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Der israelitische Lehrer · 1868-06-24 · 26 (24.6.1868) · p. Seite 102

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
26 (24.6.1868)
Date
1868-06-24
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 9<t hrraufbracht«. Zum Glück war der Arzt von Hattersheim schon in wenigen Minuten zugegen» und es gelang demselben, durch energische Manipulationen da- »olle Bewußtsein nach circa einer Stunde wieder zurückzuführen. Noch wenige Minuten und alle Belebungsversuche würden vergeblich gewesen sein. (Rh. St.) i Bayern, im Juni. Sie wollen, Herr Redacleur, fürder die Interessen der Alliance iSraelite universell: in Deutschland m Ihrem Blatte vertreten. Gut. Dir ^Interessen der Humanität und die der Schule sind sich sehr verwandt und arbeiten einander in die Hände. Nur bitte ich, unsere nächste Angelegenheit, die Berttetung der , Schule und der Synagoge, nicht in den Hintergrund zu > drängen, wogegen jedoch schon durch die räumlich« AuSdehn-; nng des „JSr. Lehrer" Vorkehrung g «troffen ist. Sie sprechen j auch von einer Acnderung des Titels Ihres Blattes. Auch i damit bin ich einverstanden. „Jsr. Lehrer" klingt zu ' exclusiv und schreckt Nichtlehrer dom Lesen desselben ab, waS ja so leicht geschieht. WaS sagen Sie zu dem Titel: „Synagogenustd Eckulbote* *)?" Da» würde ein reiches Gebiet, auf dem so viel vorkommt, in sich schließen und dagrößere Publikum anziehcn. Von diesem Standpunkte nun berichte ich Ihnen sogleich einiges Neue. * In München will es mit der Organisation der Schule immer noch nicht recht vorwärts gehen, obschon man sich drei Exemplare von Lehrern mit akademischer Bildung hat kommen lasten, denn ein Direktor mit akademischer Bildung muß eS partout fein. Tie bisherige, mehr als 60-jährige Leitung der Anstalt durch den Mann, der sie gegründet und mit seltener Umsicht und pädagogischem Geschick gehoben und gehalten hat, genügt nicht. WaS wäre auch ein Schuldirector, der nicht Latein rc. gelernt und der eS verschmäht, den wohlfeilen Doktortttcl sich zu erwerben? Doch ganz „ohne* ist's nicht. Die „Orthodoxen*, welche überall wisten, was sie wollen, deadsicktigen dadurch einen Mann ihrer Richtung an die Spitze zu dringen und werden auch ihren Zweck erreichen. Am meisten Chancen soll Dr. Destauer aus Lstenbach a. M. haben, bekannt durch seinen persönlichen Streit mit Dr. Hirsch in Frankfurt, was aber denselben selbstverständlich an einem Wirken in besten Richtung in München nicht bindern wird.*) *) Wir werden den Lorschlag de« Freunde» in gebührende Erwägung stehen und danken indessen einstweilen für di« freund- - kiä-e Lerüelsichtigung. Redaction. *) Wir dürfen dennoch Herrn Tr. Destauer nicht mit den gewöhnlichen Männern dieser Richtung in eine Kategorie brin- I gen. Er ist jedenfalls von gedzegenerrr wissenschaftlichen Bildung,! soll auch Schulmann sein, ist trotz strenger Orthodoxie tolerant, was er durch seinen Anschluß an die Achawa bekundete u. was ' Vas Meiste ist: ein Mann von Eharact-r. Nichtsdestoweniger l halten wir ei Zusammenwirken von tüchtigen, seminaristischi gedildeten Volks fchnllehrern mit solchen Männern, die aus f der Jeslbiba und Universität ihre Blldung holten, für reinun» > In Fürth wird durch die Mittel der frommen Partei ein prachtvolles Schulhaus und «in Waisenhaus gebaut. Auch hier beschämen die Altem die neue Richtung, den» man hört von sehr erheblichen Spenden, die durch sie jenem Unternehmen zufließen. Wenn nur dem Schulzwecke gedient wird, ist auch der Sache de« Forschrittgedient. Die Herren Orthodoxen hinken ja doch nur »ach, denn wir erinnern uns noch lebhaft der Zeit, i» der man in Fürth mit dem Project eines Schulhausbaues oder der Gründung einer Realschule nicht kommen durfte, »och weniger Gelder dazu erhalten hätte. Es wäre überhaupt interestant und leicht nachzuweisen, wie die sogen. Frommen jetzt alles das thun und fördern, waS sie vordem als neumodisch und religionswidrig verschrieen haben. Damit eS in Fürth ohne Differenzen nicht abläuft, ist dermalen ein Verhältniß, die von Rabb. 'Dr. Löwe inimer angestrebtc Aufstellung eines RabbinatS-Substituten, auf eine unwürdige Weise in die Preffe gebracht'worden, ohne daß die Sache dadurch gefördert worden wäre. Mit dem Bau einer Synagoge in Nürnberg wird es auch Ernst. Bereits hat man 200 Stände L 600 fl. versteigert und leicht an den Mann gebracht, dadurch aber auch rin Baukapital von 60,000 fl. gewonnen. Die Plätze werden nach Vollendung des Baues verloost und damit der Zweck erreicht, daß der Reiche vor dem Minderreichen nicht vorweg bevorzugt ist. Wir können dies nur loben. Zu den vielfachen Sorten von Bettlern, welche die jüdischeWohlthätigkeit Jahr aus Jahr ein inAnsprnch nehmen, und oft in einer nichts weniger als wohlangewendeten Weise, ist jetzt eine neue Spezies gekommen, welche man Literatur-Schnorrer nennen könnte. Man rolportirt ein, wer weiß von wem verfaßtes Werk, das man herauSgegebcn, und dringt eS dann Jedem auf, nimmt auch einiges Geld dafür, wenn man daS Buch nicht nehmen will. So bausirte kürzlich einer aus Jerusalem ein solches und noch dazu halb galchischeS Buck, das einen GalimathiaS von Slellenerklärungen enthält. Ein Anderer bietet eine hebräische Grammatik, genannt Melamed lechoil, dabei i zum Kaufe an, das zum Mindesten i h m „lechoil" dienen soll. Ueberhaupl wird der Bettel auf eine so großartige möglich, «eil diese die Berachtung für die „Element» rgeister* gleichsam mit der Muttermilch einsaugen, und in jenen Anstalten pflegten. Eine Volksschule, die auch Elementarschule sein mnß, oerfehlt ihren Zweck, wenn sie einen Mann an die Spitze stellt, der eben selbst nicht AHE zu unterrichten im Stande ist und doch den Grundsatz nicht anerkennen wird : daß der Lehrer auf der untersten Stufe, der Elementarkaste, die gediegenste pädagogische Bildung nöthig hat, und daß dieser mehr noch, als ein Lehrer auf einer der anderen «lasten, geiftigeFrische unbLebendigkeithaben einen gesunden Körper mit geistiger Spannkraft vereinigen muß. Ob und wie übrigens eine orthodoxe Gesinnung und Parteinahme auf religiösem Gebiete das heutige Schullrben und die pädagogische Wirlsamkest fördert oder stört, kann hier nicht erörtert werden. Redaktion.

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