Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 uct politische» Rolle berufen worden wäre», hätte« Schutz gegen ein Element verlangt, da« sich bisher «och nicht mit der Nation identificirt hätte. Wenn hier und da bedauerliche Vorgänge sich zugetragen hätten, so seien dieselben doch vereinzelt geblieben. Die Schutzmächte sollten nur Vertäuen in die rumänische Regierung haben, dann wer« dieselbe gewiß aller Schwierigkeiten Herr werden und insbesondere die Jubenfrage zur Ehre der modernen Civilisation und ohne Verletzung der nalionalen Interessen auStragen. (!) Bukarest, 5. Juni. Der österreichische Geueralconsul erhiett die ihm zugesagte Genugthuung in einer sehr verbindlichen Zuschrift der rumänischen Regierung, Damit hat der diplomatische Streit ein Ende. Wir habe» diese Art der Lösung stets befürchtet. Werden damit die Verfolgungen der Juden zu Ende fein? Wird den Verfolgten, Mißhandelten und Vertriebenen keine Genugthuung «erden, ihnen ', dir derselben weit benölhigter find, als di« österreichische Regierung? Wir hören, dich der Präsident der Alliance, Hr. Cremieur, vor der Abreise dos Prinzen Napoleon, der jetzt in Bukarest erwartet wird, diesem die Sache der Juden anS Herz gelegt, und wir erwarten von diesem Schritte mehr Erfolg als von den diplomatischen. Wir glauben übrigen-, daß sich in den Donaufirstenthümern große Umwälzungen vorbereiten. Fürst Obrenowich von Serbien ist dieser Tage auf offener Straße ermordet worden. ' Die Verwicklungen, zu wachen dies, führen wird, können nicht ohne Rückschlag auch auf Rumänien bleiben und führen vielleicht zu einer unerwarteten Lösung der Donaufürstenthümerfrage. Bukarest, 15. 3uni. Der Senat ertheilt dem Ministerium ein Mißtrauensvotum, die Lämmer — mit 69 gegen 20 Stimmen — ein Vertrauensvotum; das Ministerium gab seine Demission und — hat pe wieder zurückgezogen. Eine Botschaft d«S Fürsten löste den Senat auf und ordnet Neuwahlen a». In vierzig Tagen werde» abermals beide Kammern zusammentreten; tlnstwiil.n setzt die Kammer der Abgeordneten/ihre Si;- zungen bi? zum 22. Juni fort. So ist eS (geschloffen, daß v o r t ä u f i g der Geist , welcher die Verfolgungen der Juden und den GesctzeSeutwurf der 31 eingad, am Rnder bleibt, und eS läßt sich befürchten, daß diese Bedi ückungen leider noch lange nicht ihr Ende erreicht babcn, wenn nicht die Mächte anders eintreten, oder ködere Mächte eine andere Lösung bringen. <£ in i innit U Am 3. d. M.leitete der Rabbiner 1)r. M. Wise den Gottesdienst und predigte in einer hiestgenchristlichen Kirche für eine christliche Gemeinde in Abwesenheit chreS Geistlichen, d»r den jüdischen Rabbi zu dieser coüegialen. Gefälligkeit aufforderte, da er außerhalb der Stadl beschäftigt war. Die Gemeinde gehört zu zener allgemein bekannt«»- - Sette, die stch emphatisch! „Christian" und ausschließlich orthodor nennt. Dt» Kirche-trägt über dem äußern Eingang die hebräisch« Inschrift: „Schema Israel rc.", behauptet ans rein biblischem Standpunkte zu stehen und hat nebst der Triui» tätSlehre sehr viele poftbkblische Dogmen abgelegt. Der Geistliche derselben ist ein liberaler und hochgebildet»« Amerikaner, der seit Jahren mit Herrn Wise, Redakteur der Deborah, in einem freundschaftlichen Verhältnisse lebt. In der Predigt behandelte der Redner daS Thema .Vernunft und Religion" (die Skizze im „JSraelite") anknüpfenb an Hiob, Kapitel 28. Die Vorsteher d«r Gemeinde erklätten stch durchaus mit den Leistungen de« jüdischen Prediger» zufrieden. * DaS Ereigniß ist zwar nicht neu, da Herr Dr. Lilienthal schon mehrere Male in einer ähnlichen Kirche fungirte. Wir melden eS hauptsächlich, um darzuthu», in welchem Verhättniffe Juden und Christen in Cincinnati zu einander stehen. ES beschränkt sich aber dies« Derhältniß nicht auf Cincinnati allein, denn gleichzeitig erhielt Wise eine zweite officielle Aufforderung von d« am 3 t d. M. in Boston tagenden „Frei-religivsen-Gtsellschaft", die gelehrten Herren Rabbiner zur Theiluahnie und zur Darlegung der jüdisch religiösen Anschauung in besagter Versammlung aufzuforbern. Der liberale Geist, der unstreitig von hier auSging, hat stch also einen weiten und fruchtbaren Boben geschaffen, der mit Fleiß und Umsicht angebaut werden sollte. Eine vollständige Versöhnung der liberalen Christen mtt dem fortschreitenden Judenthume, und wir brauchen BundeSgenoffen, wäre sehr leicht zu erzielen, wenn wir unS ernstlich dazu entschließen könnten.. unsere Sache am rechten Orte und in der rechten Sprache zu erörtern und zu beleuchten. (Deborah.) (Wir möchten doch, nach deutschen Begriffen mindesten-, von einer solchen Verquickung der konfessionellen und religiösen Verhältnisse und Beziehungen ernstlich abmahnen; wir wiffen nicht einmal, ob solche Vorkommnisse der Toleranz und Humanität wirklich dienen; glauben vielmehr, daß sie, indem sie der religiösen Ueberzeugung, dem Streben nach Wahrheit hinderlich sind, auch die wahre Grundlage der religiösen Toleranz, der Humanität entgegen stehen, deren festeste Säule daS Bewußtsein ist: Ich liebe die Ueberz«ugung, die ich mir im Kampfe mit dem Leben und durch die Ucberlieferung meiner Väter errungen; ich bin von der Wahrheit meiner Religion durchdrungen; ich will-sie geachtet wissen von Allen. Gleiche- Recht fordert der Andersgläubige und ich muß ihm dasselbe zugesiehen. In -der Synagoge und Kirche Juden und Christen; außerhalb derselben Menschen! (Redattion des I. L,) Verantwortliche Redaktion u. Verlag »,» Joseph Klingenstria. Lehr«,zu Odrrnhru» in Rheinhessen. Für den Buchhandel m Eommiffion bei OScar Lriner in Leipzig. — Druck der Z. Böhmsschrn Luchdruckerei in Alzey.