Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 29 (15.7.1868)
- Date
- 1868-07-15
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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129 % bedeutungslosen Thesen aufstellte, sie bekämpfte, vertheidigte und wieder fallen ließ; — Alles zum Schein und Gedankenspiele. Mendelssohn brach diesen Bann, nachdem daS Licht der Aufklärung seines Jahrhunderts auch in die GhettiS gedrungen war. Er war nicht der Reformator des JudenthumS; er führte die Juden nur wieder zu der ihnen abhanden gekommenen Selbstständigkeit wissenschaftlichen und religiösen Denkens. Dr. Rothschild. Wochenbericht. Alzey. Für di« Reformgemeinden Amerika'ö bestehen bereits 4 verschiedene Gebetbücher. Man sieht, wie Einigung auf diesem Gebiete so schwer hält. Wir befürchten, daß die neuen Persuche zur cultuellen Einigung in Deutschland auch wieder fehlschlagen, zumal wenn sich die projectirtrn Berathungen auf die Theilnahme der Rabbiner beschränken. Gerade auf diesem Gebiete heißt eS: „Für das Volk und durch daö Volk." Man muß auch den Schein einer hierarchischen Octroyrung vermeiden. Darum schlagen wir Synoden unter Laien-Betheiligung. und nicht R abbiner-Vers am mlungen vor- _ II. A l ze v. Die jüdische Gemeinde in Memphis t Tennesse). hat durch ibren Rabbiner TuS ko, einen Schüler de- Breslauer Seminars, die alte Sitte acceptirt, die Vorlesung der Tora in 7 Jahren zu vollenden, indem jedes Jabr eine Parascha zur Vorlesung kommt. Wir glauben, daß auf dieser Sitte auch die Eimbeilung der Sidra in 7 Abschnitte beruht, sich anlehnend an die Vorschrift veur. '»1. 10. Aus dieser Sitte unk Eintheilung entwickelte sich das spätere Herkommen der 7 Keruim und die Abtheilung der Pentateuchjschen Zickra Abschnitte in je 7 karascstotd, indem mau, um die Vorlesung der Tora in Einem Fahre zu vollenden, jedesmal von den vorhandenen Abschnitten 7 zusammen- ' fasten mußte. Man ging auch nicht gleich am die Vollendung der Tora-Vorlesung in Einem Jahre zurück, sondern nahm erst,die Hälfte von 7, daS beißt Vollendung der Tora-T^lesung in 3^ Jahren, wonach die Abschnitte der ScKeelttiotti eingerichtet sind. Dies führte wegen des BnrchtheilS zu Unbequemlichkeiten: und man nahm deßhalb den dreijährigen CyeluS. Hierfür ruhte aber die Eintbeilung der Abschnitte aus Willkür und nicht auf dem Herkommen, weßbalb man zu dem einjährigen CyeluS überging. Dies ist unsre Ansicht von der historischen Entwickelung der Sache. Ii. D a r m st a d t, 3. Juli. Der ausführlichere Bericht über die Verhandlungen der Hest. Kammer der Abgeordneten, betreffend die Petition der orthodoxen Religionsgesellschaft lautet in der „Darmstädter Zeitung," wie folgt: ' Der letzte Gegenstand, über welchen die Kammer verhandelt, ist die Beschwerdevorstellung der ^orthodoxenisraelitischen Religionsgenossenschaft zu Mainz, wegew Beschränkung in Bezug auf Religionsübung. Die Ursache der Beschwerde ist darin zu suchen, daß sich in der Mainzer Judzngemeide eine besondere orthodore Religionsgesellschaft gebildet, die, obwohl sie aus der eigentlichen Gemeinde nicht ausscheiden will, ihren eigenen Prediger angestellt hat und beansprucht, derselbe solle die gleichen Amtshandlungen, wie derjenige Rabbiner, der bisher zu diesen Funktionen besonders angest.llt war, und deren Verrichtung einen Tl eil vor dessen Dicusteinkommen auSmachte, ausüben. Der Antrag der Mehrh.'it des . Ausschusses lautet: Hohe Kammer wolle die Beschwerden der sorthodoxens israelitischen Religionsgesellschaft zu Main; wegen Beschränkung in Bezug aus die Religionsübung für begründet erklären und der Großherzol. Staatüregierung das Gesuch derselben: daß es den einzelnen FSraeliten, Einheimischen oder nach Mainz kommenden Fremden, freistehe, sich behurs Vornabme der ralbinischen Acte, also auch der Trarmng-, an denjenigen Rabbiner zu wenden, der ihr Vertraue» genießt, zur Berücksichtigung empieblen. Die Minderheit stellt den Antrag: Hohe Kammer wolle, mit Rücksicht auf die gegenwärtige eigeuthümliche Stellung des besckwerdesührenden ReligionsvereiuS, die Beschwerde für nicht begründet erachten, demselben anheimgebend, den Grund zu seiner „Beschwerde in rer angedeuteten Weise zu beseitigen." Für die Anträge der Minderheit sprachen die Abg. H.insinger und ^acke, rür die der Mehrheit die Abg. Edinger und Tumom. Bei der Abstimmung wirr der Majoritätsantrag gegen 4 Stimmen dejabn In der ersien Kammer kam der Gegenstand am 5. >uli ebeniallS zur Verhandlung. Berichierstatter war Präla: Zimmermann. Derselbe fübrt auS^ daß die alten Juden eine eigentliche Trauung gar nicht gekannt hätten; daß es genügt hätte, wenn das Brautpaar vor einem ' Jeugen erklärt habe, iick einander angeboren zu wollen. «Stammt dieie .Ausktärung i!> von Hr». ttr.'Leh.nann? Rer.) Do. dieser Zeuge aber keineswegs ein'Rabbiner chätte sein müssen, sc sähe er nickt ein, warum es auch beuie nickt einem Brautpaare treistehen sollte, sich an den Rabbiner ru wenden, zu welchem es das meiste Vertrauen habe.*» Frbr. v. Stark deducirr, daß daS, was jedem Juden gestatt« sei, auch dem t»r. Lehinann nicht verweigert werden könne. Auch Domkapitular vr. Moufang, Hochwürden, findet keinen Nachtheil darin, da daö Interesse des Staates nicht gefährdet werde, wenn man die einem „inneren rel igiösen Drang e" *j A-eun aber die Trauung ein so unwichtig^ Akt ist, daß eben jeder Zeuge genügt; warum hält man cssfür so wichtig, sie nur durch den frommen Rabbi vr. Lehmann vornehmen zu lassen? Da muffen doch consequent eigentlich nur materielle, äußere Gründe unterlaufen. Ist die feste Ordnung der Idiääusoliln wichtig oder nickte Redaktion. 1