Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 40 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 ein solches Geschick gefaßt und stellte meine Anträge nur, um den Muth für meine Meinung zu zeigen^ de»n ohne sie ausgesprochen zu haben, kann sie sich nicht Bahn brechen. Bahn brechen werden sich meine Anträge aber böffentlich, weil, wie mir scheint, in anderer Weise die erforderlichen und geforderten Bei dingungen für die Tora-Vorlesungen „Kürzung und Verdolmetschung" nicht zu erfüllen sind. Ich komme indeß auch auf diese- Anträge ausführlicher zurück. Bei dieser Veranlassung mag ich nur nicht mich deS Weilern darüber auSlasien, denn ich will das Verhältnis der College» zu einander und zur Rabbiners Versammlung in keiner Weise trüben. Keiner ist so gestellt, daß er nicht des Zusammenwirkens mit dem Ändern bedürfte, wenn das. begonnene hellige Werk zum Heile fortgeführt werden soll. Deßhalb fort mit aller Persönlichkeit, die Sache gilt! fort mit Selbsti sucht und Eitelkeit! Sagen, wir uns unsere Fehlen deren ja jeder Mensch hat, lieber insgeheim, aber decken sie nicht öffentlich aus. Ich bin der Erste, welcher Fehler des Hrn. Ph. mit Liebe zudeckt und seine Vorzüge und Verdienste laut anerkennt. De. Rothschild. Frankfurt a M, 12. Sept. Unter den Lehrt anstalten, welche nach dem neuesten „Staatsanzeiger'! für Preußen die Befugniß hüben, gütige Atteste über die wisienschaftliche Oualification zum einjährigen freiwilligen Militärdienst auszustellen, werden für die hiesige Stüdt neben dem Gymnasium, der Musterschule und der höheren Bürgerschule die israelitische Realschule und die Unterrichtsanstalt der israelitischen ReligicnSgesellschaft genannt. Von den früher angedeuteten Beschränkungen (auf jüdische Zögi linge) ist in der Veröffentlichung des Staatsanzeigernatürlich nichts enthalten. Frankfurt a M., 20. Sept. Den Leser» Ihres geschätzten Blattes wird eS von Interesse sein, einiges Nähere über die in diesen Tagen vollzogene Eröffnung einer Synagoge im Westende unserer Stadt zu erfahren. Bereits seit längerer Zeit hatte sich das Bedürfniß herausgeftellt, für die Bewohner der westlichen Stadttbeile,-insbesondere für deren Frauen und Kinder, denen die weite Entfernung den Besuch der Hauptsynagoge sehr erschwerte, mitten in dieser, von Israeliten zahlreich bewohnten Gegend einen Betsaal zu errichten. Vorzüglich empfanden die stark hier vertretenen, amerikanischen Israeliten lebhaft das Bedürfniß eines nahegelegenen Gotteshauses und eines ansprechenden, den - Zeitverhältnisfen gemäß geordneten Gottesdienstes. Mit Bereitwilligkeit ging Herr Rabbiner Stein auf den ihm gemachten Vorschlag ein, die Leitung eines im Westende zu errichtenden Gottesdienstes zu übernehmen; mit raschem Entschlüsse wählte man ein zum Betsaale geeignetes Lokal; bald war die Genehmigung der Behörde eingebolt, und ani 4. Juli d. I. conftituirte sich der Verein unter dem Namen Emanuel-Westend-Union. Mit meisterhafter Gewandtheit führten die Herren Gebr. Lönholdt die zweckentsprechende,, bauliche Einrichtung des Lokales in der kurzen Zeit von kaum 5 Wochen aus; mit ausdauerndem Eifer trafen die wackeren Männer, die sich an die Spitze des frommen Werkes gestellt hatten, alle Vorarbeiten, so daß wir die' Freude erlebten, mit Rosch Haschonob da» schöne Ziel erreicht, den Saal seiner heiligen Bestimmung übergeben zu sehen. Die GnweihungSrede deS bei feinen Frankfurtern noch in wärmster Erinnerung stehenden Herrn Rabbiner Stein zog ein zahlreiches Publikum herbei, und bis auf den letzten Platz gefüllt war am Eröffnungsabende der freundliche Saal, desftn Parterre für etwa 150 Personen Raum bietet, während »;e Gallerie circa 90 Sitze hat. Unter der trefflichen Leitung des bewährten Organisten, Herrn Leib fri.'d, hatte sich in wenigen Wochen ein tüchtiges, gemisster Chor, aus. etwa 90 Personen bestehend, eingeibt; die in allen Theilen gelungene Einweihungsfeier konnte eines ttefen Eindrucks auf alle Anwesendf nicht verfehlen. Ebenso anregend wie die Eröffnungsredl am ersten Abende wirkten die beiden Predigten de» bewährten und verehrten Kanzelredners am Neujahrsmorgen und am Sabbath Teschubah. Ueber die im Betsaale des Emanuel-Dereins eingeführwn, wesentlichen Reformen behalte ich mir vor, Ihnen in einen weiteren Berichte Mittheilung zu machen. 7 > Aus Bayern. (Verspätet.) Der verwichene des Monats Ab war für die isr. Cultusgemeinde ,u Mühlhausen in Oberfranken ein Tag doppelter Trauw, denn an demselben erlag nach fünfjährigem, schween Brust- und Lungenleiden, ihr wackerer, unersetzlicker Lehrer Julius Marschütz im Alter von 64 Zehren. Derselbe entstammte einer mit 22 Kindern >esegneten, in weiteren Kreisen bekannten Lehrerfamiie, war das 16. Kind.seiner Eltern und wurde 1804 zu Pretzfeld in Oberftanken geboren. Seinen ersten ln terricht, besonders im Hebräischen, erhielt er von einem in der jüdischen Wissenschaft sehr geilehrten 8ater, in den übrigen wissenschaftlichen Fächer», in der Pädagogik rc., bildete er sich beim christlichen Lelrer des Ortes aus. Später hatte er auch Gelegenheit, sich in der ftanzösischen und italienischen Sprache tichkttge Kenntnisse zu erwerben. Ein Seminar beslchte er nicht, und dennoch war seine Bildung eiste so gnndliche und gediegene, daß sie jedem Lehrer sals Mister dienen konnte. Anfangs auf einigen kleinen Stelchen in Unterftanken fungirend, kam er im Jahre 1892 *) Wir bitten den freundlichen und verehrten HerrrCorrespondenten recht bald darum. Xedaktior