Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- Seite 156 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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156 anderer Mensch, er ging auf's Amt, klopfte demüthig I an die Thür, bat, weinte und machte dem AmtSschreij der gütliche Verstellungen, er möge sein Kind nicht i unglücklich machen. Der AmtSschrciber aber lachte den Narren auS, von dem er wußte, daß er keine Courage habe, aber Holowek ward ein anderer Mann, da es sein höchstes auf Erden^ sein Kind galt. Die Schlafmutzen ward ein Held; alle Bäckergesellen mußten zusammen treten,^ Holowek commandirte sie, sie zogen in den Krieg gegen die Amtsleute, selbst gegen des Kaisers Scldaten, die von Holowek geschlagen wurden. Den Amtsschreiher erschlug der Holowek, und der Kaiser, der Holowek's Macht anerkannte, schloß Frieden mit ihm und machte ihn zum Fürsten von Holowek." „Was soll das bedeuten? Das hat keinen Sinn." „Gar wohl, Holowek, meine Herren, ist der Jude, der, wenn er einmal weiß, wofür er kämpfen soll, auch ein Held werden wird. Die Schlasmutzen wird ein Federhut werden. Was man tatf, was man nicht darf, darnach fragt man beim warmen Ofen. Holowek, Holowek, Euer Majestät, denken Sie an Holowek. Ich habe sechs Söhne, sie mögen den Anfang machen, sie sollen Scldaten werden, Euer Majestät, Herrendienst geht vor Gottesdienst." fLobert, Ouriosa losetinn.) Tie Conferenz war zu Ende.! Ter Kaiser hatte die ConscriptionSpflichtigkeit der Zn- | dcn decretirt, trotzdem dies seine Räthe mißbilligt hatten. > Zwei Jahre waren seit jener epochemachenden! Entscheidung verflosien, als eines TageS ein mährisches Infanterieregiment die Burgwache bezog. Hauptmann > Graf Stahremberg^kommandirle die Wache. Der Borj schrift gemäß, machte dieser dem Kaiser die Aufwartung, i „Ihre Leute sehen musterhaft aus," sagte der Kaiser zu dem Hauptmann, „und doch kommen Sie aus dem Felde." „Die Mannschaft hat wacker gekämpft, Schade, daß die Bravsten der Braven Euerer Majestät nicht zur Auszeichnung, empfehlen werden dürfen." ^Dürfen? Ausgezeichnet; Leute dürfen nicht —" „Im Regimente sind sechs Gemeine, welche die Fahne des Regimentes gerettet haben, ich wollte dieselben Euer Majestät zur Auszeichnung empfehlen, doch der Oberst Graf Festetits hat es mir verboten." „Kennen Tie die Ursache?" „Sie-Leute, eS sind deren sechs, find Brüder, es sind die ersten Judensoldatm, recht wackere Kerle, sie führen ganz kuriose Namen, der erste heißt Holowek I., der zweite Holowek II. ti. s. s., eigentlich heißen sie Mcnasse, sind auS Proßnitz, und derm Vater, ein Hausirer, besuchte dieselben oftmals im Felde." „Ich will die Leute' sehen, morgen Mittag, Punkt 12 Uhr, führen Sie mir dieselben-vor." Der Kaiser reichte dem Hauptmann die Hand und entließ ihn äußerst huldoll. „Herr Oberstlieutenant," so redete er den Hauptmann an, „Sie haben mich sehr erfreut." Mit dem Glockenschlage 12 Uhr standen 6 Mann im kaiserlichen Vorzimmer, es waren Simon, Levi, Jakob, Efraim, Juda, Jsäk Menasse. Auf ein gegebenes Kommando traten sie in den Konferenzsaal, geführt von dem Offizier. Da saßen sie mm wieder beisammen alle, Pater Wolf, Sonnenfels, Kaunitz im Muff, und die Andern. „Meine Herren," sagte der Kaiser, Herr Oberstlieutenant, Graf Stahrembrrg, hat hiermit-die Ehre, Ihnen die Bravsten seines Regimentes vorzustellen, erzählen Sie umständlich, Herr Graf, die Herren sind sehr nmgierig." Der Graf begann die Heldengeschichte des Holowek I. bis Holowek VI. zu erzählen, die Herren sahen sich verdutzt an, Pater Wolf schnupfte ungewöhnlich viel. „Zu Oifizieren kann ich Euch freilich nicht machen," "sagte der Kaiser, „daö würden die Offiziere der Armee nicht gleichgillig hinnehmen, aber daß Ihr brave Jungens seid, das darf ich Euch sagen. Reicht mir die Hand, Einer nach dem Andern — so — ich umarme- Euch, mit Euch umarme ich ein befreites Volk, Judenblut ist mit Christenblut gemeinschaftlich auf dem Felde, für das Vaterland geflossen. Ihr dürft Menschen unter Menschen sein. (Liebhard, ibid.) (Fremdenblatt.) Bei mir erschien in sechster, resp. siebenter Auflage: Biblische Geschichte nebst ikizzirier Geograpbie und einer Karte von- Palästina für die _ iskrMjschk Schliljligknd, von ■E 111 u ii u e 1 II oolit. 8 Bogen. 8 Sgr. Hebräische Sefefibel, nad) Denzel's, Hieiweb's, Diesterweg's u. A. 6, rundlätzen der Lautir-Methode. Bon Xj. 3YI. X« o -ctt i s o li n. -*/2 Bogen. 23/4 Sgr. Ick erlaube inir die Herren Lehrer auf diese anerkannt brauchbaren Hüchelchen anfmerksam zu machen und bin crbötig, dahin, wo inan sie Bebufs Einführung in den Schulen kennen lernen will, ein Exemplar gratis zu liefern- Fulda. chufiav Aahrkorn. Verantwortliche Redaction und Verlag von Joseph Klingenstein. Lehrer zu Ldernheim in Rheinhesien. Für dcn Buchhandel in Commission bei Ostar Seiner in Leipzig. — I. Gottslebcn's Buchdrucker« in Mainz i