-Repräsentanz. Soviel wir erfahren konnten, war das Resultat dieser Berathung nicht von sonderlicher Bedeutung. Von einzelnen Mitgliedern der Versammlung waren auch pädagogische Vorträge angekündigt, und wir waren eben nicht entzückt darüber, als wir in einer Nummer der erschienen „Mittheilungen aus dem Lehrertage" ein „Eingesendet" lasen, worin über Herrn P., einem jüdischen Lehrer aus Böhmen, der einen solchen Vortrag über „Schreibunterricht" hielt, Klage geführt wird, daß er mit seiner angeblich neuen Methode die Versammlung förmlich dupirt habe. Die Lebrer Oesterreichs, heißt es ungefähr in dem „Eingesendet", bätten nicht erst nöthig, solche alte Weisheit vom Hrn. P. zu lernen. Wir theilen Ihnen, geehrter Herr Redakteur! diese Facta, die für ein jüdisches Fachblatt Interesse bieten, ohne irgend welche partikularistische Tendenz mit, und fürchten daher auch nicht der Ruhmredigkeit beschuldigt zu werden, wenn wir es conftatiren, daß die hiesigen Israeliten, wie alle Bürger der niährischen Landeshauptstadt , dem Lehrertage - ihre lhätige Theilnahme und innige Sympathie zuwendeten und daß der israelitische Gemeindevorstand für die Zwecke des Lehrertags die Summe von 200 Gulden votirte. Prug. Hier starb vor einigen Tagen Sinion Kuranda, Bater des berühmten Pnblicisten und ReichsrathSabgeordneten in Wien in seinem 84. Le-

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