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Der israelitische Lehrer · 1868-07-01 · 27 (1.7.1868) · p. Seite 113

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
27 (1.7.1868)
Date
1868-07-01
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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—' 113 t sich im Staatsdienst befinde? Ob sich kein solcher ge-! meldet habe ober ob Zurückweisungen von Angehörigen! der israelitischen Religion stattgefundcn hätten? j Ed eShe im, bayr. Pfalz, 19. Juni. In Hardj len, ein von Juden sehr bewohntes Dorf im Elsaß, De-; partrment Unterrhein, wurde dieser Tage der 17-jährige 1 Sohn einer jüdischen Familie Namens Weil, Metzger,! in einem benachbarten Dorfe, wohin der Sohn, Mayer Weil, täglich Fleisch besorgte, von einem Hunde gebisien. , In der Angst und auf Zureden anderer Leute eilte er! zu einem dort . wohnenden Schmiede, welcher ihm die j Wunde ausbrannte, wobei der Schmied jedoch bemerkte, daß dies allein aber nicht genüge: Er müsie neun Tage lang geweihtes Brod essen ond täglich 3 Gläser j geweihtes Wasser (die Leute sind dort sämmtlich kathoj lisch, also vom katholischen Geistlichen geweihtes Brod! und Wasser » trinken und 3 Vater-Unser dazu beten. | Ter 17jährige Sohn Mayer Weil eilte nach Hanse und erzählte seinen Eltern und der Umgebung diesen Hergang! In demselben Hause geht auch zur Kost der dortige Cantor S a l o in o n Schwär ledig, gebürtig aus Essingen, Rabbinat Landau, Pfalz, welcher erklärte: er sei gut bekannt bei dem Herrn Pfarrer, das wolle er gleich besorgen! Er eilt dahin und der Herr Pfarrer antwortet ihrü, das Essen geweihten BrodeS und das Trinken geweihten Wassers diene nicht allein; der Gei biffenc müsse selbst ihm des Handgclübde geben, daß er auch daran glaub«; und wenn ihm auch das Pater- ■ Unser schwer falle gu sagen, könne er einen Tag auSsetzen, er würde ihm eine geweihte Person stellen, welche für ihn daS Vater-Unser sage.! Dies ist nun auch geschehen. AlS der Chason (Can-! torj mit dein Brod und Wasser a»S dem Pfarrhaus kam, begegnete ihm der Vorstand der dortigen Gemeinde und fragte ihn, was er mit dem Brod und Wasser machen wolle. Da erzählte ihm der Cantor die Sache; worauf der Vorstand ihm gleich für iveitere Funktionen sistirte und an den dorten im Sprengel wohnenden Rabbiner in Hagenau die Anzeige machte. Wie die Sache mm. noch weiter ihren Verlaus nimnit, ist zu erlvarten. Singer. BreSlau, 16. Juni. Die Anfrage Ihres geehrten Corrrspondcntcn aus Neupreußen, „wie eS sich mit den Besuchern der Frankelschen Stiftungen in Breslau und mit den dortigen RabbinatScandidaten verhalte", in Bezug auf ihre Militärpflicht, gibt mir den angenehmen Anlaß, Ihnen, geschätzter Herr, brieflich mich nähern zu können. Indem ich ihn mit Vergnügen benütze, will ich jene Anftage dahin beantworten, da» sowohl die Hörer de« jüdischen theologischen Seminars als auch alle andere hier weilenden RabbinatScandidaten von ihrer Mi- *) Schwarz ist al< Pfälzer in unserm Sprengel bekannt; er »ar Jahre Tantor in Sdenkoben, dorten hat man ganz Andere» von ihm gesehen und gehört 1 (Correspondent.) litärpflicht durchaus nicht cntbundcir sind. In» Jahre 1866 wurden 3 Hörer des Seminars eingezogen. Es gibt überhaupt meines Wissens in Preußen keine jüdischtheologische Anstalt, deren Zöglinge vom Militärdienst befreit wären, noch gibt eS eine derartige Dispensation für preußische RabbinatScandidaten überhaupt. ES ist dies eine jener Zurücksetzungen, deren unsere Glaubensgenossen leider noch manche in unserem, der Intelligenz sich rühmenden, Staate zu erdulden haben und leider freilich nicht beftemdend, nachdem man die trübe Erfahrung gemacht, dap ein anerkannter Führer der liberalen Partei eS auch nicht vermag, dem Einfluß in der Jugend empfangener Borurtheile sich zu entziehen. Ließe sich auch von dem zweifellos berechtigten und der wahren Staatöidee würdigen Standpuntt der allgemeinen Wehrpflicht die Zuziehung der Stndirenden der Theologie gleich den übrigen Studenten rechtfertigen und begründen, so ist eS doch eine o ffenbare Ungerechtigkeit, diesen Grundsatz in dieser Weise nur bei jüdischen Theologen geltend zu machen, wäh- , rend die Theologen christlicher Confessionen vom Mili-! tärdicnst diSpensirt sind, sobald sie die Venia oonei . cmaucli erhalten haben. Für die Abgeordneten, welche I für die Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze ohne Berücksichtigung confessioneller Unterschiede kämpfen, besonders aber für die Abgeordneten unseres Glaubens soll eS daher eine unabweisbare Pflicht sein, unS auch in dieser Beziehung zur Gleichstellung zu verhelfen. Denn Feigheit zum Motive unserer Bestrebungen zu mache», dürfte e in gerechter Beurtheiler iwohl nicht mehr wagen, ohne den Vorwurf der absichtlichen Parteilichkeit, der Verkennung der Thatsachen, der bewußten Verunglimpfung würdiger StaatSbürgor auf sich zu laden. Wir wollen eS nicht in Abrede stellen, daß im Allgemeinen der jüdische Dolksgcist sowobl jetzt, als auch in allen Zeiten keinen besonderen Hang zum Kriegführcn zeigte, und hoffentlich nie zeigen wird. Der Grund ist aber darin zu suchen, daß jener Geist als Fels einer gedeihlichen! Thätigkeit daS friedliche Wirken im StaatSverbandc am i höchsten schätzt und die Entscheidung der Völkerzwistigkeiten durch die blutige Waffe mit seiner Sittlichkeitsidee niemals vereinbaren kann. ■ Wien, 19. Mai. Das Abgeordnetenhaus beseitigt:! heute ein Ueberbleibsel der ConkordatS-Aera, indem eS I die. Bestimmung aufhob, welche die Gültigkeit der Ge- ' burts-, TrauungS- und Sterberegister der israelitischen > Gemeinden von der Beglaubigung und Bidirung durch; den katholischen Ortsgeistlichen abhängig machte. Künftig! werde» die bezügliche» Bücher nur von obrigkeitlich be-! stellten und besonders beeideten Israeliten geführt und! controllirt werden Prag. Der neue Tempel ist ei»geweiht. Die Pflöcke de« GotteSzeltS haben sich ausgedehnt, die Decke de» Zelts hat sich nicht gehoben. Denn man ist der Erde gleich nahe geblieben, und die Aussicht nach den:

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