Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 33 (12.8.1868)
- Date
- 1868-08-12
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431904--2052-4898445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
tecipirt und düpirt zu sehen? Aber auch er bestieg die Kanzel. Er sprach voll Bewunderung über den schön, gewählten und noch schöner ausgearbeiteten Text des Vorredners, der Inhalt der Rede habe ihn so ergriffen, daß man es ihm verzeihen möge,, wenn er sich nicht davon losmachen könne und ihn in gleicher Weise behandle. Der Gemeinde werde es von Nutzen sein, die Worte so mächtigen Inhalts zum zweiten Male zu hören. Er trug nun seine Rede vor, noch weiter amplificirt, weil sorgfältiger vorbereitet, und mit wärmerem Dortrage, weil von ihm selbst durchdacht und gefühlt. Die Gemeinde bewunderte den noch schöneren Vortrag und namentlich das erstaunliche Gedächtniß des zweiten Redners, welcher die ganze Predigt des Vorredners so treu in sich ausgenommen und wiedergegeben habe, und wählte diesen. Weiter hatte es keinen Zweck. (Gut erfunden!) R. London. Die englische Handelskammer hat sich mit großer Majorität dafür ausgesprochen, bei Besetzung der Lehrstühle an den Universitäten in Oxford und Cambridge in Zukunft die Rücksicht auf Confession außer Acht zu lassen. AuS Petersburg meldet man, daß 20 Juden zur Deportation nach Sibirien verdammt, begnadigt wurden, weil sie sich zum Uebertritt zur orthodoxen Kirche meldeten. Man zeichnete ihnen Kreuze aus den Rücken, und schickte sie zur freien Ansiedlung nach Sibirien. In Rom, „der ewigen Stadt" befinden sich unter 217,378 Seelen 4602 Juden. New-Aork. Or. Raphael, früher Prediger in Birmingham, starb plötzlich in Folge eineö Schlages, kaum 60 Jahre alt. Er war einer der ältesten und tüchtigsten englischen Redner in Israel In Amerika wurde er besonders als Vertheidiger der Sklaverei von jüdisch-biblischem Standpunkte aus bekannt. New-Dork. Die hiesigen Juden spielen einet große Rolle auch in socialer Beziehung. Die Europa besuchenden Christen selbst erzählen Wunderdinge -von den jüdischen Bällen (par6 und masquö; letztere sind unter dem Namen Purim-Bälle bekannt). Auch machen sie kein Hehl daraus, daß Juden die Stützen der Kunst und Wissenschaft seien. Juden besonders seien es, welche Bücher kaufen, Theater und Concerte besuchen, Musik pflegen und zur Pflege derselben ihre Kinder erziehen. Fremde Concertgeber wenden sich zuerst und zunächst an die Juden, insonderö au die hierin tonangebende jüdische Gesellschaft „Harmonie." — Auch ein Mittel und ein Weg der Vorsehung, um dem europäischen, namentlich germanischen Vorurtheil gegen Juden entgegen zu arbeiten und das RischuS zu unterdrücken. - (Duruy, in dem schon in Nr. 15 erwähnten Artikel über das amerik. Schulwesen in den „Rhein. Blättern", sagt in dem letzten Theile seines Berichts, daß die deutschen Schulen in Amerika nicht bestehen könnten, wenn nicht die deutschen Juden wären, die unter der Masse der Deutsch-Amerikaner allein die Bildung für sich und ihre Kinder wahrhaft schätzen. sDer deutsche Einwobner zeige kein Interesse für die Schule, überläßt die Leitung den Geistlichen (!) nnd die Vorstände der Schulen malträtiren und chicaniren den Lehrer und zahlen ihn ebenso schlecht, wie — in Deutschland vieler Orten selbst. Nur die Juden haben wirklichen Sinn für die Bildung ihrer Kinder und erhalten die guten Schulen. - Redaktion.) Memphis. Der hiereingeführte 7-jäbrige Tora- Cyklus bringt die Abschnitte Hicht der Reihe nach zur Vorlesung, sondern an jedem Sabbat die Parascha einer andern Sidra. Auch in Stuttgart ist dies Sitte für den'3-jährigen Cyklus. Eine total zu verwerfende Anschauung, welche weder die Geschichte, noch Praxis für sich hat. Der 7-jährige CykluS läßt sich geschichtlich rechtfertigen, wie bereits in diesen Blättern-nachgewiesen worden ist, aber die Zerreißung des Zusammenhanges macht den Akt zu etwas Sinnlosem und Eommödienartigem. Dagegen wird jetzt die Frage ventiliren, ob mit UebergehunH des Einen oder Andern eine Auswahl der Stücke für die Tora-Vorlesungen in der Synagoge in gleicher Weise getroffen werden könne, wie für den Tora-Unterricht in der Schule. Die Frage hat ein pädagogisches und cultuelles Jnteresse. R. - Literarisches. Odernheim. Herr Li p pma n n s so h n in Horn (Weftphälen) hat soeben ein Schristchen veröffentlicht zur Säcularfeier des am 17. October 1767 gebornen Israel Jacobsohn, den so edles Streben auszeichnete und der große Verdienste um die Hebung des jüdischen Gottesdienstes hat, wie er durch die Gründung der Jacobsohn-Schule zu Seesen seine Erkenntniß von den Bedürfnissen der Zeit documentirte. Herr Lippmannssohn schlägt die Gründung eines Denkmals für den Verewigten vor, aber nicht „in Stein," sondern in einer Stiftung „Israel Jacobsöhn's Ehrengedächtniß" , dessen Früchte den UnterstützungSkaffen für kranke und altersschwache Lehrer und unversorgte Lehrer-Wittwen und -Waisen zufließen soll. Der Gedanke ist gut und verdient eine eingehende Berücksichtigung. Wix werden seiner Zeit darauf zurückkommen. s Briefkasten ver Acoaktion. WMf" Lieber B. in A. — Der Beitrag pro 1868 ist bezahlt. Quittung in Nr. 16. Räthsel eignen sich nicht für unsere Zeitschrift. , Herr College 8. L. in Rh. Der Betrag für daS Gesendete ist 10 Sgr.