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Der israelitische Lehrer · 1868-09-09 · 37 (9.9.1868) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
37 (9.9.1868)
Date
1868-09-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zeitschrift für die gcsammten Jnteresien des Iudenthums und insbesondere des israelitischen L e h r e r st a n d e s. Organ, für den Verein „Achawa.' Jfä 37. Den 9. September 1868 8. Zahlgang. wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Lbonnemcntsprcis 40 kr. — 111/2 Sgr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petit,eile. Bestillungen nehnreu alle Postämter und Buchhandlungen an. Der hebräische Sprachunterricht. I. Wichtigkeit und Ziel desselben. Es iil schon oft die Klage über den täglich immer mehr uni sich greifenden Indisserentismus unserer Glaubensgenossen in religiöser Beziehung laut geworden, so t atz Mancher kleinmüthig sich und Andern die Frage verlegte: „Wird das Zudenthnm, das so muthig und entschieden die rohen, grausamen Angrisse verflossener Zeiten abwehren konnte, beute noch im Stande sein, gegen die Lauheit und Gleichgültigkeit einer großen und beachtenswertben Zahl seiner eigenen Bekenner üch zu wappnen und siegreich zu vcrtheidigen?" Der Denkende, welcher sicb nicht bloS seinen Empfindungen und bitteren Klagen überläßt, sucht auch nach den Gründen der bcklagcnswerthen Lauheit und findet, daß sie nicht Wirkung einer plötzlichen Veränderung und nicht so sehr-böser Wille, als dao Ergebnis; schädlicher Zeitricbtungcn und mangelhastcr Zustände in unscrcni religiösen Leben sind, deren Einfluß selbst edler angelegte Seelen schwer widerstehen konnten Wenn wir nun die Lenkung jener Zeitströmungen weniger in unserer Gewalt haben, so können wir doch jene Mängel in ünscrm eigenen ReligionSleben eher beseitigen, wenn wir sie streng ptüsen, mit Umsicht und Einsicht auf Mittel zur Abhülfc sinnen und mit Liebe und Gewissenhaftigkeit dieselben zur Anwendung bringen. Hier wollen wir unter ollen Mängeln den wichtigsten, aus dem so viele andere entstehen, berühren, nämlich die Unkenntnis; in religiösen Dingen. Sie ist die Duelle der zahlreicben Vorurchcile und falsct en Meinungen über unsere Religion und darum auch der Abneigung, die Piele vor ihren Einrichtungen empfinden; die Uukennt- ^»iß in der hebräischen Sprache besonders ist schuld Hvn der Nichtbefriedigung, mit der selbst nach religiöser 'Erhebung sich sehnende Gen üther unsere Gotteshäuser besuchen oder gar meiden, da ihnen das Derständniß für die hebräische Sprache, in welcher unsere Gebete abgefaßt sind, fehlt. Diese Sprache aber aus dem Gotteshause zu verbannen, erbeben nur diejenigen züm liturgischen Grundsätze, welche deu Zusammenhang mit der Geschichte uuser'S Volkes verloren baben und nur in der Gegenwart leben; die die hebräische Sprache nicht lieben und schätzen gelernt; diejenigen endlich, 1 die dem indissereincu Publikum uachgeben und deu Gottesdienst bequem machen wollen. Selbst aber, wenn der Beibehaltung der hebräischen Sprache im Gotteshause hinreichende-Gründe entgegengestclll werden könnten, so ist doch die Wirklichkeit unabweisbar in ihrer Forderung der Kenntniß und ecs Verständnisses der einmal eingeführten ('vktf, die doch so leicht und so schnell durch andere nicht ersetzt werden tonnten. Aber nicht bloö das Beihaus und das täglich? Beten im Wohnbause, sondern auch das richtige und echt religiöse Erfassen des biblischen Inhalts, die Erzielung des tiefen, schwer verlöichbaren Eindruckes aus unser Gemülh durch Kenntniß der Äibcl, verlangt die Kenntnis; jener Sprache. Die beste Bibelübersetzung wird niemals auf das Gemütb des jüdischen Kindes so einwirken, 'olcken Einfluß aus seine religiöse Bildung haben, als die durch das selbstständige Ncbersetzen des Urtertes gewonnene Anschauung es vermag. Aber selbst das Verständniß der Gebete ist ebne Bibclkenntniß sehr erschwert. Dazu kommt, daß durch die allwöchentliche Vorlesung einzelner Abs» nittc der Bibel die Kenntniß derselben zu einer Bedingung für die religiöse Erhebung im Gotlcshause wird, Mil Rechi können wir aber. auch die Bereicherung und Bildung unseres Geistes sowohl in formaler als materialer Beziehung, die Verfeinerung unseres ästhetischen Gefühls, die Stärkung unseres wissenschaftlichen Sinnes, die sämmtlich durch ein richtiges Erfassen; des biblischen Urtextes erzielt werden, hierbei in Anschlag bringen. Aus dieser Betrachtung resultirt demnach, 'daß zur fördernden Theilnahme am üblichen Gottesdienste, zur Erweckung, Erhaltung und Stärkung des religiösen Sinnes, zur Verbreitung richtiger

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