Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 40 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
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219 mit fester Consequenz und unveränderlicher Selbsttreue nachfolgt; eine Fertigkeit, die freilich jene Willenskraft zur unbedingten Voraussetzung hat, welcke zur Selbstbeherrschung und unablässig fortgesetzten Selbsterziehung unerläßlich ist, denn nur wer selbst vernunftgemäß denkt, strebt und handelt, kann auch Andere auf denselben Weg leiten, „daö eigene Beispiel ist' der beredetste Wortführer jeder Belehrung und Geleitung." Erkennen wir aber hierin it nur diejenige Elternliebe als wahre, echte und wohlthätige an, die sich mit tiefsittlichem Ernst, ja wo es von Nöthen, auch mit Strenge verbindet, so müssen wir letzterer selbstrerständlich jede Berechtigung absprechen, wo sie nicht von den oben bezeichneten höheren Rücksichten dictirt ist, daher, weil bloß der Laune und Willkür oder gar Rohheit dienend, sowohl mit jenen als der Elternliebe selbst in krassem Widerspruch tritt, darum auch vor dem Kinde als Härte und Grausamkeit empfunden wird, dasselbe nicht bessert und veredelt, sondern verstockt, störrisch, trotzig, sehr häufig auck, um der Slr,fe (selbst der gerechtesten und wohlverdienten, denn schließlich betrachtet das Kind bei solchem Versahrm jede Züchtigung für ungerecht) zu entgehen, lügenhaft, listigtückisch und heuchlerisch macht. „Wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten) da gibt es einen guten Klang," da« ist in der Pädagogik besonders eine „goldne Frucht cuf silberner Schaale," zu deren Zeitigung aber Genüth, Perstand, religiöser und sittlicher Ernst, alle in Verein rüstig Hand anlegen müssen. Doch der Höhe des Einsatzes entspricht auch der reiche Gewinn, dmn was kann der Menschenseele wohl höhere Besredigung und Wonne gewähren als das Selbstbewißtsein: die Kinder, die mir der himmlische Vater gechenkt, zu Seiner Ehre habe ich sie, zu ihrem zeitliüen und ewigen Glück und zum Segen für die Mrnschheit herangezogen? Möchten recht Viele in unerer Mitte und im Laufe der Zeiten immer mehr un> mehr sich dies Zeugniß mit Füg und Recht ausstrlen können! Frankfurt a/O., im Sept. I)r. M. St. W ochrudericht. Altrtz, 20. Sept. vr. Philippson erklärt in Rr. 38 seiner Zeitung, daß die von mir bei der Rabbine-Versammlung in Cassel gestellten liturgischen Antzäge unter den Papieren nicht zu finden seien und beanragt, daß dieselben meinerseits wiederholt eingeliesel «erden möchten. Ich. bedaure, eine Abschrift meiirr Anträge augenblicklich nicht unter meinen Papiers zu finden, beabsichtige indeß, meine Ansichten übereine Reform der Liturgie in diesen Blättern zu . _ i besprechen und bei dieser Gelegenheit meine Anträge hervorzuheben und dem verehrlichen Präsidium wiederholt einzuliefern, wie auch Hrn. vr. Ph. zur Vervollständigung seines Berichts zuzustellen. Auf den Weg der hämischen Ausfälle, welche Hr. Pb. bei dieser Gelegenheit gegen mich betreten, folge ich ibm nickt. Ich erkläre nur, daß ich jenen Bericht über die Rabbiner-Vers. nickt aus fteiem Antriebe, sondern auf Verlangen für diese Blätter gesckrieben bade. Ich hatte kaum eine Nottz, geschweige die Protokolle als Material dabei zur Hand, ick habe die Thärigkeir eines Jeden so dargestellt, wie sie nock meinem Gedächtnisse vorschwebte, natürlich also, daß ick dabei von meiner Tbätigkeit am treuesten berichten'konntet keinesweges aber leitete mich dabei die Absicht, mick in den Vordergrund zu schieben und Andere zurückzudrängen. Daß Hr. Ph. für die „Plackt" der Rabbiner gesprochen, will ich daher auch nicht mit Bestimmtdeit behaupten, wenn er selbst in Abrede stellt, dieses Wort gebraucht zu haben. Wohl aber habe ick^bn Sinn seiner Rede so ausiasjen müssen, wenn er von dem Reste des Einflusses und der Stellung sprack, . welcher in neuester Zeit den Rabbinern noch geblieben und darum nicht Preis zu geben sei. Selbstredend habe auch ich dabei an leine inaterielle Macht der Rabbiner gedacht, sondern nur an eine moraliscke Machtstellung. Eine solcke hat indeß Ph. auch öffentlich und wiederholt in seinem Blatte für die Rabbiner der Laienwelt gegenüber, besonders in der litur gischen Frage, in Anspruch genvnimen. Er nennt die! Rabbiner die zur Beantwortung und Entscheidung der i liturgischen Fragen berecktigten Fachmänner und traut! den Laien theils nicht die Fähigkeit, theils nicht den; Willen dafür zu. Und dies gewisser Maßen auck! mit Recht. Von diesem Gesichtspunkte aus bat daher ' auch PH. von Anfang an die Idee einer Svnodal! Versammlung mit Laien-Betheilignng bekämpft. Eine Entstellung seiner Ansichten lag mir daher fern. Ick; erkenne es vielmehr an, daß Hr. vr. Ph. sich nunmehr die Idee der Svnode ganz zu eigen gemacht bat und dafür mit Ernst und Entschiedenheit einslebt. Hr. Ph. bekrittelt und bespöttelt auch noch speciell meine Anträge in Betreff der Tora-Vorlesung. Die Anträge auf Vorlesung mit „Auswahl der Stücke" und event. auf Einführung des „siebenjährigen" Eyklus sollen beide angeblich keine Unterstützung gesunden haben. Dem ist nicht so. Unterstützt wurden sie, denn ich i erhielt das Wort zur Begründung und widerlegte di« Opposition; also fand eine Debatte statt, was ohne Unterstützung nicht möglich gewesen «äre. Angenommen wurden sie freUich nicht, wie mancher andere Antrag, auch des vr. Ph. Indeß hatten diese meine Anträge «in solches Geschick wohl nur aus Opportunität, nicht aus Opposition. Ich war sogar auf