Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 26 (24.6.1868)
- Date
- 1868-06-24
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 zu erziehen, sprach. Referent «ar bei diesem Bortrage nicht zugegen, da der sabathliche Gottesdienst ihn fernhielt. Die sich anschließende, höchst interessante Debatte brachte al« ThatsächlicheS die Erfahrung, daß e-schwer sei, für die Waisen, insbesondere in großen Städten, wo »ft viele Tausende von Waisen sich befinden, die geeigneten Familien zu finden, in welchen fie gute Ausnahme, Pflege und regelmäßige Erziehung fänden^ daß aber, unter gehörigen Voraussetzungen, die Unterbringung der Waisen in geeignete Familien vorzuziehen sei der Ausnahme in Waisenhäusern; und daß, wenn die Verhältnisse. die Aufnahme in Waisenhäusern durchaus nöthig machen, immerhin die Zahl der Waisen (und armen, verlassenen Kinder) nicht zu groß sein dürfe, damit die Anstalt den Eharacter der Familie nicht verliere. ES dürste also die Anzahl der Waisen höchsten» bis zu 20 sich steigern, und sollte da» Unisormiren' derselben und Aehnliche» unterbleiben, um da» Gemülh deS armen Kinde» von den bedrückenden Gefühlen, die Die Armuth mit sich bringt, frei zu halten. Riecke hatte in seinem Lortrage und in ssinen Thesen von »christlicher" Liebe, „chri st licher" Erziehung u. dgl. Ansichten gesprochen. Direktor Dr. B'rnemann auS Leipzig findet dies ungehörig, da e» ja auch jüdische Waisen geben könne, welche der stattlichen Fürsorge bedürften;eS müßten auch diese also erzoren worden und die Erziehung dürste dann doch keine christiche sein. Riecke erläuterte sein Wort dahin, daß bei ihn „christlich" nnd „human" identisch sei. Wir werdeiauch daraus zurückkommen. WaisenhauSinspector Stern ton Sensen spricht seine Erfahrung.» auf diesem Geiiete aus» die er in dem von ihm geleiteten Jakobsom'chen Waisenhause zu machen Gelegenheit halte. I, dieser Anstalt sollen auch christliche Kinder Aiknahme finden. Die Versammlung beschloß die Annahme de» Grundgvankens, daß die Familien-Erziehung der WaisenhauS-rrziehung vorzuziehen fei und auch die Waisenhäuser (Rettungshäuser u. dgl.) den Eharacter der Familie «halten müßten dadurch, daß sie nur eine gemessene ^ahl von Zöglingen aufnehmen, daß ferner der (mi'ckersch,piktische) frömmelnde Geist, der in sehr vielen Anstal»» dieser Art herrsche, zu verwerfen sei. Nachdem nu Herr Theodor Hoffman» in einer herrlichen Rede d» Zkrhandlungen kurz und treffend zeichnete und durchseine weihevollen Schlußworte die Anwesenden wahrhft erhoben hatte, schloß die Per» sammlung mit dem tersprecheu, sich im nächsten Jahre in Berlin wiederzufinen. - Die Tage in Eckel waren Tage warmer Begeisterung, Tage der Ardjt, der Hingebung an da» eine große Ziel de» Lehrrstandes: die Erziehung des Volke». Wir können in ieser Richtung nur mit inniger Befriedigung aus sie zurückblicken. Der veulsche Lehrerstand ehrt sich selbst in diesen seinen Versammlungen ynd Verhandlungen. Mag da», wa» hier gesprochen und angeregt wurde, auch anscheinend für die Gegenwart ohne Erfolg sein, und manche», wa» hier verhandelt wurde, den Realpädagogen und Realpolitikern.hen Männernder Regulative. (— die, beiläufig gesagt, mit harten Worten gegeißelt wurden, und deren Verurtheilung stets rauschenden Beifall fand, —) mißfallen; gewiß ist, daß die große Mehrheit der lebenden nnd strebenden deutschen Lehrer dem Iorlschritte zugeneigt ist; daß sie,die Lehrer, wissen, was sie wollen und — darum: Heil den deutschen Lehrerversammlungen! — Wir kommen nun auf daS, was wir als Juden dort Besondere» anregten, wa» wir als solche beschlossen und erlebt haben und werden den Erfahrungen auf diesem Gebiete in nächster Nummer eine besondere Abhandlung widmen. Welches sind die wichtigsten hermeneutischen Regeln, die alle Diejenigen beobachten ^sollen, welche bestrebt sind, den rechten Sinn der Bibel zu finden und sich zu eigenzu ma chen? ^Fortsetzung.) *)E» gibt einen grammatischen und einen logischen Zusammenhang. Wenn wir di« Redetheile und ihre Verbindungen nach den Gesetzen der Grammatik betrachten, so sehen wir aus den grammatischen Zusammenhang. Im hebräische» Texte sind nicht immer die Regeln der Grammatik befolgt. Da gibt f» störende Enallagen (der Zusammenhang erfordert oft eine ganz andere Person, ein andres Genu» oder einen andren Nu ueruS, als im T-^xte steht), die jedoch schon der'Ueberseher, dem wahren Sinne gemäß berichttgt, darstellen muß. — Eine Eiqenthümlichkeit der hebräischen Sprache ist der Mangel von Adjektiven; sie orückt daher daattributive Satzverhältniß durch Zusammenstell ung von Substantiven ans, und bedient sich überh aupt der Substantive statt Adjektive. Jej. 9. 5. Jer. 10, 10: — Der logische Zusammenhang beruht auf den Gesetzen de» Denkens. Die hebräische Sprache hat Mangel *1 Anmerkung. Lu» dem Umstande, dag ich oben nnr von einer »»ersetzten Bibel redete, könnt« von Böswilligen der Schluß gefolgert werden, daß ich »ine Geringschätzung der hebräischen Bibel beabsichtigte. Solche Absicht ist mir nicht nur ganz fern: ich erkenne vielmehr den hohen W.rth der Kenntniß der hebräischen Bibel, sowie de» Hebräischen überhaupt, gerne an. Allein dir Erfahrung lehrt doch, daß diese Aenntniß de» Hebräischen dem größten Theile d.r jetzt lebenden Ilraeliten abgeht, nnd daß die meisten derjenigen, welch: de» Hebräischen mächtig find, zu w-'lchen ich die Herren Lehrer rechne, beim Bibellesen nnd Bibellehren sich einer gute» Übersetzung bedienen, nnd diesen glaubte ich durch Darstellung folgender Angeln eine» willkommenen Dienst,u leisten.