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Der israelitische Lehrer · 1868-07-22 · 30 (22.7.1868) · p. Seite 134

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
30 (22.7.1868)
Date
1868-07-22
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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— 134 — das Benehmen dt« Juden als, Regel gelten? Shakspeare setzt vielleicht die» einen Augenblick voraus, aber nn nächsten belehrt er uns darüber, daß Geldgier und Rachsucht, wenn diese in Wirklichkeit bei den Juden überhaupt oder in einzelnen Fällen vörgefunden werden, denselben nicht von Natur eigen seien^, sondern der Jude wider Willen durch die inhumane, ja barbarische Behandlung der' Christen dazu gezwungen werde. Shylok ist nicht, geldgierig von Natur; er spricht über die 3000 Dücaten wie über ein Geschäft, und nicht der Gewinn, sondern die Rache, die Vernichtung seines Gegners ist ihm dabei Hauptsache. Daß er am Ende zu retten sucht, was gerettet werden könne, daß er wenigstens sein Geld moch nehmen will, als er Rache nichtnehmen konnte, ist nicht« außergewöhnliches. Dagegen Hilden seine Auslassungen über den Geld- und Juwelenraub seiner Tochter den nothwendigen Gegensatz, um zu zeigen, daß der Jude geldgierig du^ch die Verhältnisse gemacht werde. Er kennt den Werth und den Einfluß des Geldes dem Christen gegenüber, er weiß, daß. weil der Christ keinen andern Werth an und in dem Judm anerkennt, dieser sich den des Geldes erhaltm müsse. Selbst die Hinweisung . auf die biblische Erzählung vom Erzvater Jakob, wie er mit den gesprenkelten Schafen seinen Schwiegervater Laban zu täuschen und sich Dortheil zuzuwcnden suchte, woraus die Feinde Israels die Geldgier und die Anlage zu List und Betrug als bei den Juden avitisch und hereditär herleiten, wird vom Dichter zu Gunsten der Juden gedeutet. Shylok zeigt sich rachsüchtig und voll des Chriftenhafies. Aber Haß und Rachsucht sind Shylok von Natur um so weniger eigen, als ihm die Grundsätze der Humanität und allgemeinen Menschenliebe ganz geläufig , sind und der Dichter ihn dem Dogen gegenüber sogar die Emancipation der Sclaven, ihr Anrecht auf Menschenwürde, Freiheit, Selbstständigkeit und humane Behandlung -verfechten läßt. Shylok ist daher nicht rachsüchtig aus leidenschaftlicher Verblendung, sondern auS Njethwehr, nach dem Vorbild und Beispiel in dem Benehmen deS Christen gegen ihn. Die hündische Behandlung des Christen nöthigt ihil dazu. Auch die Sanstmuth des Lammes kann in dje Wuth des Tigers umgewandelt werden. Wir erkennen also Shakespeare hier wieder als den großen Meister, der die Bühne als Schule zur Belehrung und Erhebung des Volks, zur Läuterung seiner Anschauungen, nicht zur Aufstachelung seiner Leidenschaften benutzt, der bildend und erziehend auf seine Zeit einwirken will., Shakespeare vertheilt in seinem Drama zwischen Christ und Jude Licbt und Schatten auch im ganz richtigen Maße. Der Wahrheit auch des geschichtlichen Ereignisies folgend, zeichnet er dm Christen schlecht, und durch ihn werden nur in dem Judm die schlechten Leidmschaften groß gezogm. In diesem Sinne haben große Künstler stets die Rolle des Shylok aufgefaßt und dargestellt, vor» eines gewissen Sympathie für die so vielfach gedrücktm und'falsch beurtheilten Juden erfüllt, nicht aber von gemeinem Judenhasie dabei angeregt. Ist diesem Sinne, voll Sympathie für die gedrücktm Juden unserer Zeit, sprach auch noch jüngst der englische Miniuer Stanley über die rumänischen Judenverfolguimen: „Die Fuden haben zwar die Leiden, aber wir (Hristen die Schande davon." Von diesem Ge- . sichtSpunkte aus scheint unS Shakespeare'S Drama beurtheill werden zu müsien. Man lese und urtheile. I)r. Rothschild. Woche «bericht. Ddernheim, 10. Juli/ Sr. Königliche Majestät Ludwig II. von Bayern haben aller- . gnädigst geruht, durch das Privatsekretariat Hochdes- , selben, Herrn Simon Krämer, einer. Lehrer in Ansbach für den 'Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Lehrer :c. Achawa, fünf und zwanzig Gulden zukommen zu lassen.! — «Die ersten fünf Tausend Gulden I des Vereins Achawa.) Die Mittheilung, die wir | heule an der Spitze unseres Blattes bringen, ist für I die Geschichte unseres Vereins eiu Ereigniß; sie bildet! einen so erfreulichen, bedeutungsvollen Wendepunkt, > daß wir nicht umhin können, demselben einige Worte r erhebender Betrachtung zu widmen. Mit dieser Gabe des Herrn Sigmund Stern - hat der eiserne Fonds unserer Achawa die Summe,! welche wir zur sichern und festen Begründung deö j Vereins als nothwendig erachteten — fünf Tausend i Gulden, erreicht; und in demselben Momente, wo wir — mit Zustimmung der Behörde, die von der V. > Generalversammlung rcvidirten Statuten in die Lefsentsichkeit senden, ist ein Punkt derselben, der blos > eine Voraussetzung bildete, bedeutungslos geworden. | Wir find sofort verpflichtet, die Zinsen deö gesammten 1 eisernen Fonds und die Hälfte der reinen Jahresl einnahme, mithin von beute an mind estens mber l 5>00 fl. — ohne die Gaben aus dem Reservefonds —! zur jährlichen Vertheilung zu bringen. Vergegenwärttgen wir uns in diesem Momente nochmals kurz die Geschichte des Vereins. In den Festeswochen des Jahres 1863 (s. Nr. 38 d. Bl. Artikel „Selbsthülfe") regten wir den ersten Gedanken zur Gründung unseres Vereins an, der wohl bei einzelnen Männern aus Nah und Fem zündete, von Vielen aber als völlig unausführbar geholt £ wurde. Zu der ersten vorberathenden Versammlung in Worms am 1T>. November 1863 waren außer unfern persönlichen Freunden Marr aus Alsheim und

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