Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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178 muh; da aber die Methodik hier nickt zu besprechen, und insbesondere die Ansicht vorherrschend ist, daß für einen ganz gesonderten hebräischen grammatischen Unterricht nickt Zeit übrig bleiben dürfte, so unterläßt die Versammlung bie- Beschlußfassung über den beregtcn Gegenstand. Der Referent verliest die Fortsetzung seines Referates. „Nachbiblische Geschickte. Diesem Gegenstände wurde bisher zu wenig oder fast gar keine Aufmerksamkeit in vielen unsrer Schulen zngcwandt, und doch halte ick denselben für sehr geeignet, auf die religiöse Erziehung unsrer Zugend einen großen Einfluß anszuübeN. Abgesehen davon, daß im GeschichtS- Uuterrickt im Allgemeinen ein bedeutendes Bildungselement liegt, ist die jüdische Geschichte für unsre Kinder um so mebr zu kennen nölhig, als sie durch dieselbe erstens mit dem Gang der Ereignisse von dem Abschluß der Bibel an hiS auf unsre Zeit bekannt werden, und alS ihnen zweitens hierdurch Gelegenheit geboten wird, das Entstehen sehr vie'er religiösen Satzungen und Gebräuche kennen zu lernen und als sie ferner mit den Hauptpersonen der jeweiligen Zeitepocken bekannt werden, wodurch ihnen Vorbilder kor dieAugen gestellt werden, welche durch ihr Denken und Handeln, , Ringen und Kämpfen als Sterne erster Größe erscheinen! und sie zum Nackei fern anspornrn. So wird dieser Gegenstand gewiß wesentlich beitragen, den Kindern ibre Religion, um die ihre Vor-; fahren so oft wacker gekämpft lür die sie ihr Gut und Blut eingesetzt, um' io wertber zu macken. Warum sollten wir auch nicht jüdische Geschichte unterrichten, da wir ja deutsche und allgemcine Geschickte lehren? Das Feld ist . jetzt geebnet, die Neuzeit hat auS; dem Schachte mancher verborgenen Alterthümer Vieles | zu Tage gefördert, so daß wir jetzt einen gedeckten! Tisch auf d'kirm Gebiete finden; wir dürken nur zugreifen. Dem Lehrer steht also viel Material zu Gebote, er bat nur üi 'sichten' und daS für die Sckulc Brauchbare mundgerecht zu macken. Dies wird wohl am Bcst-'N dadurch geschehen, wenn er im kurzen Abriß die Geschickte in chroi alogischer Ordnung vorträgt (ick halte die chronologische Ordnung für unbedingt nölhig, weil andernfalls zu leicht Verwirrung chei den Kindern entsteht und siesonst kein klares Bild vom Ganze» bekommen) und' von den bedeutendsten Männern des j weiligcn Zeitabschnitts anziehende Biographiecn gibt. Die Kinder mögen sich die bedeutendsten Momente mit den betreffenden Jahreszahlen Ft» ein Hest^en^ragen, um einen Anbaltepunkr zu baben^^Mj^/hfrstin Unterrichte können wir im 10 bis 11. Zähre beginnen, auS Zeitmangel dem'elbcn aber webl nur 1 Stunde wöchentlich widmen." Fortsetzung folg:.) Wochenbericht. Wiesbaden, 13. Aug. Bei Ausfertigung der Obligationen des AnlebenS der israelitischen Cultusgemeinde dahier nahm der Vorstand derselben die Stempelsreibeit der Urkunden in Anspruch, da solche auch den übrigen Kirchengemeinden zusteht und im Nassauischen die israelitische CultuSgemeinde dieselbe Berechtigung hatte, wie die christliche. Von der Generalsteuerdirektion in Berlin wurde jedoch entschieden, daß die Obligationen zu stempeln seien, da „den Svnagogen der alten Provinzen eine subjective Stempelsreibeit nicht zustebe." Zu bemerken ist dabei (fügt die „Mittelrheinischc Zeitung" Obigem hinzu), daß in der Eingabe wegen der Befreiung vom Stempel ausdrücklich Hervorgeboben war, daß die nasfauischen israelitischen Genieinden dieselben Rechte genießen, wie die christlichen, und daß die Anlehen bereits 1866, zur Zeit als Nassau noch selbstständig war, ausgenommen und lediglich nur der Druck der Obligationen rcrrögert wurde. Es liegt hierin doch gewiß eine Verkümmerung früherer Rechte. (Diese Entscheidung dünkt unS höckst bedauerlich und ernst. Eö scheint uns damit ausgesprochen, daß die Rechte, Eigenthümlichkciten und Einrichtungen der Juden und des ZudenthumS in den neupreußischen Provinzen überhaupt ‘ von Preußen nickt beachtet werden und damit sind / viele Institution dieser Provinzen gefährdet, dercn^ Erhaltung man bisher noch erhoffte. -Wir haben dies stets befürchtet. Warten wir ab, was weiter geschehen wird. (Red.) Frankfurt. Vor einiger Zeit gingen aus der „Allgemeinen Zeitung des Zudenthums," welcher sich später als Kampfgenosiin die „National-Liberale (Korrespondenz" anschloß, heftige Angriste gegcn Professor V i r ck o w in die öffentlichen Blätter über. Ein Herr Dr. Meilitz beschuldigte Virchow, bei der Besetzung der Assistentenstellen im pathologischen Laboratorium aus confessionellen Gründen die Meldung jüdischer Aspiranten nicht zu berücksichtigen und außerdem auS gleichen Gründen sich einem Anträge auf Ernennung des Herrn Dr. Traube zum ordentlichen Professor widersetzt zu haben. Virchow gibt jetzt in seinem Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie eine ausführliche Antwort auf die Angriste. Nachdem er die Anschuldigung in Bezug auf die Anstellung seiner Assistenten durch Besprechung der einzelnen vorliegenden Fälle zurückgewiesen bat, sagt er in Bezug auf die Traube'sche Angelegenheit: „Herr Dr. M. hat jetzt „aus zuverlässiger Quelle" erfahren, daß eine auf die Ernennung des Herrn Traube zum ordentlichen Professor gebende „Anregung eines hervorragenden FacultätsmitglieteS bei Hrn. Virchow auf Wider-