Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 40 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nach Mühlhausen, eine an Umfang zwar größere, aber in ihren Leistungen und Mitteln sehr bescheidene Gemeinde. Das Glück war ihm sowohl in seiner Stellung als Lehrer, sowie als Familienvater nicht hold. Seine erste Frau und deren jüngste Tochter eilten ihm schon vor mehreren Jahren voraus. Mehrmals versuchte er eS, an einer größeren Stelle anzukommen; vergeblich, das Glück war ihm nicht geneigt. Und doch war er der tüchtige und fleißige Mann, der gewissenhafte, unermüdliche Arbeiter im Weinberge des Herrn, so daß er selbst, als ihn schon der kalte Hauck des Todes anwehte, sein liebgewonnenes Tagwerk nicht lassen konnte und ihn der Tod, wir möchten säst sagen, mitten unter seinen Schülern überraschte. Von der großen Achtung und Liebe, von dem seltenen Rufe, den er sich bei allen, die ihm nahe standen, erwarb, zeigte sein Leichenbegängniß. Daß die ganze Gemeinde, die nebenbei bemerkt, zum größten Theil aus seinen Schülern besteht, sowohl Männer: wie Frauen und Kinder, ihm die letzte Ehre erwiesen, verstebt fick wohl von selbst. Außerdem aber waren noch im Huge: der kgl. Herr Bezirksamtmann zu Höchstadt, der Herr Distrikts- und Lokal- Schul-Jnspektor und noch andere geistliche Herren, der Herr Distrikts-Rabbiner l)r. Werner zu Burgebrach, der des Verewigten in einer glänzenden Rede gedachte, sämmtliche christliche und jüdische Lehrer der Umgegend, die ihre Theilnahme in einigen ergreifenden Grabgesängen bekundeten. Außer einer trauernden Wittwe hat der Verblichene noch vier Kinder, welche letztere in Amerika und größtentbeilS versorgt sind, hinterlassen. n"a"K":"r,i. In Nürnberg starb der gediegene, edle und wackere Lehrer Fried, in weiteren Kreisen rühmlichst bekannt.*) Auf der Durchreise aus Bad Soden starb zu Frankfurt a M. Lehrer Wrldberg aus Kleinheubach, vormals langjähriger Religionslehrer in Floß. Berlin, 14. Sept. In der bereits erwähnten Petition an das Abgeordnetenhaus, welche gegenwärtig zur Unterzeichnung aufliegt, heißt eS u. A.: „Während Art. 24 der Verfassung nur von einer confessionellen Berücksichtigung bei der Errichtung öffentlicher Volksschulen spricht, wird diese Bestimmung auch aus höhere Schulen ausgedehnt, wozu weder die Verfassung noch die Gesetzgebung einen Anhalt gibt. Bei Durchführung dieses Grundsatzes der Confeffionalität der Schulen werden aber aus öffentlichen Mitteln nur katholische und evangelische Schulen er- *1 Wir bitten eilten unserer bayr. Eorrespondmten, seiner in diesen Blättern ausführlicher zu gedmken. Liebende Erinnerung! — ES ist ja oft das Einzige, was unsere hingeschicdenen Freunde und Collegm erübrigen, den Hinterlafsenen zum Tröste, iw;ntn or zu,. Die Redaktion. richtet und unterhalten und die Mitglieder anderer' Religions-Gesellschaften sind — während sie als StaatS- und Gemeindebürger zur Gründung und Erhaltung jener confeffionellen Schulen mit beitragen müssen — trotz der verfassungsmäßigen Religionsfreiheit gezwungen , diese zu beschicken oder aus Privatmitteln eigene Schulen zu gründen und diese überdieß der ■ Aufsicht von Geistlichen der Landeskirche zu unterstellen." Ferner heißt es in der Petition: „Belehrt durch langjährige bittere Erfahrungen, verlangenwir von diesem Gesetze die vollständige Trennung der Schule von der Kirche, indem der Religionsunterricht von der Volksschule losgelößt undvöllig den betreffenden Religionsgesellschaften überlassen wird. Sollte dem der Eingang des Art. 24 entgegengestellt werden, so wäre eine Abänderung dieser Bestimmung im Sinne der Verfassung vom 5. Dez. 1848 geboten. . /Merlin» 14. Sept. Es breitet sich hier eine Agitation von höchster Bedeutung vor, und auch aus anderen preußischen Städten verlauten ähnliche Stimmen. Die Städte wollen die Schule selbst in die Hand nehmen; sie wollen konfessionslose Schulen. Warten wir, ob der Erfolg ein günstiger ist und insbesondere, ob auch nach erlangter Freiheit die Städte freisinnig genug sind, um auch die jüdischen Lehrer an den erlangten Rechten participiren zu lassen. Einstweilen betheiligen sich die Juden tapfer an den Versammlungen. Daß darob im Lager der Kreuzzeitung endloser Jammer- und Zetergeschrei ist, läßt sich leicht denken^ Sie hat in letzter Woche ihrem Aerger tapfer Luft gemacht — schüchtern ist das fromme Blatt eben nicht. Ihr sind natürlich^die confessiönslosen Schalen ein Gräuel. Unter Anderem sagte sie einmal: „Da wir evangelisch-katholische Simultan-Anstaiten haben," sagt die „Kreuzzeitung", „so kann es sich nur um eine Vergünstigung für die Juden handeln. Denn daß der consessionelle Charakter die Leistungen dieser Schulen beeinträchtigt, ist wohl nicht die Meinung, wird auch durch die Erfahrung zu schlagend widerlegt. Will man offen sein, so handelt eS sich eben nur darum, den Jude» als Lehrern Zugang zu Gymnasien und Realschulen zu verschaffen. Es ist eine neue Formel für eine alte Sache gefunden." „Aber es gibt i» der That nichts Heterogeneres als einen deutschen Jungen und einen Juden. (!)" -„Die Herren Stadträthe mögen nur, sofern ihnen das Experiment erlaubt wird, ihre Jungen fragen, wie sie mit einem jüdischen Lehrer auSkommen, um die ganze Weisheit ihrer liberalen Doktrinen ermessen zu können. Daß Ausnahmen Vorkommen können, versteht sich von selbst. Das NattonalitätSprincip wird wohl vielfach gemißbraucht; aber da gerade wollen es diese Herren umstoßen, wo es an seinem Platze ist. Sie merken eben nickt, wie sie mit ihrer Forderung von