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Der israelitische Lehrer · 1868-08-12 · 33 (12.8.1868) · p. Seite 162

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
33 (12.8.1868)
Date
1868-08-12
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 Aeußerung wurde mir auch brieflich von einigen Kollegen mitgetheilt, denen auch ich beiftimme. Dennoch find wir entschlossen, uns an der Versammlung zu beiheiligen, schon deßhalb, um diese unsere Ansicht für die späteren durck zufitzen, aber auch weil durch diese erste schon eine günstige Anregung gewiß erzielt und gegen die seit vielen Jahren herrschende Erschlaffung gewirkt werden wird. Und dieses letztere allein wäre schon Beweggrund genug zur Betbeiligung eines jeden Eollegen von eifrigem und redlichem Streben. Das Grollen, ob des RichteinlaffenS der Laien und deßhalb dem Grundsätze: ,-ivpn drei 2tcr huldigend, j halte ich für Eigensinn, oder Bemäntelung der eigenen! Sckwäche und Gleichgültigkeit. Voraussichtlich wird in; der ersten Versammlung die cultuellr Frage noch nicht zum Abschlüsse kommen; vielmehr wird sie vorerst zur! wissenschaftlichen Diskussion, zum'Zwecke der späteren > Erledigung gebrockt werden, wozu dann gewiß auch ' Laien eingeladen werden. Auch kann fast mit Bestimmtheit vorausgesetzt werden, daß noch andere re-! ligiöse Fragen angeregt werden, die dann später aus die Tagesordnung kommen. Dies Alles ist Grundes genug zur Aktheiligungallein strebsamen Eollegen an dieser ersten Versammlung. * •■wo mr'1 -)[vtr»n -iysc 'sn'vrei ok nmi „wenn auch der Anfang noch gering, so kann das Ende doch sehr groß weiden." Kahn. Coblenz. Nach langen, unsäglicken Leiden starb endlick der hiesige Lehrer Sommer. Er litt an einer Gelenkentzündung des Beines, welche eine Amputation nötbig machte. -Er unterwarf sich dieser in Bonn, aber unterlag den Folgen derselben. Die Beerdigungs- Bruderschaft holte, die Leiche ab, der Vorstand nahm : sie in Empfang und bestattete sie unter allgemeiner Theilnahme zur ewigen Ruhe. Der Rabbiner sprach z ergreifend über den Verlust; die Gemeinde fühlt ihn tief. ] R. Breslau. Die Tbüren der Frankel'schen i Rabbiner-Versammlung haben sich geöffnet. Es ist die 1 Bildung eines theologisch - jüdischen Vereins daraus - hervorgegangen, welcher die Wissenschaft des Juden-; thumS pflegen und für die Praxis die goldene Mit-; telstraße verfolgen, also weder ultra-orthodox, noch radical-reformatorisch sein will. Zunächst gehören diesem Vereine nur die Lehrer und Schüler des Seminars an; die-Ausbreitung des Vereins ist indeß in Aussicht genommenr Wir.erkennen die Nothwendigkeit , eines solchen Vereins nicht an. .Mit den Ultras hat Frankel principiell gebrochen, und seine Richtung und Wirksamkeit wird von diesen perhorrescirt. Radikale Reform wird .zur Zeit nirgends angestrebt. Wozu also.dieses neue „Reich der Mitte?" Die chinesische Mauer der Absonderung birgt wohl nur das Programm der Unthätigkeit. Paris. Mr/Durun, Minister des CultuS, hat die von der Alliance gegründete Anstalt für Bildung von Lehrerzöglingen mit einem inspicirenden Besuche beehrt. Er sprach ehrmde und ermunternde Worte; unter Anderm auch erwähnte er rühmend unserer Zeit, welche die Schmach drückender und barbarischer Verfolgung für die Juden beendigt habe, setzte indeß hinzu: er rede nicht von einer Schmach, womit die Verfolgten, sondern die Verfolger sich befleckt haben. Er sprach auch zu dem ihn begleitenden Advokaten Hrn. Baron v. Rothschild, daß diese Stiftung die schönste seines berühmten Hauses sei. Bekanntlich ist diese Ansicht des Ministers eine irrige, da diese Stiftung nicht zu den zahlreichen des Hauses v. Rothschild gehört. Der Advokat und Baron widersprach nicht, zeigte aber durch seine momentane Verlegenheit, in welche ihn die Anrede des Ministers verfitzte, daß die Belobung eine unverdiente sei. Man hofft, daß, um die Worte des Ministers wahr zu halten, das HauS Rothschild dem Lorbeerkranze seiner Verdienste einen neuen Zweig hinzufügen werde, indem es der in Rede stehenden Stiftung der Kiliane«, wie den Zwecken dieser überhaupt, in dauernder und glänzenderer Weise als bisher, Aufmerksamkeit und Wohlwollen zuwenden wird. Paris. Die für den RabbinatSstuhl in Paris präsentirten Candidaten heißen Zadok Kahn, Michael Mayer, Isaak Levy. Die Namen gelten als bedeutungslos, der zuerst Genannte hat sogar das gesetzliche Alter noch nicht. Die Auswahl in Frankreich scheint demnach gering zu sein. — Die Archives israelites erzählen oder erdichten ein wohl darauf bezügliches Geschichtchen auS einer deutsch-jüdischen Gemeinde, in welcher es sich ebenfalls um die Wahl eines neuen Rabbiners gehandelt habe. Zwei Candidaten hatten sich für einen und denselben Sabbat zu Probe-Predigten eingefunden; beide wohnten in demselben Hause in benachbarten Zimmern. Der eine der Candidaten, ein Mann von Kenntnissen und Bildung, memorirte^ auf seinem Zimmer laut die sorgfältig zu Papier gebrachte Predigt; der andere, ohne Bildung und lediglich ein Phrasenheld, verließ sich auf sein gutes Gedächtniß, womit er angelernte Redensarten festhielt, und auf sein angeborenes natürliches Rednertalent. Endlich wandelte ihn doch eine gewisse Verlegenheit an über das, was er vortragen solle, als er seinen immer lauter werdenden Nachbar und Concurrenten bemerkte. Er legte sein Ohr an die Thüre des Nebenzimmers und lauschte dem studirenden Prediger den Inhalt der ganzen Rede ab. Sein gutes Gedächtniß versagte nicht. Am andern Morgen bestieg er zuerst die Kanzel und trug die abgelauschte Rede vor. Die Gemeinde war voll Bewunderung. Wer beschreibt aber das Erstaunen und die Verlegenheit des zweiten Candidaten, sich in solcher Weile an-

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