Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 34 (19.8.1868)
- Date
- 1868-08-19
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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169 II. Gegenstand der Tagesordnung: Ueber die neuere Methode des Schönschreib-Unterrichts; Bortrag von Lehrer Kronenberg in Bünde. Diesem Bortrage folgten wir Alle mit großein Interesse. Bei dieser Methode wird immer der wichtige pädagogische Grundsatz festgehalten, vom Leichteren;um Schwereren überzugehen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß durch diese Methode, vom Lehrer richtig benutzt, bei den Schülern die schönsten Resultate zu erzielen sind. Es würde zu umständlich sein, wollte ich hier die Einzelheiten dieser Methode wiedergeben. Hl. Gegenstand der Tagesordnung bildete das schon auf der vorigen Eonferen; besprochene Thema: Gehört jüdisch-deutsch Lesen und jüdisch-deutsch Schreiben in die jüdische Elementarschule? Wir waren damals fast sämmtlick der Ansicht, daß in einer jüdischen Schule die in Krage stehenden Gegenstände wohl gelehrt werden inüffen, zuinal sie nur eine ganz geringe Zeit in Anspruch nehinen, also nebenbei betrieben tverden können. Trotzdem stellen sich dem Unterrichte beider Gegenstände Scktvierigkeiten entgegen; nämlich dem jirdischdeutsch Lesen, daß keine bcbräische Fibel vorhanden ist. welche eine genügende Anzahl von jüdisck-deutscken Uebungsstücken enthält; dem jüdisch-deutschen Schreiben aber, daß wir bis jetzt keine allgemeine Orthographie hierüber besitzen. Wir machten die bald nachher zu Doriinund tagende Eonfcrenz für Rheinland und Westphalen auf diese beiden Uebelstände aufmerksam und ersuchten sie. zur Abstellung derselben beizutragen. Der Borsitzende der Eonferen; für Rheinland und Westphalen, Herr- Blumenau, theilte uns mit, daß sich die zu Dortinund tagende Eonferen; unserer Ansicht anschloß und der anwesende Herausgeberder Hecht'- schen Fibel, Herr Blumenfeld ans Essen, sich bereit erklärt - habe, bei einer neuen Auflage der betreffenden Fibel unsere Wünsche zu berücksichtigen; was die jüdisch-deutscke Orthographie beträfe, so sei uns die Regelung derselben von der Dortinunder Confereiiz übertragen und möchten wir derselben demnächst Vorlage darüber machen. Die Lösung dieser Aufgabe ist nun dem Lehrer- Gaffel und inir von unserer Special-Conferenz übertragen worden. IV. Gegenstand der Tagesordnung: Ueber den Leetionsplan. Da dieser (Gegenstand in diesem geschätzten Blatte schon früher genau erörtert worden ist, so halte ich es nicht für nöthig, die verschiedene Ansichten, welche aus unserer Eonferen; hierüber zu Tage gefördert wurden, hier wiederzugeben; bemerke nur, daß ich der Ansicht, für jede Elasse in jeder Stund« einen besonderen Gegenstand anzusetzen, auS dem Grunde schon nicht zustünmen kann, weil hierdurch die Stunde zu sehr zerstückelt wird und der Lehrer mit einer gewissen Aengstlichkeit auf die Uhr sehen muß, wenn er allen Claffeu gerecht werden will. Ich halte eö vielmehr für zweckmäßiger, womöglich mehrere Claffen für einen Gegenstand zu vereinigen und behalte mir vor,' diese meine Ansicht in einem späteren Aufsatze zu begründen. v. Gegenstand der Tagesordnung: Ueber den Einfluß deS naturwissenschaftlichen Unterrichts auf den Religionsunterricht; Bortrag von H. Lederer. Hauslehrer in Lübbecke. Da ich diesem Bortrage durch Zufall von Anfang zu meinem Bedauern nicht beigewohnt habe, so kann ich nicht darüber berichten. Das Wenige, was ich noch davon zu hören bekam, war klar und einleuchtend und babe auch von mehreren College» ihre Zufriedenheit über diesen Vortrag aussprechen hören. Fn den freien Besprechungen wurde der Antrag des Lehrers Kronenberg, daß bei jeder Eonferen; ein Lehrer in der belr. Ortsschule in Gegenwart der Eonferenz-Mitglieder unterrichte, angenoininen. Es wird noch bestimmt, daß die nächste Eonferen; am 5. October in Lübbecke stattfinden soll und die diesmalige Eonferen; vom Vorsitzenden, Herrn Leeser. Abends 7 Uhr, geschlossen. Möge der Allgütige unsere Bestrebungen mit dem besten Erfolge krönen und uns Kraft, Muth und Ausdauer verleihen, daß wir das uns gesteckte Ziel unter seinem Beistände erreichen. Levern in Westphalen, den W. Fuli 186t«. i B. Rothschild, Lehrer. I _l_ | Wochenbericht. i Alzey. Die französischen Journale fangen auch an, den Hauch der Intoleranz und deS Judenhasses zu athmen. Die Archives isr. geben die betreffenden Auszüge. ES ist eben der verpestende Hauch, welcher aus anderen Ländern über die Grenze weht uE vom Clerus und seinen Organen weiter getragen wird. Die freien Ideen, welche jetzt die Welt bewegen, machen nämlich die bisherigen Stützen der Staaten und der Kirchen wankend. Man nennt diese Träger der freien Idem Feinde des Staat» und der Kirche, — und als solche werden die Juden hingestellt. ES ist dabei natürlich nur auf eine Ablenkung der feindlichen Angriffe auf das Haupt der Juden abgesehm; ganz ähnlich, wie man durch die Hep-Hep-Verfolgungm von 1819 die Entwickelung und Ausbreitung der freim Ideen in Deutschland zu unterdrückm suchte. Auf die Dauer sind diese MonoeuvreS natürlich nicht auSreichmd; für die nächste Gegmwart haben indeß die Juden wiederum dadurch zu leiden. Indeß läßt sich nicht verhehlen, daß diese Leute von einem gewissen Instinkte geleitet werden, der sie das Judenthum als die Religion der Freiheit und Toleranz ahnen, wmn auch noch nicht erkennen läßt. * Vom Taunus im August. Herr Louis Lehmann aus Homburg v. d. Höhe kämpft fortwährend wacker für die Interessen der Schule. -Neulich hat er im „Taunusboten" sich scharf ausgesprochen gegen den Mißbrauch, daß bis jetzt von der Gemeindeverwaltung Homburg'S, an deren Spitze der fromme Rabbiner