Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 40 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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218 schmack der strengen Zucht, in welche da« reifere Leben den Menschen nimmt, möglichst ersparen, während e« doch werk mehr Apathie, Gedankenlosigkeit und .Bequemlichkeitsliebe sind, die eine so schlaffe Regimentsführung anempfehlen, ein weiches Ruhekissen, auf das man jahrelang gemächlich den Kopf hinlegt, bis man zu spät crwackt, um zu bemerken, daß man durch dies gutmüthigk leichtfertige Gehenlassen die theueren Lieblinge geradezu in'« Verderben habe hineinrennen lasten. Welch' ein Erwachen dann! aber gleichwohl sind eS Tausende von Vätern und Müttern, die der große Jugendfreund in jenem Bilde unS gezeichnet, welche trotz der Verheerungen, die sie in Folge gleicher Schwäch« und 'Lässigkeit in andern Familienkreisen einlrrten sehen, sich-doch der nämlichen willenlos überlassen und — wie es Schreiber diese« selbst gar oft schon begegnet — auf wohlwollende Mahnung zu rechtzeitiger Vorsicht und Bedächtigkeit unter Hinweis sowohl auf biblische als auch aus dem gegenwartigen Leben gegriffene Warnungsbeispiele, entweder nur mit einem zuversichtlichen, allenfalls wohl gar mitleidigen Lächeln, oder mit der trivialen Ent-' jcbuldigung antworten, daß sie nicht anders könnten, und es auch mit Gottes Hilfe nicht so trübselige Folgen nach sich ziehen werde, als wir es ihnen in der Perspektive zeigten. Ein Gottvertrauen, das bester Gottversuchen zu nennen wäre „ das auch nur selten und dann lediglich durch außerordentliche himmlische Gnadenwaltung (welche ja auch die besten nicht zu beanspruchen haben) und glückliche Fügung der Verhältnisse sich theilweise rechtfertigt. „Jedermann bei seinem Dienste und seiner Aufgabe" lautet das Vernunftgebot der Schrift, und .wie diesem der Handwerket, der seiner Arbeit, der Kaufmann, der seinem Geschäfte, der Beamte, der seiner Funktion nicht die gebährende Sorgfalt zuwendet, zowiderhandelt und für allen sich wie Anderen dadurch erzeugten Nachtheil die Verantwortung zu tragen hat, also — und das in einem der Erhabenheit de« Gegenstandes entsprechend gesteigerten Grade — ist die Indifferenz und Sorglosigkeft im ErziehungSgeschäfte, so sehr sie auch mit dem Manttl der Liebe und Zärtlichkeit ihre Blöße bedecken möchte, als sträfliche Ppichtvergestenheit zu brandmarken, der alles später daraus hervergehende! Unheil ohne Milderungsgründ zur Last fällt. O ihr Därer und Mütter! möchtet ihr des von dem Allvater eurer Fürsorge auvertrauten hohen Berufes darum treulich eingedenk sein und euch nimmer mit einer so schweren Bürde beladen, als ihr sie durch Fahrlässigkeit und Erfüllung der auch von ihm auferleglen Verpflichtungen, auf euer Haupt wälzet. Wirkt, aber da« Verziehen, wenn es nur durch die — doch mehr negative — Unterlassung de« Pflichtgemäßen begangen wird, schon so verderblich und verhängnißvoll, um wie viel mehr steigert sich bte i darin verborgen« Gefahr und 'Versündigung, wenn positiv gefehlt, nicht nur das Böse nicht entfernt und das Gute nicht gepflegt., sondern da« Kind auch au jene« durch Beispiel und Anweisung gewöhnt, von. diesem hingegen abgeleitet und entwöhnt wird! Hier nun ist es — zumeist wenigstens — wirkliche, jedoch mißverstandene und verkehrt angewandte Liebe,! welche den gedeihlichen Fortgang der Erziehung gefährdet und untergräbt, die Entwickelung der guten Neigungen und Fähigkeiten deS Kindes hemmt, statt Izu fördern, und das Umsichgreifen schlimmer Triepe und Anlagen weit mehr begünstigt als verhütet. Aus purer Liebe verweichlicht und verhätschelt die Mutter '— zuweilen eben so sehr und noch mehr der Vater,— das Kind, daß e« keinen Schmerz, keine Anstrengüna, ja keinen Luftzug vertragen kann, und also weder den Muth noch die Kraft erringt, um die unausbleiblichen Kämpfe und Mühsale de« Lebens ungeschwächt und siegreich zu bestehen, aus reiner Zärtlichkeit leistet' man (Onkel, Tanten und gute Freunde stehen dabei weislich zu Diensten) den Hang des Liebliugs zur Trägheit. Genäschigkeit, Eitelkeit, Her-rschsucht und damtt, wenn auch vielleicht nur mittelbar dey unvermeidlich damit verbundenen Unholden deS Neides, der Mißgunst, Gehässigkeit.und Tücke auf's Beste Vorschub; man verfährt mit einem Worte, nicht nach dem Ausspruche des Weisen (Spr. d. V. 2, 43), daß man stets auf die Folgen seiner Handlungtn sorgsamst Bedacht nehmen solle, um überall den rechten Weg rinzuhalten, nein! bloß die augenblickliche Lust, das flüchttge Wohlbehagen des Kindes im Auge haltend, opftrt man dafür dessen ganze Zukunft, sein dauerndes sittliches und menschenwürdige« Wohlbefinden hin, verzieht — direct und positiv — statt zu erziehen, verdirbt statt zu erheben, und klagt schließlich, wenn die ttaurigen Resultate mit fast mathemattscher Nothwendigkcit sich einstellen, nicht sich und seine principlvse Erziehungsweise, sondern theils da« Kind an, da« bei aller ihm zugewandten Liebe und Treue so mißrathen sei, theils sein böses Geschick oder wohl gar bestimmter die Vorsehung, die das so wohl gemeinte Thun zur solch bittern Frucht habe reifen lasten. Gerade mit demselben Rechte, als der von selbstsüchtigen oder leichtfertigen Neigungen in sittliches oder materielles Verderben versunkene Mensch sich mit der Naturnothweniigkeit oder äußeren Verhältnistett von der Schuld loszusprechen sucht (Spr. Sal. 6, 27 u. 28). Heilsamen, segensreichen Ertrag wird die elterliche Liebe, dieser Sttahl der göttlichen Vaterlieb«, darum nur dann in der Erziehung erzielen, wenn sie sich, ganz dieser ähnlich, unter da« Gesetz der Sittlichkeit, Rüigion, sowie ein- und umsichtiaer, wahrer Leben»- weisheft stellt, daher ihre Grundsätzeffchipft und diesen