Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 27 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431868--1995-4898394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
112 den alten preuß. Provinzen mit denjenigen m hen neuen. Diese Versammlung wurde denn auch unter dem Vorsitze des Berichterstatters abgehalten und das obige Thema hier dahin modificirt, daß man sprechen wolle über die aemeinsamen Schritte, welche zu thun seien, - um »ämmllichen jüdischen Lehrer» Preußens die Gleichstellung rifit den christlichen College» zu verschaffen. Aus den Antrag des Herrn Müller von Frankershausen wurde beschlossen. eine Petition und Denkschrift an das Ministerium und an das StanvehanS gleichzeitig zu richten. Es wurde zuerst über eine ge meinsame Petition sämmtlicher Provinzen debaitirt, und man beschloß, daß insbeisiidere diejenigen, die hier zahlreich vertreten waren — WestPhalen und Hessen,— gemeinsame Schritte thun sollten. Zwar wurde von Herrn Ostwalv in Witten in sehr klarer . Weise darauf hinqewiesen. daß die Schritte der west- . phälischen Lehrer in dieser.Richtung noch wenig Erfolg gehabt hätte», daß man sich aber doch bei der Reuschöpsung, bei dem zu erwartenden preußischen! Unterrichtsgesetzc eine Berücksichtigung verspreche; daß jedoch die Verhältnisse der Westphalen mehrfach anders als die kurhessiichen läge». Müller aus Frankershausen machte aur die Zurücksetzung der jüdischen Lehrer in Kurhessen den christlichen Lehrern gegenüber aufmerksam und man einigte sich schließlich dahin, daß eine gemeinsame Petition und Denkschrift entworfen «erden sollte, deren bedeutsamer Dortheil darin liege, daß die Forderung d.er Gleichstellung -mit den christlichen Lshrern, diesenothwendigc Grundbedingung jedes weiteren äußeren Fortschritts der jüdischen Schule, eine Forderung der Gerechtigkeit für Alle sei, während sich in anderen Beziehungen die bestehenden Derhältniffe'gleichsam ergänzen, d. h. die Eine Provinz hat, was der andern fehlt. So sind die kurhessischen Lehrer definitiv angestellt; aber der Staat, der bisherige, kurhesfische wie auch Preußen, das bis jetzt noch nickt bester geworden, thut nichts für sie; er gibt ihnen kein Theil von dem, was er für die anderen Schulenauswendet, und läßt sie eben mit einem Worte — definitiv verhungern. Selbst die Gesetze über das Gehaltsminimum der Volkslehrer hatten auf die jüdischen keinen Bezug. Es ist eben ein wohlfeiles Geschick, das der Staat den jüdischen Lehrern mit dem Drfimtivum Lot, das ihm nichts kostete. Aber doch ein werthvolles Geschenk! Denn wir sehen, dass die jüdischen Lehrer sich trotz derunglaublich geringen Gehalte in Kurheffen nur selten um bester dotirtch aber nicht definitive Stellen im Ausland bewerben.! Dar umgekehrte Berhältniß findet in Westphalen stätt; dort find die Stellen einträglicher, aber — nicht definitiv. Wenn nun auf , diese Verhältnisse und die Zustände in andern Ländern, wo fast überall, — in Payern, Baden, Württemberg, Weimar :c. — nie jüdischen Elementor-Lehrer vollkommen ven christlichen Bolkslehrern gleichgestellt find, hingewiesen wird, so dürste bei dem liberalen Geiste der Kammer nnd einigem Entgegenkommen der Regierung ein Erfolg allerdings fast mit Sicherheit zu erwarten sein. Auf Grund dieser Erwägungen und in diesem Sinne wurde beschloffen. eine Denkschrift zu entwerfen, und dieselbe durch diese Blätter zu veröffentlichen; der Denkschriit soll eine Petition beigegeben und diese von den Lehrern der verschiedenen Provinzen unterzeichnet werden. Aus Vorschlag der westphälischen Lehrer wurde ferner beschlossen, einen evlen und berühmten güdischr» Rechtsgelehrten Westphalens, der auch die Denkschrift für die westphälischen Lebrer auszuarbeiten die Güte hatte, und der stets großes Interesse an der Sache der Lehrer zeigt, zu bitten, die Ausarbeitung zu übernehmen und der Redakteur dieser Zeitschrift wurde als Vorsitzender beauftragt, diesem Herrn die Bitte der Lehrer vorzutragen. Die Herren Müller von Frankershausen , Westheim in Aoterode^ Hause von Neukirchen, und Gutkind von Gelnhausen von Seiten Kurhessens-und Mandel von Lippstadt, Wolssdorf in Erwitte und Lippmannson in Horn von Selten Westphalcns wurden beauftragt, Material zu einer solchen Denkschrift zu beschaffen. Ferner wrzrde der Vorsitzende beauftragt, mit Herrn Fleiichdacker in Harburg, als Vorsitzender des Hann. Lehrervereins, wegen Anschluß a» diese Petition von Seiten der hannover'- schen Lehrer in Verbindung zu treten. 'Jiit diesen Beschlüssen endete diese Besprechung und die Anwesenden eilten wieder den allgemein« Versammlungen zu. . (Schluß folgt.) Wochenbericht W c r ni s. Eincfi Beweis, wie richtig der Correspendent urtheilte, der neulich den Geld-Sammlungen für die verarmten Polen entgegentrat, gibt der jetzt veröffentlichte erste Rechenschaftsbericht. Da heißt es, daß ehedem Jeder scinBrod finden konnte, was jetzt, aber schon seit 20 Jahren, durch die Veränderung der Verkehrsmittel, nicht mehr möglich sei. Also diese ganze Generation hat seit 20 Jahren nicht Zeit und Mittel gefunden, in andere Bahnen der ErwerbSthättgkeit einzulenken, und die übrige Welt sollte gutmüthig diese unfähigen Müßiggänger ernähren? Vielleicht war die Mißernte al« Act der Vorsehung dazu geeignet, den Blinden die Augen zu öffnen. Darmstadt, 18. Juni. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer lief eine Interpellation des Abg. Edinger ein, in welcher derselbe an die Regierung die Frage stellt, welches der Grund sei, daß kein Israelit