Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 an Partikeln und die wenigen, die sie besitzt sind vieldeutig; auch bat der biblische Urtext viele Ellipsen, die die Auffassung de» Sinne». erschweren. Freilich mrfc der Interpret und Uebersrtzer in dieser Beziehung da» Meiste zum Verstänbniß bestrafen, er muß passende Einschaltungen nnd Ergänzungen anbringen, richtige Partikel wählen, um das logische Verhältniß der Säße und Satzglieder darzustellen, rc.*) Dennoch gibt es, namentlich in den poetisch - didaktischen Büchern der heiligen Schrift, neben einander gestellte Sätze nno Satzreihrn, hie zusammen ein Ganzes ausmachen, deren logische Beziehung und Verknüpfung jedoch nicht non dem Uebersetzer gegeben werden könnte, ohne dem Texte Zwang onzuthun und ohne seine subjektive Ansicht in die heilige Schrift hineinzutragen. Will man nun auch solche Stellen nnd Abschnitte — und gerade diese sind oft von großer Wichtigkeit — gründlich und richtig verstehen, io suche man den Hauptgedanken auf, .der dem vorliegenden Abschnitte zu Grussde liegt, und von diesem aus suche man Einsicht'zu erlangen in die Gliederung und Verkettung der aneinander gereihten Sätze, die zusammen ein Ganzes bilde>r. Dieeinzeknen Sätze können bald die nähere Erklärung und Aussübrung de» Hauptgedanken» sein, bald eine Besiälu.ung und tiefere Begründung desselben di r«b mannigfache Beweist, balo eine lebhafte Berensch inii l ung durch Bilder und Gleichnisse rc. Dal,er ist es sehr förderlich, wenn in der lieber, schrist eines Abschnitts der Hauptgedanke angegeben ist. Hio j 7, I—6. Die Mühseligkeit des menschlichen Lebens i r der Hauptgedanke, der hier näher erklärt wird. ^kf. s0, 12—31. Mit großer Gewalt der Rede wi d hier die Macht, Größe und Weisheit Gottes durcl Beweise ausgeführt, um die Thorheit der Götzenduner zu beschämen. 3. Man merke auf.die Absicht de» Schriftstellers; >enn oft ist sie eS allein, die unS auf die richtige llusiaffung dessen, was er hat sagen wollen, führen kc nn. Eine Auffassung, die der Absicht de» Schrittst« Hers widerspricht, ist durchaus unrichtig; diese» leuchet schon von selbst ein. In dem von mir verfaßten »Lehrbuch der iKr. Religion' war ich bei der Lehre üler die heilige Schrist bemüht, bei einem jeden Buche die Absicht anzugeben, die dem Verfasser vor Aug,n geichwebt hat. Indessen ist'» nicht genug, obgleich du schon viel dabei gewonnen, wenn wir die Abfik st eines heiligen Schriftstellers im Ganzen und Groze» erkannt haben; vielmehr müssen wir bei jedepl einzelnen Abschnitt« oder bei jeder |*) Astinert. Die Nein» Schul- und Hautbibel von Dr. Jakob Au«rbach, Leipzig, BrockhauS, «in rmpfehlen»«erthe» Buch; hat iinter andern Vorzügen auch di« Enallagen immer lchö» berichtigt, di« Ellipsen ergänzt und finnentsprechende Partikel gewählt. einzelnen Grupp« von Sätzen die Absicht in Betracht ziehen; nur dadurch können »ir für die Erklärung und AuslegMng desselben großen Gewinn erzielen. — Denn man zu allen Zeiten die Absicht und den Zw ck «S Prophetenthums richtig erkannt und demgemäß die Rede« und Thaten der Propheten beurlheilt hätte — in wie ganz andrem Lichte würden uns diese erschienen sein, wie wenig Auffällige« hätte« wir an ihen gefunden, und wie weng Raum wäre bann für Spötter und Zweifler übrig geblieben l — Lange hatte man in den Propheten nur Männer erkennen wolle», deren Geschäft hauptsächlich in der Vorhervrrkündigung künftiger Begebenheiten bestauben habe. Da konnte «an mit Recht folgerichtig fragen: Ist Dir» oder Jene» in Erfüllung gegangen? Und da eben nicht Mle» in Erfüllung gegangen ist, wa» sie verkündigt hatten, so konnte man weiter schließen, daß sie keine gvlterlenchtete Männer, kein, wahre» Propheten gewesen sein mochten. — Neuere und gründlichere Vibeliorschung hat jedoch den Grundsatz ausgestellt: Berus und Zweck der Provheten war ein praktischer, höchst würdiger, «ämliv da» Volk in der Bunlst-streue mit dem einzigen wahr« Gott zu erhalten, Wahrheit und Tugend unter ter Menschheit zu befördern, «ns dieser ein würdige», ho-e» Ziel ihre« Dasein» zu zeigen. Da», was die ssro« pbeten vorherverkündet hatten, iollre ihnen nur al» Mittel zu ihrem praktischen Zweck« dienen. Von dem. wa» Jesaias Äap 60, 6—22 und in ähnlichen Stellen über die einstige Herrlichkat Israel» verkündet hat, ist Nicht», wörtlich in Enüllung. gegangen, und wird nach menschlicher Berech'üng nie Etwa» erfüllt werden. Und doch hat der Paphet Pie Wahrheit geredet! Wir müssen un» nur «re richtige Vorstellung von dem Vorgänge der Procheten, wie von ihren Abstchten machen. Der Prophe; wenn sein fromme» Gelihl, al» Stimmung de» Gdlichen dem Unendlichen gegenüber, von Gott und göttlichem tief erregt, sein Geist erleuchtet und sein W>le angetrieben wurde; wenn er sich so-mit Gott gcnz Ein» fühlte und wußte: da waren die Gedanken und Ideen, die sein geistige» Auge schaute, au» rem Unendlichen stammend, Musterbilder des Bollkonmenen, oft in die weite Zukunft hinausragend, die schranken de» Raumes und der Zeit gleichsam überschreitend. Jedoch in der Einkleidung, Ausmalung und Ausführung dieser Ideen war >er Prophet wieder Mensch, gefesselt an Raumunt Zeitverhältniffe und au» diesen da» Material zu stnen Formen hernehmend. So auch hier. Die?«e, daß dem Knechte Gotte» (Israel) für da» Heil da» er den Völkern bringt, und für die Leiden, »eer ihretwegen erduldet, eine glorreich« Zukunft, «** große Herrlichkeit zu Theil werden wird, ist me göttliche, «»ahre Idee.