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Der israelitische Lehrer · 1868-09-30 · 40 (30.9.1868) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
40 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er (Israelitische Lehrer. Zeitschrift für die gesummten Interessen des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa. " I Jfä 40. Den 30' September 1868. 8. Iahrgaüg. Wöchentlich I Rümmer Vierteljährlicher Abonnementspreis 40 Ir. — lli/2 Sgr. Anzeiffcn zu I Tgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Erziehen — Verziehe«. „Die Extreme berühren sich." Gleichwie die Hebräer durch das Piel (Pilel, Pilpel) sowohl die Verstärkung deS GnmdbegriffeS bes Verbi, als auch (bei Denominativen) die Wegräumung oder Vertilgung deS durch das Nomen Bezeichneten (;. 33.) von der Asche säubern, \lflp entwurzeln) ausdrückt, also bezeichnet auch das deutsche „Ver" unter Anderem sowohl daS Erstere ist gutem wie bösem Sinne, (;. B. verehren, verkrümmen) als auch die Aufhebung der durch das Stammwort benannten Thätigkeit (z. B. verzeihen, verkaufen). Ja, bisweilen ist bei letzterer Bedeutung die Analogie mit dem Hebräischen noch hervorstechender, indem nicht erst die BildungSsylbe „ver", sondern schon der einfache Buchstabe „v"- die Verkehrung ins Gegentheil kennzeichnet und so aus „erkennen:" verkennen, aus „rrziehen:" verziehen wird.- Eine fatale Macht, wer wollte es leugnen? wohnt diesem einzigen Laute ,^v" rin, und eine so weit klasiende Kluft, ist zwischen dem Erziehen und Verziehen ausgebreitet, daß ich fast behaupten möchte, das herbste Weh wäre aus der Menschenwelt gebannt, so in ihr nur jenes noch und nirgends mehr dieses zu finden wäre. Selbstverständlich habe ich bei solcher Thesis nicht das Verziehen allein im gewöhnlichen engern Sinn im Auge, wo eS bloß als unzeilige'Nachsicht gegen Eigenwillen, Eigensinn und Trotz, des Kindes aufgefaßt wird, (obwohl, wie wir uns alsbald überzeugen werden, auch dies schon Fälle des Unheils in sich birgt), sondein in der weiteren Bedeutung, zu der nach dem Obigen der Sprachgebrauch wohl berechtigt, wonach es jeden Mißgrifi im Erziehungswerke Seitens der Eltern und deren Vertreter, sowie unter deren Zulassung oder gar Begünstigung auch der Angehörigm und Freunde, in sich begreift, und wer wäre wohl im Stande die Leionen dieser, zumeist zwar auö übel angebrachter iebe, aber auch oft genug au» unzeitiger und übertriebener Strenge gcthanen Fehlgriffe auck' nur zu übersehen, geschweige denn herzuzählen? Franz Hoffman» schilderte vor Jahren in irinein Kinderfteunde das HauSwesen eines — Herrn Pro fessorS, welcher die herrliche Maxime hatte, man müsie die Kinder ganz st In nntnre sich entwickeln und sie daher — rin jedes nach seiner Eigenthümlichkeit ungestört. gewähren lassen. Der Natur nnd dem individuellen Charakter gemäß sehr wohl! aber diesen emsprechend auch die erziehliche Wirksamkeit walten las - sen, damit beides wohlbehalten zu dem Hiele hingeleitet werde, wohin es seiner?lnlage nach strebt, nnd zugleich vor den Fehlern und Leidenschaften bewahrt bleibe, zu welchen diese hinneigt, daS erst kann aui den Ehrentitel der Erziehung Anspruch machen, ebensowohl als nur der Gärtner seiner Ausgabe genügt, der jeglicher Pflanze und jedem Baume, soweit es. in seinen Kräften steht, Feuchligkeit nnd Wärme, je nack, ihrem Bedarf, zukommen läßt und sie alle vor lleberwucherung an Zweigen, vor schädlichen Thieren und Unkraut schützt. Bei dem jungen Sprößlinge de» Herrn Professors aber schoß ob seiner eigenthümlichrn Erziehung — oder richtiger Nickterziehung '— da» letztere in üppigster Fülle auf, ohne den besseren Keimen, zumal diese jedweder Pflege mangelten. irgend Raum zur Entfaltung zu lassen; so ward denn der Eine, der einen vorzüglichen Hang zur Trägheit hatte, ein vollendeter Müßiggänger, brachte der Andere, dessen'Gaumen und Magen die Obherrschaft zu führen begehrten, seiner Genußsucht mit allen Mitteln der List und Gewalt reiche Opfer, ustd so cultivirte jeder, seiner Eigenthümlichkeit nach, die schönsten Untugenden, welche für die Zukunft zu den ftohesten Erwartungen — eines Heeres grausiger Laster — wohl berechtigten. Solche Leute, wie der Herr Professor^ glauben auch — vielleicht gar ganz besonder« — ihre" Kinder zu lieben und ihnen ihre Liebe recht handgreiflich zu beweisen, .da sie sie ja ihre, schöne Jugendzeit harmlos genießen lasien und ihnen den Vor-

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