Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1868-09-16 · 38 (16.9.1868) · p. Seite 204

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428714-5431914--2098-4898486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

204 und für seinen bedeutsamen und nach unserer Ansicht innerlich mehr und .mehr l,zu kräftigenden Einfluß auf das Judentbnm uns zu 'diesen Aeußernngen hinreißt. Und die Lehrer? Es schmerzt uns tief, daß wir nicht im Stande sind, mit Befriedigung auf die innere und äußere Entwicklung unseres Standes zurückfchaucn zu können. Woraus sollten wir auch eine solche gewinnen? Es ist eine traurige Wahrnehmung, die wir machten, daß das Streben nach innerer Durchbildung und dieser entsprechenden äußeren Erscheinung bei den Lehrern nicht im Fortschreiten ist. ES mag eine Täuschung sein — Gott gebe es! — aber wenn wir Hinblicken auf die Männer des Lehre rstandes, die dem höheren Lebensalter angehören und zurück auf die, die bereits heimgegangen, und dann wieder auf die Jungen, die in die Wege der Alten eintreten sollen: welchen unermeßlichen Unterschied erkennen wir da in Wissen und Cbarakter! Wohlan, es ist wahr, es bildet ein Charakter sich im Geräusch der Welt und man kann bei den Jungen das nicht verlangen, was mau bei den Alten findet. Und dann — der Bildungsgang ist ein anderer geworden. Jetzt geht der Knabe in die Schule, in die Präparankenanftalt,-ins Seminar — und dann ist der Lebrer fertig! ^ene Männer aber, die suchen muülen, um Saat für den-Geist zu finden, hier auf einer nrir, dorr im Kampfe mit dem Leben sich ibr Wissen errungen haben, sie wurden, als Autodidakten, als Männer einer aufsteigenden Periode, durch den Kampf gestählt. Sind wir jedoch jetzt schon auf den Höhepunkt angekommen? Lind die Ziele, die die Lehrer fün ihren Stand, die. das Judentbum, die Menschheit in ihrer Entwicklung anstreben, wohl erreicht? Bedürfte es wirklich keines einheitlichen Zusammenwirkens mehr? Darf der Einzelne sich vom Ganzen, von der Gesammtheit trennen, wenn ibm sein ..gehörig Theil" geworden? rsr orn crxi rrcnrs: n-' ci'nxn. Wir können dies nicht allein von.Einzelnen, wir können es von ganzen Länder» und Lehrerkörperschaften sagen. Wir müssen wohl immer und immer wieder bis zur Ermüdung wiederholen, was wir so oft schon gesagt und wiederholt haben: In der Einigkeit, im .-Zusammenschließen liegt die Kraft. Jeder hat die Verpflichtung mit seiner Person, mit seinem ganzen Sein, mit dem Theil. das ihm beschieden, einzutreten für die Gcsammtheit, für deren Erkräftigung, Ertüchtigung. Und wenn durch die Gunst des Geschicks auch die Stellung eines Einzelnen eine nach allen Richtungen hin gesicherte ist. umsomehr ist er verpflichtet, für die Anderen thätig zu sein in seinem Kreise, denen das Geschick nicht so günstig war. Wir haben das tausendmal wiederholt, aber — es scheint uns, daß. wir'uns in einer gelinden Selbsttäuschung befanden, die wobl verzeihlich - aber tief schmerzlich ist. Es gibt zwar einen edlen Stamm von Lehrern im deutschen Israel, eine herrliche Reihe von strebenden, für ihren Beruf lebenden und begeisterten Männern, die zugleich in inniger Zusammengehörigkeit mit ihren Collegen leben wollen und sich freuen, mit denselben geistig und äußerlich geeinigt zu sein. Wir können uns einen berufstreuen Lehrer nicht anders denken. Wir glauben, es ist das ein Erkennungszeichen des tüchtigen Lehrers, daß er ein warmfühlender College ist, an Freud und Leid, Lieb und Lust derer dort draußen redlich Antheil nimmt und dies durch Betheiligung an den Versammlungen und Bereinigungen — Ächawa — und durch die^freundliche Ausnahme des gemeinsam Geschaffenen, deö Organs :c. bekhätigt. Ist unser Schluß falsch? Kann' ei» Egoist ein tüchtiger Lehrer sein? Aber gibt es auch viele, die nur sich kennen, und sich um gemeinsames Streben nie kümmern. Es ist freilich etwas b e s s e r geworden. A b e r n o ch Viele sind zurück.- Erst wenn Alle kommen, wird es^gut werden. Wann werden sie kom men? Wir hoffen bald, ehe es zu spät ist. So möge denn das neue Jahruns sein ein Jabr des Lichtes, des Lebens, der Einigung unk des Friedens! Möge Israel sich bald geeinigt und gekräftigt fühlen, auf daß die Strahlen sei'nes-lfleisteS die Erde erleuchten mid Licht und Liebe^erblühen allüberall. Mögen die Lehrer sein die Mehrer — des Lichts und der Liebe' nx nw 2-iy nyd n\n Und zur Abend zeit da wird es Licht werden.!,nnDr naiia Okernbeim, zum Neujahrsfeste 5628. Wochenbericht. Baltimore. 1..August. Durch die schreckliche lleberschwemmung, die einen großen Theil unserer Stadt so sehr beschädigte, sind insbesondere auch 80 arme jüdische Familien unglücklich geworden, weil ein großer Theil der Straßen dieses Stadttheils von Inden bewohnt ist. Diese armen Leute sind nun ihrer ganzen Habe beraubt, ebne Bett, ebne Waare, ohne Hausgeräthschasten- Schon am Abend der Ueberschwemmung versammelten sich die Vorsteher der jüdischen Woblthätigkeitsanstalten — Hebrew Benevolent Societn, — um zu helfen, wo zu helfen war. Sie gingen in den Straßen umher, wo noch der fürchterlichste Anblck das Gemüth erschütterte und fragten, wo zu helfen sei. Obdachlosen wiesen sie die Räume des neüerbauten jüdischen Hospitals an, was aber von vielen zurückgewiesen wurde, die lieber bei ihren Ruinen blieben. — Die Logen des Jewish-Orden „Benei Berith", des' jüdischen, dem Maurerthum nachgebildeten Ordens, der sich über ganz Amerika hiizentreckt, traten helfend ein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.