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Der israelitische Lehrer · 1868-09-16 · 38 (16.9.1868) · p. Seite 202

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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202 hin vermeiden. Es ist noch nicht lange her, daß wir einen dicken gedruckten Band Predigten eines berühmten Rabbinen einer großen Gemeinde durchlasen. Sie wurden gehalten in einer Synagoge, deren Liturgie -auf.dem Boden der fortgeschrittensten Richtung steht. Aber auch nicht rin Satz, ja nicht ein Wort in der ganzen' Sammlung läßt erkennen, ob der Prediger "einer Richtung angebörr; er kann ebensowohl hyperortbodox als ultrareformistisch gesinnt sein. Der Mann aber, der als Religionslehrcr in der heurigenZeit wirken will, muß eine entschiedene, Nare Richtung haben. Er muß die Autorität des Amtes nilk der persönlickeit Autorität, die Ebarakter und Wissen gibt, vereinigen, um Einfluß;u gewinnen aus die Gestaltungen des jüdischen Lebens in der Synagoge, in der Schülerin der Gemeinde und in den Familien. Man wird uns gewiß nicht beschuldigen, als wollten wir -hierarchischen Bestrebungen und Gelüsten Vorschub! leisten und das Wort reden. Aber, wenn wir auch inicht läugnen wollen, daß cs einzelne Rabbinen gibt, welche geneigt wären, sich mehr anznmaßen. als ihn :n gebührt — die Selbstsucht einzelner Menschen zeigt sich eben in allen Ständen — so müssen wir dock nuferen Rabbinen das Zugeständnis? mache», daß sie großentbeils dem Fortschritte zngeneigt waren, zu einer 'Zeit, 'als man die Klarheit, Entschiedenheit, charäct -rsestes Eintreten für die Sache der Reform noch cchtete und schätzte. Die Furcht vor hierarchischen Gelüsten istim Juccuthumc durchaus unbegründet; sw wurde zuerst rege gemacht von fanatischen Gegnern der fortschrittlichen Bewegung, weil man der Autcijiiäf des Wortes, deö Wissens der charaktervollen lgediegeilen Persönlichkeit auf andere Weise nicht beiksmmen konnte. Wir wollen, daß man das freie Wort des Rabbinen ebenso schä'w wie das jedes anderen Fachmannes; daß man das unsittliche „der Kutscher si ll nüchtern sein" endlich in religiösen Angelegenheiten als unwürdig nickt mehr höre, daß man den Rabbiner höre und. ibm in religiösen Angelegenheiten auck folge: daß man aus ihm nicht den Spielball bei' Parteien mache. O, mein geliebter Leser, der Du der Emwicklnng und Regenerirung des Judenthums mir warmem Herzen zugethan bist: hast Du' Dich noch nicht umgeschaut im beutigen Israel und schnürt Dir diese Umschau nicht das Her;;u? Die Männer, die in den ersten vierziger Fahren unseres Jahrhunderts auf der.Warte der Zeit standen, die die Bewegung der Geister förderten — nickt h ervcrriefen, das bat die Zeit selbst gethanp aber unterstützten — sie sind heim ge gangen, alt unk mürbe geworden. Und die Fungen, die auf ihren Schultern stehen sollten sie —- — — suchen gute Stellen. Wo aber eine solche Stelle vacant wird, da sinkst man sich Männer aus der weitesten Ferne; je weiter, desto bester! Am liebsten würde man sie aus Rußland und der Türkei nehmen, dainit sie ja sich keine „hirarchische Gelüste" beikommen ließen. Da man aber dort keine stnden mag, so begnügt man sich mit —Ungarn und P o l e n! — Vorüber, Gestalten der Finsternis;! Ein anderes, noch tiefer gehendes Verderbniß ist der Mangel an guten Rekigionsschulest. Wir haben es hier insbesondere mit dem Süden zu th»n. Im Norden gibts wohl in den großen Gemeinden Rel igionsschulen; — daß diese aber ihre Aufgabe nicht erfüllen. berichten die Zeitungen. Wo aber soll! der religiöse Sinn eingepstanzt werden, wenn nickt in der Schule? Und wenn die Kinder nicht iils Gotteshaus geführt werden - ir-ra »s — wo syll im späteren Leben die Liebe und die Sehnsucht zum Gottesbauw, das Bedürfniß nach dem Gebete mit der> versammelten Gemeinde, wo soll das Dersiändniß u,nddie Thei!- nab me dafür Herkommen? Wir können nicht umbin zu erklären, daß wir jetzt, .zur Zeit noch, entschieden für das einstehen, was unfern Lrincipien scknurstraks entgegen ist. Wir sind im Princip als Pädagog der Neuzeit für allgemeine Schulen im Geiste Diesterwegs, und entgegen der eonfessic uellen oder Ständeschule! Aber — nachdem es constatirt ist, daß die öffentliche Schule überall noch den consessionellen Charakter hat, daß dieser confesiionelle Standpunkt durck die obere staatliche Leitung, .durch die Gesetze und Principien der Verfassung und durch das Lehrerperscnal entschieden ansrecht erhalten wird, so erachten wir es als die obcrsts und heiligste Verpflichtung einer jeden Geineinde, wo nur immer die Verhältnisse es erlauben, eine jüdische Volksschule zu errichten und zu erhalten. Wo aber dies nickt der Fall ist, da muß für einen guten Religionsunterricht gesorgt werden, sonst — brauchen wir auch keine Religio nsgemeinden und haben keine. Ja. solange leider die Vorstände der großen Religionsgemeinden -sich nur als rein administrative, als Verwaltungsbehörden betrachten und doch auck dem Rabbiner keinen Einfluß auf die religiösen (8emeindeanstaltkn gönnen; so lange in deii Synagogen keine Beter und in den Religionsschulen keine Schüler sind, jo' lange der Religionsunterricht in dürftigster Weise, ertheilt und als Nebensache behandelt und kein warmes Interesse für denselben gefunden wird, weder bei den Lehrern f!), noch bei den Vorständen und den Gemeinden, sc lange sind diese Gemeinden unnütze Institutionen nnd die Gemeindeverwaltungen — Verwaltungsmaschinen für etwas, das Religionsgemeinde heißt, aber in Wirklichkeit Nichts ist. Die Erhaltung, Förderung, Errichtung. und Belebung der Schule, d. b. des Religionsunterrichts, der gottesdienstlichen

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