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Der israelitische Lehrer · 1868-09-02 · 36 (2.9.1868) · p. Seite 189

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
36 (2.9.1868)
Date
1868-09-02
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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189 wenig. Aber unsere Glaubensgenossen, die dort Sitz und Stimme haben? Diese sind entweder ältere Männer, denen aus der Jugend her noch die Hepp-Hepp-Rufe in den Ohren gellen, die daher Alle» posenfarbig sehen, die glauben und es auck aussprechen, es sei ja einst viel ärger gewesen, es sei ja jetzt schon um so Vieles besser geworden, man dürfe nicht zu viel verlangen! Andere wiederum sind tüchtige Politiker, deren Sinn vornehmlich aus andere Fragen gerichtet ist, wobei für uns und. die gesetzliche Regelung unserer. Verhältnisse höchstens im Vorbeigehen ein Wörtchen mit abfällt! noch Andere aber trösten sich damit, daß wir ja die schönsten Anfänge zu selbständig freier Entwicklung besitzen, die wir nicht verkümmern dürfen durch einen Ausruf an die Regierung, helsend und daher auch überwachend miteinzugreisen. Dabei werden aber jährsich Millionen, zu denen jüdische Steuer zahler redlich mitbeigetragen, für christliche Kirchen und christliche Schulen verwandt, während man uns kaum das Recht zugestehl, aus eigene Kosten Schulen zu begründen. Diese sogenannten rein consessionellen Anstalten, von welchen selbst beim größten Mangel an Lehrkräften der jüdische Lehrer zurückgewiesen wird, auf welchen dem jüdischen Kinde so oft zu verstehen gegeben wird, daß es bloS aus Gnade dort geduldet werde, sie werden erhalten mir durch unsere Steuern! Der Jude natürlick darf sick nichl erfrechen, christliche Kinder zu unterrichten, er könnte ja Entchristlichung der kindlichen Brust einpslanzen, er verunzierte oder verderbte auch wohl ein christliches Lehreri^llegium! Aber die jüdischen Kinder sind fair aller Orten gezwungen, den Unterrickt christlicher Lehrer zu genießen und — sieht das Alles nicht so aus, als ob der Staat eine Missionsanstalt zur Bekehrung der Juden wäre? Dificile est satvram mm seribere! Dem wird, dem kann gründlich und allgemein nur durch Einrichtung von Simultanschulen abgeholien werden. Unser Interesse führt uns hier wieder, wenn es nicht schon die Principiensrage an und für sick thäte, in die Reihen der liberalen Kämpfer! Simultan sei die Schule für Schüler und Lehrer! « Die Frage über die Ertheilung des Religionsunterrichtes lassen wir für diesmal unerörterl!) Aber so lange der Kamps währt dürfen und sollen wir nickt, theilS um wenigstens etwas zu erreichen, theils zur Unterstützung des allgemeinen Kampfes, da, wo unsere Zahl, unser Steuerbetrag und die Anzahl der Schulkinder unseres Glaubens uns dazu berechtigen, jüdische Gymnasien, „ jüdische Realschulen von dem Staate, von den Städten fordern? Wenn, wie am hiesigen Orte, an den 2 Realschulen und den 4 Gymnasien 400/« der Schüler Juden sind, haben wir nicht die Pflicht, eine jüdische Realschule und ein ebensolches Gymnasium zu verlangen? Muß dem nicht endlick ein Ende gemacht werden, daß "Städte wie Breslau trotz ihres Liberalismus nicht einmal bis jetzt daran gedackt haben, aus städtischen Mitteln auch nur eine jüdische Elementarsckule zu gründen? Nun wird zwar dem Staate gegenüber,'so lange das Princip des christlichen Staates uns entgegengehalten wird, unsere Forderung erfolglos bleiben. Je doch das hat bisher noch Niemand gewagt, das neue Dogma von der „christlichen Stadtgemeinde" zu verkünden7 Hier also müssen wir unsere Hebel ansetzen! Berlin und Breslau, und wo sonst die Verhältnisse ähnlich liegen, dürfen nicht ermüden, von den Stadtgemeinden die Gründung jüdischer höberer Lehranstalten zu verlangen! Das wird nicht blos den Juden und dem Judenthume, den jüd. Lehrern und den jüd. Kindern zu Gute kommen. Unsere liberalen Freunde dürfen dabei nicht verdrießlich den Kops schütteln. Diese unsere Forderung unterstützt das Begehren nach Simultanschulen. Denn selbst vorausgesetzt, daß die Regierung solchen auö den Mitteln der Stadlgemeinde zu errichtenden jüd. Schulen die Genehmigung verjagte, würde die unermüdete Reuforderung sie zum Compromiffe hindrängen, dessen Wesen in der Simultanschulc gegeben ist. Ja selbst die Gründung solcher jüd- Lehranstalten erleichtert das Jnslebentreten der Simultansckulen. Denn, wenn auch der Konservatismus und kirckliche Sinn unseres Ministeriums sich wohl in gewissen Maßregeln gegen den Besuch jüdiscker Sckulen durch christliche Kinder ricktel «die Frankfurter Realschule darf bekanntlich nur an Juden Zeugnisse bebuss Zulassung zum einjäbrigen freiwilligen Soldatendienste geben!», so wird dock wohl Niemand von demselben erwarten, daß er sich soweit erstrecken würde, die Berufung christlicher Lehrkräfte an jüd. Schulen zu hindern, was bei dem Mangel praktisch erfahrener jüd. Lehrer «Direktoren z. B » öfter geschehen dürfte! , Resumirenk also möchten wir unsere Stellung jener Frage gegenüber dahin kennzeichnen, daß wir Simultanschulen in erster Linie erstreben: daß aber, solange diese nicht genehmigt werden, wir jüd. Lehranstalten von den Stadtgemeinden besonders, in denen wir hinreickend vertreten sind, als uyser Recht fordern müssen! (A.) Breslau. Die Fränkel'sche sog. Rabbiner- Versammlung hat ihr Protokoll veröffentlicht. Nach demselben war es zunächst eine Besprechung der Lehr- und Studiengenossen des Seminars, der Rabbiner in und außer Amt, welche aus demselben hervor gegangen sind, um zum Zwecke wissenschaftlicher Anregung und einheitlichen Wirkens periodische Zusammenkünfte zu veranlassen. Z" diesem Behufe ist ein Verein gebildet worden, in welchem auch der Eintritt von Nicht - Seminaristen freigegeben ist. Der Verein führt den c.

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