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Der israelitische Lehrer · 1868-06-24 · 26 (24.6.1868) · p. Seite 101

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
26 (24.6.1868)
Date
1868-06-24
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Wie aber diese Idee verwirklicht toetW, dahat der Prophet nach seiner menschlichen Anschauung dargefkQt und auSgemalt, und die Momente dieser Darstellung brauchen auf Wahrheit und Erfüllung keinen Anspruch zu machen ohne daß r« dem Ansehen de- Propheten im Mindesten schadet. Dabei verfolgte der Prophet wieder einen praktischen Zweck, nämlich bei den sagenden Muih und Gottverlrouen zu erwecken. (Man sehe mein Lehrbuch der i-r. Religien Seite 58 Anmerkung.) L Da- Buch Jonah. — Daß der Prophet Jonah Im Bauche de- Fische-, der ihn verschlungen, 3 Tage hatte leben und beten können, bier von dem Fische wohlbehalten ou-gespicen wurde, ist ein Wunder, dain unfern Tagen w^nig Glauben findet; gar Biele pflegen lächelnd den Kops darüber zu schütteln. Allein, mögen sie immerhin diese Thatsache in da- Reich der Mythen verweisen, dem Buche bleibt sein hoher Werth dennoch, wegen seinehervorleuchtenden Zweckes, den sein Verfasser iptendirte, und der dann besteht, durch diese Erzählung darzuthun: daß da- Verkünden -de- Propheten ein nothwendigeS ist — Gotte- Geist treibt ihn unwiderstehlich — daß der wirkliche Ausgang nicht immer über die Wahrhaftigkeit eine- Propheten entscheidet, und, was da-.Wichtigste, daß die prophetische Wirksamkeit nur ein Mittel zur Besserung ist. (Siehe mein Lehrbuch der i-r. Reiigion Seite 19.) >4) Pzrrallelstellen sind ein wichtige- Mittel zur Erklärung der Bibel, die Bibel erklärt sich in ihnen gleichsam selbst; wir sollen undaher ihrer fleißig bedienen, um den richtigen Sinn der Bibel aufzufaffen. und es ist sehr zu bedauern, daß in unseren deutschen Bibelausgaben ohne Commentarien*) nicht, wie in der Lutherischen, die Parallelstellen als Randglossen angedeutet sind. — Unter Parallelstellen verstehen wir solche Stellen, welche einander dadurch ähnlich sind, daß in ihnen entweder dieselben Wörter und Redensarten, oder daß in ihnen derselbe Gegenstand vorkömmt. — Wenn in einer Stelle ein Wort, eine Redensart dunkel und unverständlich ist, so suche man eine andere Stelle auf, wo sie in einem andern Zusammenhänge vorkommt, wo sie deutlicher ist, sei es durch Umschreibung, durch Zusätze, durch ein hinzugefügte- Eynonoym und dergl. Wenn eine moralische oder dogmatische Lehre, eine Geschichte oder ein anderer Gegenstand in einer Stelle kurz, dunkel, lückenhaft, an einer anvern Stelle umständlicher, vollkommener unddeutlicher besprochen wird, so findet zwischen beiden Stellen der Realparalleli-mu« statt, und di» längere und klarere kann zur Erklärung der schwierigen verwendet werden. Man vergleiche Jes. 44, 12—21 mit Jer. 10, 3—6 und Weisheit 10, 11—19, Wenn man im Ungewiflen ist, ob eine Stelle buchstäblich oder bildlich zu nehmen sei, so kann der Paralleli-muaudiesem Zweifel Helsen, wenn er unin einer verwandten Stelle die Bilder in gewöhnliche Sprache auflößt, wenn er denselben Gedanken in dieser Stelle ohne Bild sagt. Daß z. B. die antropomorphistischen und antropopathischen Ausdrücke bUdlich zu nehmen seie*^ davon überzeugen uns die Par llelstellm. 5) Ein Mittel zur Erklärung de- Sinneeiner Stelle, eine- Abschnitte- oder ganzen Buche-. liegt auch in der Beobachtung der historischen Neben umstand« (oiroumstantias histoficae), und wenn auch die alten ehrwürdigen Commentatoren u. Interpreten oft von den Parallelstellen Gebrauch machten, so haben sie desto seltener auf die historischen Nebenumstände die genügende 'Rücksicht genommen und dieselben zu erforschen gesucht. Wer ist der.Verfasser des Buche«? Wer ist eS, den der heilige Schriftsteller redend einführt? Wer ist eS, an welchen eine Anrede gerichtet wird?- WaS ist der Gegenstand der Stelle? Ist ihr Bnhalt historisch? ist er didaktisch? enthält er eine ffenbarung? oder enthält er Sätze, die folgerichtig aus der Offenbarung deducirt sisid? (Schluß folgt.) Wochenbericht. •) Anmerkung. In dem mit einem ausführlichen Eoni» «eutar versehenen großen vibekwerke von Dr. Philippson find «Irrding« die Parallelste!»« angegeben und erküutert; ja man findet sogar ostmal« darin die Genealogie irgend eine« schwer ,» erklärenden Begriffe« angegeben; allein bei Bibeln ohne Uommentarien findet man keine Parallelstellen angemerkt. Dir i«r. Librlanstalt könnte bei ferneren Auflagen der Bibel diese« Mangel abzuhekfen suchen. Flörsheim,2.Juni. (Kohlendunstvergiftung.) In einer hiesigen israelitischen Familie stand seit langer Zeit der zur Bereitung der Sabbathspeisen benutzte alte Ofen in einem Keller, ohne ein Rohr für den abziehcnden Rauch zu haben. Nachdem diese Einrichtung lange Zeit, ohne Schaden' zu thun, bestand, siel e« am Samstag Morgen dem Sohne de« Hauses auf, daß seine in den Keller gegangene Schwester so lange auSbleibe. Er ging in dey Keller, um nachzusehen, kam aber auch nicht wieder. Endlich kam j auch die Magd, um nach dem Verweilen der beiden Geschwister zu sehen. Sie entdeckte dieselben bald, besinnungslos auf den unteren Treppenstufen übereinander» liegend. Sie eilte nun rasch nach dem Wohnhaufe zurück, war aber auch bereits derart von Beklemmungen I und Betäubung ergriffen, daß sie nur stöhnend den Na» > men ihre« Herrn rufen konnte, der jedoch den Angstruf hörte, rasch zur Stelle eilte nnd von Schrecken getrieben, in wenigen Sekunden (welcher Eile er r« zu danken hat, daß er nickt gleichfalls erkrankte) die regungslosen Kör-

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