Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 ♦ eine wesentliche Erleichterung die Gewandtheit im Schreiben der Quadratschrift zur Notirung von Bpcabeln benutzen kann, so erscheint es gerathen, recht zeitig mit der Einübung derselben zu beginnen. Da scheint cs nun am besten, mit dem Lesen gleich daö Schreibenlernen zu verbinden und so durch einen Sprach-Sckreib-Leseunterricht schneller uild glücklicher zum Ziele des Sprachunterrichtes zu gelangen. Um das Schreiben zu erleichtern, müßten die Lesetabellen wie die Fibel die Buchstaben in der Ordnung entbalten, wie sie die Leichtigkeit des Schreibens verlangt. Eine solche ist aber nicht schwer berzustellen. Die tzurrentschrist kann leicht schon im zweiten Schuljahre cingeübt werden. >>> Der fortgesetzte Sprachunterricht. Haben die Schüler auf diese Weise leicht und schnell das Lesen, Schreiben nnd Uebersetzcn gelernt, so gebe man ihnen sofort Gebetbuch oder Bibel in die Hand, oie. sie in einer gewissen Auswahl ihres Inhalts gemäß der Wichtigkeit und leichten Ersaßbarkeit desselben kennen und übersetzen, ganz besonders aber vcrsteben lernen sollen. DaS Uebersehe» kann meiner Meinung nach auf leichte. Weise so cingcübt werden, daß die Schüler aus einem Vokabularium, das mit Rücksicht auf die in den 'verschiedenen UntcrrichtSstuscn vorauszusetzende nnd einzuübcirde grammatikalische Kenntnis; abgrfaßt ist, die Vokabeln auswendig lernen und der Lcbrer mit ibnen darauf in der Unterrichtsstunde die Uebersetzung dcS Gebetes oder der Bibelstelle selbst vernimmt. So ist die Arbeit zwischen Lehrer und Schüler anfangs angemessen vertheilt. Später kann dann der Lehrer auch die Uebersetzung vorbereitcn lassen. Die Grammatik darf aber nicht als Hauptsache betrieben werden, sondern nur nebenher gehen und' das sammelnd ordnen, was während der einzelnen llebuugeii im Uebcrsetzen an graminatikalischem Material dem Schüler bekannt geworden. Es find deinnach für den Unterricht ein Vokabularium für den “no (besonders für Mädchen wichtig j und eins, für das rein nothwendig. Alpbabetarifch geordnete Lerica halte ich erst in den oberen Classen (Abtheilungcn» für gngemesse»; trotzdem soll und kann die Gewandtheit, in der Benutzung eines, solchen vor der Zeit schon erlangt werden. T. K. Lin tchrrr O rnk-Lramcn in Mirklrmbtrg. Mitgetheill von einein Geprüften. Die israelitischen Lebrer Württembergs machen ihre Bildungslaufbahn mit ihren evangelischen Collegen durch und sind demgemäß 2 Jahre Präparandcn und 2, seit der neuesten Zeit 3 Jahre Seminaristen. Da von Israeliten nur das Seminar i» Eßlingen'besucht werden kann, so frequentiren dieselben gewöhnlich auch die dortige Präparanden-Anstalt des Stadtoberlebrcrs Lumpp. Bei der Adspirantenprüfung wird nack oem Besitz von Kenntnissen in hebräischen. Fächern nicht gefragt. Die Eßlinger Präparanden erhalten seit 10 Jabren von dem Waisenvater, Herrn Liebmann, wöchentlich 2„ Stunden hebräischen Unterricht und zwar in Grammatik und im Uebersetzen der Bibes. Bei der ~ Ausnabme ins Seminar wird über diesen Unterricht geprüft. In, Seminar erhalten die Zöglinge durch Herrn Liebmann wöchentlich 10 Stunden hebräischen Unterricht und zwar 2 im Vorbeteu uuo Vorlesen in der Thora, 1 im deutschen, religiösen -Vortrag, 2 in der Religions- und Katenderlchre. 4im Ertbeilen deö Religionsnnterrichtcs, 2 im Uebcvsctzcn der Psalmen, Hiobs und der Spr. Sal., l im Uebersetzen eines “re znni Zwecke des Lernens, 1 im Componiren (?>. Rach beendigter Semi narzeit findet die hebräische Prüfung vor den Mitgliedern der isr. Qberkirchenbebörde statt. Wie der hebräische Unterricht im nun eingerichteten dreijährigen Scminarkurs gchandbabt wird, ist bis jetzt nickt bekannt, da die drei isr. Zöglings die im Jahre 1S60 inö Seminar einrraten, dieses Jabr neck mit zweijäbriger Scminarzeit entlassen wurden. Wehl wird, wie cs in andern Häckern auck geschieht, die vraktiichr Ausbildung in den Vordergrund treten. Rach zurückgelcgtem 24. LebenSjabr wirs der Lchrgebilfe oder Amtsverwescr zu einer zweiten Dienft- oder Anstellungsprüfung zugclast'en. Die jüngste solche fand statt in den allgemeinen Scknlfächcrn vom 2?, bis 29. und in den hebräischen Fächern am 90 und 31. Juli d. I. Gewiß interessirt eS mauckc Lesex des „Israelitischen Lebrer" zur Beurtheilung der Ans fordcrungen, die in Beziebnng auf Kenntnisse an einen württembergischen Lcbrer gestellt werden den Gang uitd die Aufgaben erwähnter Prüfung zu erfahren. — Die'Prüfungscommission bestand, aus den Herren Eisenlobr, Seminarrektor in Rurtingen, Mcsapp, Schu'.inspekror in Stuttgart, Kochendörfer, Lehrer ander Bürgerschule in Stuttgart und Maier, Lehrer in Heiningen bei Göppingen. Erfreulich ist es, sagen zu können, daß der größte Theil der Examenausgaben von letzteren zwei Herren, also von VolkS-Schullebrern gegeben, und daß auch das ganze Examen von ihnen hauptsächlich überwacht und geleitet wurde. Die Arbeitszeit war eine strenge; denn Vormittags von 7 — 12- Uhr und RächmittagS von V;2—7 Uhr mußte unausgesetzt gearbeitet werden: dazu kam noch außer dieser Heil die Vorbereitung aus eine Lehrprobe. Zu jedem Pensum erhielt man circa 21 * Stunden Zeit, während welcher aber auch mündlich examinirt wurde. — Die schriftlichen Aufgaben lauteten: 1. A u f s a tz : Wie kann sich bei einem Lehrer die Treue im Kleinen bewähren? r