Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t — 155 — langem Silberbart, eine würdige, imponirende, ehrwürdige Erscheinung, trat in den Konferenzsaal, sein schneeweiße» Haupt bedeckte ein schwarzes Sammtkäppchen, das er beim Eintritte lüftete, doch aufbehielt, als er mit weihevoller Stimme die Hände segenspendend auSbreitete, indem er sprach: „Gelobt seist Du Gott, Herr der 2Öelt, der Du dem Sterblichen hast mitgetheilt von dem Glanze Deiner Majestät." Der Kaiser hatte sich erhoben, sein Haupt geneigt und -obzwar er die hebräischen Worte nicht ihrem Inhalte nach verstanden hatte, war er doch tief ergriffen von dem weibcvollen Momente. R u b e n M e n a s s e S war ein kleiner buckliger Mann mit verschmitztem Gesichte, der TvpuS eines alltäglichen Handelsjuden;. P i n ch a s S t e i n i tz war ein Schriftgelchrter, Talmndist und Orthodox, ein personifizirter Hungerleider, dcni daS Elend anö dem Gesichte sprach. Den Räthen der Krone wollte es scheinen, als habe fick Se. Majestät einen Scher; erlaubt. (Licbhard, Curiosa hobraica, Tom VE p. 314.) | Doch Josef II. blieb ernst. Nathan Eskeles wurde i eingeladen, einen Sitz einzunehmen am grünen Tische. Pater Wolf beantragt, das; das Kruzisir vom Tische entfernt werden dürfe. „Lassen wir den gekreuzigten Erlöser an seinem Platze, unser "Nathan hat ihm kein Leids gethan, war auch nicht unter jenen Pharisäern, die dem Herrn zuriefen, steinigt ihn." „Majestät, sagte Nathan Eskeles, ich vereine meine Bitte mit jener des hochwürdigen Herrn, das Kreuz möge entfernt werden, wenn ich da sitzen muß." „Warum? hassest Du Jesum Ehristum, vaß Tu dessen Bild nicht sehen willst?" „Wie sollt ich Haffen, was mein Herr mid Kaiser verehrt; aber, mein Gesetz gebietet mir lieber zu schweigen, che ich dem Priester einer andern Religion ein Aergernis; gebe." Der Kaiser lächelte. Nathan aber fuhr sort: „Erlauben Euer Majestät, daß ich stehend rede." „Warum daS?" „Ich dars nichts voraus haben vor meinen Brüdern, die sich dadurch zurückgcsetzt fühlen könnten." „So mögen diese sich gleichsalls niederlassen." „Mit nichlen, Eure Majestät, daS würde den Anschein haben, als wollte ich, das; Euere Majestät um meinetwillen ibnen huldvoll wäre." - „Wahrlich, sagte der Kaiser, die Ceremonienfrage beginnt so umständlich zu werden, wie beim Westphälischen Kongreß." (Siehe Liebhard, 319 ibid.) PinkaS Steinitz und Rüben Menasses mussten sich gleichfalls niederlassen. „Ich will Deinen Rath anhören. Eskeles, und die Meinung Deiner Brüder über eine entscheidende und wichtige Frage kennen lernen. „Mein Toleranzpatent hat den Bann, der auf Euch lastete, aufgehoben, der Jude ist kein Fremdling mehr im Staate, er soll ein Bürger des Staates sein und sich als solcher füblen, der Jude soll eine menschenwürdige Stellung sich erringen, er soll darum auch Soldat werden. Waö meinst Du, Nathan." „David war ein Soldat, Jvsua war auch Soldat, Israel in der Wüste ffihrte Krieg gegen Amalek, die Makabäer waren Helden des Krieges. Israel ist ein kriegerisches Volk gewesen, für ein Vaterland streiten, das ihm Schutz und Recht gewährt, wird der Jude mit Stolz und Freude." „Auch am Sabbath?" fiel Pater Wolf dem Juden ins Wort. „Habt Ihr Euch denn nicht geweigert, am Sabbath die Mauern Jion's gegen Ti- . tue /zu vertheidigen? Werdet Ihr esien wollen von unserem Brode, aus einer Schüssel mit uns, das doch verboten ist in Euren Gesetzen, Euerem Talinnd und Schulchan Aruch? Ist er ein Abtrünniger, Eskeles, von seinem Gotte, nun so möge, mit Verlaub Sr. Majestät, PinchaS Steinitz, der Schächter, rcken." „Er rede," sagte der Kaiser. PinchaS Steinitz war von Schrecken gelähmt, er konnte das Wort nicht finden, endlich stotterte er: „Ter Herr wird auf die Junge feines Knechtes Ruhen Menage legen, was er durch mich sagen lassen will." Rüben Menasse aber war ein Unwissender im , Talmud, der dachte, was der weise Nathan ESkeleS,.; der reiche Bankier, für gut hält, muß doch gut sein; i darum faßte er ein Herz und sagte: „Wollen Euer! Majestät ein Moschel hören, ich weis; eins, das Mo- > schel tGeschichtchen) paßt, es ist mir so eben eing«- j fallen; wenn ich dars, will ich's dem Herrn Geist-" j liehen erzählen." i „Warum nicht mir?" fragte der Kaiser, „warum > dem Pater?"! „Das sollen der Herr Kaiser auch bald , erfahren, j wer ka Geduld hat, kann nicht kreißen, wer nicht kreißt, i kann keine Kinder hoben, darum Geduld. I „Bei uns, in Proßnitz, lebte in alter Zeit ein Bäcker, den nannten die Leute die Scklafmutzen, denn er ließ fick von Allen Alles gefallen. Hat ihm Jemand dir Fenster eingeschlagen, so schickte er um.den Glaser und ließ ein Anderes machen, warf ihm ein Anderer einen Stein in's HauS, sagte er, vergelt's Gott; darum hieß eS allgemein von Jemandem, der keine Courage hat, das ist ein zweiter Holowek, so hieß nämlich der Bauer. Dieser Holowek hatte eine schöne Tochter, in welche sich der Amtsschreiber von Proßnitz bis über die Ohren verliebte; heirathen wollte er das Mädl nicht, aber verführt hat er es, ohne Furcht, denn sie war ja Holowek's Tochter. Wie Holowek die Sacye erfahren, daß jener sein Kind unglücklich gemacht hat, da ward er plötzlich ein ganz