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Der israelitische Lehrer · 1868-09-09 · 37 (9.9.1868) · p. Seite 194

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
37 (9.9.1868)
Date
1868-09-09
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Ansichten über die jüdische Lehre und zur formalen wie materialen -Bildung des Geistes die Kenntniß der hebräischen Sprache für Israeliten unentbehrlich, also ein wichtiger Gegenstand des jüdischen Religionsunterrichtes sein' undbleiben must. Hierdurch bestimmt üch aber zugleich das Ziel dieses Unterrichtszweiges für die Ekementarreligionsschule. Es ist die durch Rücksicht auf das spätere religiöse Leben nothwendige Kenntniß des Gebetbuches und Verständniß seines Inhaltes, ferner die.Kenntlliß derjenigen Theile der Bibel, welch^ im Golteshausc zur öffentlichen Vorlesung kommen, endlich die Kenntnis der wichtigsten grammatikalischen Eigcnthümlichkeiten und Erscheinungen in der hebräischen Sprache, soweit sie zur Erleichterung deS- Uebersetzens nolhwendig sind, und sich eignen, die wissenschaftliche Erfassung der Sprache anzubabnen. So weit, aber nickt weiter ist das Ziel des clementariscken Religionsunterrichtes aefteckt. II.' Stoff. Ben Stoff des hebräischen Sprachunterrichtes bilden der-Unterricht im Lesen, Schreiben und Ueber- , setzen, sowie im grammatikalischen Erfassen des durch zunehmenden Uebersetzuitgsstoffes, der durch das Ziel dieses ~ llntet-richts genau bestimmt ist. Wir wollen das Einzelne eingehender erörtern.;n Ser Anfangsunterricht in der hebräischen Sprache. ' Wenn ein Sprachunterricht .mir dem Lesen der Wörter in dieser Sprache beginnt, so muff er entweder das Verständnis der Wörter vorauSsetzcn, die das Kind nur in ihrer ftchtbareu-Darstellung kennen lernen soll, oder er muff das Verständnis der Wörter mit dem Lesen derselbe» gleichzeitig einüben. Kas erstere iir der Fall beim Unterricht in der Muttersprache. in dem, wenn er pädagogisch d. h. zchsvchologisch richtig ertheilt'wird, die Kinder nur diejenigen Wörter lesen lernen, welche ffe in ihrer Umgebung schon haben sprechen hören, welche sie selbst täglich sprechen und deren Sinn ne rcrsteben, und .diejenigen, welche ne durch den Anschauungsunterrichl sich angeeigsiet -haben. Das letztere ist aber stets der Fall, wenn der Unterricht in einer fremden Sprache ertheilt wird. Bis jetzt wird aber gröfftentheils weder auf die eine noch ans die andere Weise der hebräische - Sprachunterricht ertheilt. Das Kind muff die harte Qual aui sich nehmen, .Wörter lesen zu lernen, die es noch nicht gehört hat und deren Sinn man ihm erst sehr spät erklärt. Das Unpädagogische, Schädliche dieser Methode leuchtet ein-. Es ergibt sich daher für den methodischen und den würdigeren Begriffen von Pädagogik entsprechenden hebräischen Sprachunterricht entweder die Aufgabe, dem Kinde, bevor es die Leseübungen anstellt, einen Schatz von Wörtern beizubringen, die einen praktisch religiösen Werth haben, es die Uebersetzung derselben zu lehren und dann erst mit dem Lesen, aber eben nur dieser bekannten und verstandenen Wörter zu beginnen oder mit dem Lesen zugleich das Uebersetzen zu üben*). Den erstercn Weg würde ich den Schulen, in welchen auch der deutsche Elementarunterricht ertheilt wird, ganz besonders noch deshalb empfehlen, als dadurchdie gar nicht zu vertheidigende Erschwerung durch gleichzeitiges Erlernen des Deutsch- und Hebräisch-Lesens vollständig beseitigt wird. Das; aber mit dem Deutsch-Lesen früher begonnen werde al$ mit dem Hebräff'ch-Lesen, geht wiederum aus der pädagogischen Anschauung hervor, die ich oben ausgesprochen. Der Vordere!- kungs-Unterrichl für das Hebräisch-Lesen müßte demnach darin bestehen, daff die Kinder durch Vor- und Nachsprechen und häufiges Einüben wöchentlich eine Reihe wichtiger Gebetslücke auswendig lernen und übersetzen. Als passend erachte ich vor Allem ys:' *iotr, einzelne r.o~c, einen Theil des;nv7i des Gebetes vor dem Schlafengehen und vielleicht des .Liedes C?iy oder rrrwj ’n\x, da sich diese Gebeie vorzüglich zu einfache» religiösen Betrachtungen eignen und gewissermaffen ein Ganzes bilden. Die übrige Zeit des Religionsunterrichts mi'nfte für diese Schüler mit dem Lehren ausgewäblter Stücke aus cker biblischen Geschickte und den oben angeregten religiösen Betrachtungen auSgesülll werden. Diese Methode übt einen erfteulichen Einfluß auf die Kinder aus, indem sie bei geschickter Handhabung derselben am Unterrichte lebhaftes Interesse nehmen und denselben lieben lernen. Aber nicht überall läfft sich diese Porbereitungsmethode anwenden, und in diesem Falle tritt die andeöe Forderung in Kraft, mit dem Lesen zugleich das Uebersetzen zu üben. Es sind demnach für den ersten Mcsssenlescunterncht solche Lesetabellcn nothwendig, die Wörter aus jenen Gebetstücken nach einer gewissen Qrdnung zusammcngestellt enthalten, welche das Kind leien unls übersetzen lernen muff. Rach Einübung dieser Lesetabellen muff dem Scküler eine Fibel in die Hand gegeben werden, nach der Lesen und Uebersetzen zugleich geübt werden kann. Selbst die Bekanntschaft mit dem Artikel, den Suffiren und dem Kal des regelmäßigen jVcrb kann auf diese Weise succrssiv ohne großen grammatikalischen Aufwand vom Kinde erworben werden. Wenn der spätere, aüfj selbstständiges Arbeiten sich stützende Uebersetzungsunterricht aber als *) Ungefähr denselben Weg schlagen imlere Schriften „Der Unterricht lrn Hebräischen, methodische Anleitung für isr. Lehrer und die e« werden wollen* und „Erstes Lese- und Ucbersetzungsbuch im Hebräischen" «in, die dem geschätzten Verfasser unbekannt zu szin scheinen. Wir sind mindestens im Grundprincip, in der Zdep ganz einverstanden und von derselben ausgegangen. Leider läßh sich das Gros unserer Lehrer nicht von Principien und Ideen lenken. Sie folgen lieber leichten, ausgetretenen Wegen.! Red- >

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