Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 30 (22.7.1868)
- Date
- 1868-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er Jsraetitiscte IeKrrr Zeitschrift für die gesummten Jntereffen des Iudenthums und insbesondere des israelitischen Lehrerstandes. Organ für den Verein „Achawa." M 30. " Den 22 3uli 1868. 8. Jahrgang. Wöchmtlich 1 Rümmer Vierteljährlicher Slbonnementspreis 40 kr. — Ils. Sgr. Anzeigen ,u l Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Achawa.- gjfmn jnr tlnffrflöljung hllfsbkßükfllgkr isr. lkhm. Qhrttwittwkn unD -Öaiffn in Bfntfrtilanö. Seine Königliche Majestät Ludwig II. vsn Bayern fl. 25. — Spende zum eisernen Fonds von Hrn. Sigmund Stern in Frankfurt a. M, durch Herrn vr. Leopold Stein: Fünfhundert Gulden. Der Geschäftsführern. Der Rechner: J. Klingenstein. l/eopulil Dann. Tbakefpeare und die Juden. Von vr. Rothschild. ' f 1 . Wie verhält sick nun Shakespeare in der Zeichnung seines Shylok zur Beurtheilung der Judenfrage? Um dies zu erkennen , dürfen wir nickt vergessen, daß dein Sbakespear'schen Drama ein historisches Ereigniß zu Grunde liegt. Gregorio l'etti erzählt nämlich in seiner Biographie des Papstes SirtuS V. Buch XI. *), daß, als im Jahre 1587 ein römischer Kaufmann, Paul Maria Seccki, erfahren, Franz Dräke bade St. Domingo erobert und große Beute gemacht, und er sofort die>e Neuigkeit einem jüdiscken Kaufmanne, Simon Ceneda, mitgetheilt babe, letzterer dieser Nachricht keinen Glauben geschenkt babe oder habe schenken wollen. Die Gründe für und gegen die Wahrscheinlichkeit eines solchen EreigniiseS seien lange hin und her envogen worden, als endlick der jüdische Kaufmann mit Entschiedenheit auögerufen babe: „Ich verwette Ein Pfund meines Fleisches, daß die Nachricht erdicht« ist," „und ick," habe Seccki erwi¬ *) Auch eine alte italienische Novelle behandelt den Vorgang der Wahrheit gemäß. Vergl. Riebuhr, röm. Geschichte, 3. Auflage, Berlin 1828, Th. 1. S. 60 Rote. Und im sechszehnten Jahrhundert findet fich die Novelle von Shylok, alö wirklich geschehen, so erzählt, daß es ein Christ ist, deffen teuflische Unerbittlichkeit gegen einm Juden durch den Spruch eines klugen Richters, des Papstes Sixtus des Fünften vereitelt wird. dert, „tausend Scudi meines Vermögens, daß die Nachricht wahr ist." Der Pertrag über den Inhalt dieser Wette sei fckriftlich aufgesetzt worden. Als die Nachricht iick bestätigte, habe der Jude stck beeilt, raufend Scudi zu zahlen, der Christ aber auf seinem formellen Nechte bestanden und hartnäckig ein Pfund vom Fleische des Juden gefordert. Der Prozeß fei zu den Ohren des Papstes gekommen und dieser habe denselben dahin entschieden, daß er beide Theile zu den Galeeren verurlbeiste, mit dem Zusatze jedock, daß iick ein Jeder von ihnen von dieser Strafe mit der Entrichtung von zweitausend Scudi in die Kasse des Svzjals an der Sirlinschen Brücke loökaufen könne. — Wir sehen, vaö historiicke Ereigniß hat umgekehrt stattgefunden: nicht der Jude, sondern der Christ benimmt sich hartherzig und racksücktig. Da wirst sick nun die wichtige Frage uns entgegen: Warum hat Shakespeare die Fabel des Stücks zum Nachtheil des Juden geändert? Glaubte er seiner Zeit die hier zu Gunsten deS Juden und zum Nachtheil des Christen sprechende Wahrheit nicht bieten zu dürfen? Er mußte voraussetzen, daß daS seiner Zeit angehörige Ereigniß auch Anderen bekannt geworden sein werde. Glaubte er mit der Umdrehung der Fabel einen höheren Theateresfect zu erzielen und größeren Beifall bei seinem Publikum zu i erlangen, den Pöbel besser zu amüsiren? Solche Ziele j und Mittel wären deö großen DickterS unwürdig.! Glaubte er, in dem historischen Ereignisse bilde der! Christ nur eine Ausnahme, umgekehrt aber könnte