Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 36 (2.9.1868)
- Date
- 1868-09-02
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431910--2082-4898472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
190 Namen „Jüdisch-Theologischer Verein" und bat einen Vorstand von 5 ComitS-Mitgliedern: Graetz (BreSlau), Renn (daselbst), G.üdrmanii (Wien >, Horowitz (M. Friedland), Perles (Posen). Und dennoch scheint der Verein anti-reformatorischen Bestrebungen zu huldigen und eine Verwarnung vor der Thcilnabme an der Casseler Rabbiner-Versammlung zum Zwecke gehabt;u haben: wenigstens scheint man eine abwartende Stellung zu der Tendenz .und den Resultaten dieser Versammlung babeu einnehmen zu wollen und zu (ollen. Einen Beweis hierfür lieferte auch der Umstand, daß Or. Joel, der srühere Seminarlebrer und jetzige Rabbiner in Breslau, an dieser Theologen-Versammluug weder Theil genommen hat, neck zu derselben einaeladen war. Er batte eben von vornherein seine Thcilnabme an der Casseler Rabbiner- Versammlung zugesagt und hat auck sein dasür gegebenes Wort gelöst: Fcel's reicrmalorisckc Richtung, wie sie ihm in seiner jetzigen Stellung geboten m, steht jrdensalls seiner trüberen, von dem Seminar vcrgezeichneten, entgegen. Seine srühere Anschauung klingt beute noch durch: einF ssirc?stichtung ist Joel noch nicht eigen geworden. - JÜ auf er 6 weit er im Hunsrück, 16. Rüg. H» der heute hier anberaumtenEonserenz batten sich nur Lebrcr W. Kap aus Hattenbach, H. Leon, trüberer Lebrer hier, M. Eppstein aus Kirckbcrg, v. o. Walde aus Wilüich, I. Eppstein aiw Gemündcn und Laser aus Sohren eingefunden. Die'e beschlossen: Wir (eben ein, daß die Bckhciligung der Herrn College» in hiesiger Gegend eine viel zu geringe ist und müßten unser hegonueneo Werk aufgeben, wenn wir nicht boitten,' daß unsere College» der Bezirke Trier und Ccblenz sich in größerer Anzahl, als bisher uns anschließen, daniil wir mit diesen einen Bcstrksverein bilden, der sich dann, sobald er lebensfähig geworden, einem größer» Vereine anschließt. Behufs dessen soll dies, gleich-eilig als ein Aufruf gelten, ist Welchem die Herrn College» aus den genannten Bezirken und diejenigen aus dem Dirkenfeld'schen ausgefortert. merken, sich bei dem Unrcrzeickneren zu melden, ob iie gewillt sind, sich an der noch näher zu bestimmenden Eonserenz zu betheiligeu. Ebenso, wie wir lobend erwähnen müssen, daß Lehrer Levr, trotzdem er jetzt Privatmann ist, sich noch recht warm der Sache ännimmt und keine Kosten fcheute, uns den Aufenthalt in- LauferSweiler angcj nehm zu machen^- müssen wir das Benehmen der j Collegen M. und C, aus PH. tadeln, welche beide > aus rein egoistischen Gründen .der Conseren; fern > büeben. - ... j Doch alles, dies darf uns nicht sbschrecken, wir j dürfen den Murh nicht verlieren das begonnene Werk > zu fordern, sondern. im Vertrauen am Gott und > j unsere gute Sache hosten wir, daß recht viele Collegen! von Rbein und Nahe, von Mosel und Saar sich hier! melden und uns ihre Hülfe Zusagen. Kirchberg, den 16. Zlugust 1668. M. Eppstein, Lehrer. Wien. Eine originelle Mittbeilung, die die Leitungen bringen, dürfte auch für die Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift Interesse haben. Bei der jüngsten Neubildung des türkischen Staatsraths wurde auch ein jüdisches Mitglied ernannt, der den -Name» „Avram" (Abraham) batte, eine ausgezeichnete Persönlichkeit von hoben Verdienste», welcher seit vielen Jahren in Mogastir wobntc. Da Familiennamen bei den orientalischen Hilden noch '.oonig im Gebrauch? sind, so nannte er sich »ach seinem Geburtsorte „Avram von Salouicki". Man telegraphirte also aus diesem Grunde irrtbümlich nach gemütblich türkischer Weise alsbald von Cvnstantinvpcl an die Behörden von Salon ichi, einen gewissen Juden „Avram" unverzüglich nach der Hauptstadt abrciscn zu lassen. In Salouichi aber war guter Rath lbeuer, dort gab's der „Avrams" so viele, als Siegel auf den Dächern. Und wieder in ganz gemüthlich orientalischer Weise griff man aus'S Gerakbewvhl einen kleinen Buchhändler dieses -Namens heraus und ließ denselben obnc weitere Rück>ichtsnahine unter guter Bedeckung alsbald nach Confrantinopel abführen. Ans dein Woge dabin glaubte der Unglückliche nichts weniger, als daß es ibm um den >topf ginge und machte sin Stillen seine Todesvorbcreitungen. Man kann stch daher das Erstaunen und eie Freude des guten Mannes denken, als man ihm in Constantinopel mir allen Zeichen der Hochachtmig und Ehrerbietung-entgegen kam und er erfuhr, daß er mit einem Gehalte von 7000 Piaster zum Stagtsraibe ernannt sei. Geduldig ergab er sich auch darin, weil chm dies jcdessalls angenehmer dünkte als der.Verlust des Kopfes und ohne viel Erstaunen und Verwunderung zu zeigen, und als gehöre er von Rechtswegen in die >o hochachtbare Versammlung, nahm er s-inen Sitz im Staatsrathc ein. Hier bat er wohl, trotz orientalischer Sitte, die auck dem gewöhnlichen Manne aus dem Volke einen gewissen Anstrich von Würde gibt, durch seine Manieren sich von seine» Collegen ein wenig unterschieden. 'Nichtsdestoweniger batte er einen klugen Göisl und viel gelesen und er gab manchmal« ganz vernünftige Raihschläge, die von der erleuchteten Versammlung acccptirt und ausgeführt wurden. Unterdessen batte aker der wahre „Abraham" aus dem geraden Wege seine Ernennung empfangen und kam nach Confrantinopel, um seinen Sitz einzunehmen. Groß war das Erstaunen und die Ver-