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Der israelitische Lehrer · 1868-07-22 · 30 (22.7.1868) · p. Seite 136

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
30 (22.7.1868)
Date
1868-07-22
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 die Stimmen daher sind seit geraumer Zeit im „Jsr. Lehrer verstummt. Die Ursache - liegt keineswegs im Mangel an Thxünahme an Fhr Blatt, sondern im Stillstände aus vem ganzen Gebiete der von Ihrem Blatte vertretenen jüdischeu Interessen. Nur bezüglich der Schule vernimm» man noch hie und da PulSschläae als Leichen eines thätigen Lebens. Ich versprach Ihnen s. Z. ein Exemplar des badischen neuen Schulgesetzes zu "senden, unterließ es aber bis jetzt, weil die dasselbe erläuternde und einführende Vollzugsverordnung noch nicht 'erschienen ist. Darum leben wir auch noch unterm alten Schulgesetze und haben sogar die Gehaltsaufbesserung, trotzdem sie vom Januar l§ schon begonnen und trotzdem viele Lehrer bei dieser lheuern Zeit sie ncthwendig bedürfen, noch nicht erhalten. Das neue Schulgesetz — so^ liberal eS gegen die Israeliten ist — (denn es enthalt nicht eine einzige Ausnahme gegen sie) verspricht unserer Schule keine glänzende..Zukunft. Da alle ösientliche Schulen, welche 3 Jahre nacheinander unter 25 schulpflichtige minder zählen, keinen Anspruch auf Gemeinde- und Sraatsbeitrag, aber das Recht zu ihrer Auflösung haben, so gehen circa 13 iSr.'Schulen ein, und wir. zählen alsdann noch 30. ■ Auch selbst die Zahl dieser vermindert sich in Folge, der Abndhme jüdischer Landeweinden. Nehmen wir noch die Verbindlichkeit eines jährigen Sem.inarbesüch«s dazu, so sehen wir nicbt ein, warum künftig noch iSr. Jünglinge mit Talent dem Lehrerberufe sich widmen? Wollen sie denn zeitlebens Religionslehr.r bleiben? Religionölehrer in beschränkter Wirkung und würgender Beschränkung? Denn bei aller Anerkennung der zeitgemäßen Hebung des Religionöschulwesens,. namentlich hinsichtlich der materiellen Stellung der Religionslehrer ist ihre ökonomische Lage den Zeitumständen gegenüber eine nolbdürftige, ihre persönliche Stellung eine abhängige und als Dorbeter eine entwürdigend unterthäni^e. Gemäß ^des neuen Schulgesetzes erhalten die Religionslehrer künftig 265 fl. fix, , pr. Kind 1 fl. 12 kr. Schulgeld, freie Wobnung und besondere Vergütung für den Dorsängerdienst. Wir fühlen uns Gr. Oberrath für diese Emanzipation dankbar verpflichtet und wünschen nur, er möchte auch dis Würde des Lehrers bei der neuen Kirchenversafiung gebührend berücksichtigen. Ich komme dadurch auf das. Gebiet der Svnagoge und Gemeinde, wo seit Jahren Erstarrung und Stillstand herrscht. Bon der neuen (schon vor ihrer Ge burt altgewordenenj Kirchenverfassung ist seit lange kein Laut mehr in die Oeffentlichkeit gedrungen. Ob man diese Sache todtschweigen möchte, glaube ich nicht. Aber in entscheidendeN'Kreisen hat man theilweise eine Scheu und theilweise eine Gleichgiltigkeit dagegen, die | zum Nachtheil des allgemeinen Wohles sind. Denn i für die Tauer halten die alten Verhältnisse nicht. . Die Freizügigkeit zwingt zur Abänderung der bisher bestandenen Gemeindestatuten; der Zeitgeist drängt unaufhaltsam zu andern Normen und neuen Formen. Bayern, im Iulj. Die Wahl des k. Rektors vr. Brentano' in Fürth zuin Direktorder von der Stadt München ins Leben zu rufenden Handelsschule und zwar bei so vielen tncktigen christlichen Bewerbern durch daS Magistrats-Collegium einstimmig und des Bevollmächtigten-Eollegiumö fast mit Einstimmigkeit, ist wahrbaft ein Ereigniß zu nennen. Br.' Brentano ist auch der Mann, der neben gediegenen Kenntnissen und tüchtiger pädagogischer Bildung es von jeher verstanden hat, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Wir fürchten nur, das obnebin sich schwer scrtbewegende Projekt der Errichtung der dortigen israelitischen vielklassigen Schule möchte dadurch einen Stoß erleiden! Aus 11 ii t e r s r a » k e n. Dckluß, sfreiberr v. Sianfsenberg (Refercitt : Was den zuletzt gestellten Modisicationsantrag des Hrm. Abgeordneten von Münch betrifft, so wird, glaube icb, gegen die Anuabme desselben ein erl>eblickes Bedenken nictit bestebeu. Derselbe ist eine wesentliche Verbesserung des Gesetzes und icb glaube Ihnen vorschlage» zu dürfen, auf denselben ans den Gründen, die Ihnen der Herr Abg. v. Münch schon entwickelt bat. einziigelien. Dt. Ruland: Ich wollte nicbt mebr in ras Gesetz bineinreden, weil ich gegen dasselbe stiiiimen werde, aber ick muß dennocb einige Punkte berübren.. Ick fange mit dein zuletzt eingebracblen Antrag des Hrn. Abg. v. Münck au. Es kann vielleicht Niemand in diesem Saale sein, dem die humanistischen Studien inehr wie inir am Herzen liegen. Laicjn und Griechisch liebe ick beute noch, obwohl ich schon ein alter Mann bin; allein, das was der Herr Abgeordnete v. Mllnck will, scheint mir gegenüber der jüdischen Theologie unrichtig. Die humanistischen S Indien baden da ihren besonderen Werth, wenn sich die Ouellen. anS denen die Wisienschaft geichövit werden muß, in denselben vorzugsweise befinden. Das ist aber hier nicht der siall, gegenüber dem positiven GlaubenSbekenniniß der Juden. Im Gegenth'eil ist es eine anerkannte Tbatsacke. daß gerade in diesem Augenblicke der größte Rabbiner in Bayern, der im ganzen Iudenrhum weit und breit einen Ruf bar, nie ein Gymnasium besuchte, und koch als rabbiniscker Schriftsteller und als Lehrer einen ausgezeichneten Ruf in Deutschland bat. Es ist dieses der Rabbiner von Würzburg, ein gewisser Bamberger, den die ganze jüdische Welt kennt. Run muß ick aber bemerken, daß das Iukenthilm, keineswegs so leicht oder scheinweise mit der Bildung seiner Rabbinen vorgebet. Wer zum rabbinischcn Studium sich bingezogen fühlt, der wird eS wahrlick nickt deßhalb beginnen, um es vielleicht deute oder inorgen wieder wegzulegen, denn cs ist das ein Studium, welches eine ungeheure Beil verlangt.

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