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Der israelitische Lehrer · 1868-06-24 · 26 (24.6.1868) · p. Seite 103

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
26 (24.6.1868)
Date
1868-06-24
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 nitfc unverschämte Weise bei nnS Juden unter den verschiedenartigsten Firmen von gesunden arbeitsfähigen Leuten getrieben und di« Kassierder freiwilligen Armenkassen klagen allenthalben so über die Plagen und die Belästigungen, die sie durch diese modernen Lazzaroni erfahren, daß vielfach 6ie Aushebung dieser Kasten, als den leidigen Bettel mit fördernd, vcntilirt wird, denn alle Bor- und Um'"cht schützt die Kastiere nicht vor Betrug, alle ihre Spenden - nicht vor den ungemestensten Ansprüchen und im Falle der Nichtentsprekbung vor Grobheiten und Acrgerniß. Dabei chört aber der Hausbettel doch nicht auf. Will nur autausend Fällen ein eklatante- Beispiel anführen: Schreiber diesebefand sich kürzlich in einer bayerischen Gemeinde, alsich ein junger, anscheinend gebildeter, sehr ' gut gekleideter Mann zu dem Zlvecke Gaben erbat, um von Hannover nach Hamburg zu reisen, und der ~ «in bescheidene» Reichniß barsch zurückwie». Ist das nicht originell? Nachträglich sei hier noch eine Aeußerung verzeichnet, welche ein Reich-ralh gelegentlich der Agitation der frommen Herren gegen das Erforderniß eine- Gymnasial- AbsolutoriumS zur Befreiung von der Wehrpflicht Seit ten» der Rabdinals-Candidatrn gegen ein hervorragende- Mitglied der Administration in München machte» »Die Eingabe jener frommen Herren, sagte er, um DiSpcnS der Rabbinatskandidaten vom Absolutorium zeigt in der ganzen Abfastung, wie nothwendig sie dastelbe brauchen." Berlin, 16. Juni. Der Reichstag berieth heute über den Antrag de- Abg. M. Wigger- (Berlin): »Der Reichstag wolle beschließen: auS Bcranlastung der in der 8. Sitzung de- Reichstages vom 16. d. M. ertheilten Antwort de« BundeSrommissariu» auf die Interpellation de« Abg. M. WiggcrS (Berlin), den Bundeskanzler aufzufordern, den in ybtr 27. Sitzung de« Reichstagam 23. Oktober 1867 mit großer Majorität gefaßten Beschluß: baß in dieser Session des Reichstageei« Gesetzentwurf vorgelegt werde, durch welchen alle »och bestehenden, auden Verschiedenheiten des religiösen Bekenntnisse- Hergeleitöten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte aufgehoben werden, - in Ausführung zu bringen." Der Referent Dr. Endemann stellt den Antrag: »Der Reichstag wolle beschließen : den Bundeskanzler aufzufordern, daß in Ausführung des am 23. October v. I. gefaßten Beschlusses de- Reichstage« baldigst ein Gesetz vorgelegt werde, welche« alle noch bestehenden, auS der Verschiedenheit de« religiösen Glaubensbekenntnissehergelcitetcn Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte aushebt, insbesondere 1) die Verbote und Beschränkungen der Eheschließung zwischen Christen und Israeliten, sowie die auf dem israelitischen GlaubenSbekenntniß deS eiuen TheilS beruhenden Beschränkungen der ehelichen Rechte beseitigt, 2) für alle Eidesleistungen der JSrarliten eine der Gleichberechtigung entsprechende Form rin» führt, 3) die volle Gleichberechtigung der Israeliten zur Thcilnahme an der Gemeinde- und Landesvertretung, sowie zur Bekleidung öffentlicher, Gemeinde- und StaatSämtcr' im Gebiete denorddeutschen Bundeausdrücklich anerkennt." Abg. v. Vincke (Oldendorf) erklärt, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß" der Militäreid der Juden etwa- Herabwürdigendes enthalte. B lndcseommistär Geh. Rath zu Eulenburg: In Folge de« vorjährigcn Beschlusses deS Reichstags ist auf Veranlassung dcS Bundeskanzleramtes eine Zusammenstellung derjenigen Fälle angcsertigt, in welchen in diesem oder jenem Bundesstaate die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte noch von einem bestimmten religiösen Bekenntnisse abhängig ist. Diese- Verzeichniß ist dem Ausschuss« für daS Jnstizwesen überwiesen worden. Ueber Weitere« kann ich jetzt keine Erklärung abgeben7 Abg. Graf Bassewitz: Der Reichstag ist nicht kompetent. (Heiterkeit.) Der Staat hat ein Recht darauf, seinen christlichen Charakter zu behalten. Man höre aber auch die Juden nur: Da-, was der Antrag verlangt, wollen sie selbst nickt. Gäbe enoch einen jüdischen Staat, so würden die Juden demselben seinen religiösen Charakter ebenfalls bewahren wollen. Abg. La-ker: Di« Juden wissen sehr wohl, wa« sie wollen, und sie sind zu gebildet dafür, daß die Meinung de- Vorredners Raum gewinnen dürste. Abg. v. B ran'chit s ch ist gegen den Antrag de- Referenten. Abg. M. Wigger« weist auf die speciellen Verhältnisse in Mecklenburg hin, die,, indem sie den Erwerb von Grundeigenthum für Jude» an lästige Bedingungen knüpften, in der schroffsten Weise auch gegen da- FreizügigkeitSgesetz verstießen. UebrigenS beziehe sein Antrag sich auch nicht bloS auf die Juden, sondern auf alle Confessioncn, und die Verhältnisse in Mecklenburg zeigten ja auch, daß dort nicht blodie Juden wegen ihres religiösen Bekenntnissezurückgesetzt seien. Um eine größere Einstimmigkeit zu erzielen, würde er jedoch auch nichtdagegen haben, wenn der erste Satz dev Nr. 1 de- Antragde- Referenten gestrichen würde. Der Referent replirirt den Gegnern seine- Antrag«, worauf da- Hauden Antrag de- Referenten, mit Ausnahme der Nr. 1 nach »insbesondere", annimmt. Pari-. Die »Patrie" veröffentlicht eine von dem rumänischen Minister de- Aeußern, Hrn. GoleSco, kürzlich (da- Datum ist nicht angegeben) an die Vertreter der stemben Nationen erlassene Note, welche auf die Juden frage Bezug hat. Das ziemlich umfangreiche Aktenstück ist ein wahre-Muster vvn Zweideutigkeit nnd Wortmochrrci. Die Judenfrage in Rumänien fei keine religiöse, sondern eine socialp. Namentlich in den Gegenden jenseits Milkow befände sich Handel uijb Industrie ausschließlich in den Händen der Juden) man denke nicht daran, sie zu entfernen, aber die Mittelklassen dc« Lande«, welche durch di« neuen Institutionen zu ei-

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