Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 25 (19.6.1868)
- Date
- 1868-06-19
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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98 fern die pädagogisch! Leitung deS Ganzen übertragen sein mich. Ab« außer und neben ihm muß rin tü ch- 1 i h t r -Ä'cnner de« Hebräischen .il-J ReligionSlchrer sungirrn. und wir zweifeln nicht, daß dcr Pädagoge srlbst dann srinr Aufgabe ersüllrn wird, wenn man dem theologisch, also akademisch gebildrkcn ReligionSlebrer das Direktorat übertragen würde, Es muß jedoch auch für die andern Lpecialsäber in genügender Weise gesorgt werden. Ein Seminar, daß an Lehrkräften spart, kann unmöglich seine Au'gade erfüllen nnd zivei ordentliche Lehrer neben dem Direktor find da- Mindeste, was ersorderlich in. Dann sind immer noch nebenbei für einzelne Fächer Anshülfslebrer nothwendig und aeboten. Tüchtige Lehrkräfte lhnn'S jedoch nicht allein. Vorerst werden immer nur wenige Jünglinge anvermögenderem Stande sich dem jüdischen Lehramle ividmen.' Aus diesem Grunde müssen, will man Zöglinge sür'S Seminar gewinnen, ausreichende Mittel vorhanden sein, um braven Zöglingen in würdiger Weise vollstän- DaS keine dige oder lbeilwcise Stivenbien gebe» zn können, darf kein Almosen, lein erbetteltes Brod sein; Kostkiscke! Der Lebrer muß «»5 Charakter sein im! vollsten Sinne des Wortes, und der an< dem Seminar j tretende junge Mann muß mit dem vollen Selbstbewußt»! fein, das sein Berus erfordert, in die Schule und vor , seine >Lcmcinde treten. Darum dürfen die Unterstütz-! ungen für die LehramkSzöglingc nicht solche sein, die ihn j Niederdrücken; ne müssen ihn« gleichsam als eine Borj auSdezablung für seinen späteren schönen nnd schwere»! Berus gelten. Sie müssen ihm Ehrengaben sein für sein j Streben, Entschädigungen für spätere Entbehrungen. Ein Seminar muß heitere Räume, genügende Lehrj apparatc haben. An Anschaffungen für'die Seminar-; bidliothel und Lehrutensilicn darf nickt gespart werten. l Ei» Seminar muß in einer größeren jüdischen Gej meindc sein, damit eine tüchtige Mustcrschnlc mit dem j Seminare in Verbindung stehe, in welcher die Seminaristen praktisch eingefübrt werden in das ErzielmngSnnb Unterrickiswesen. E i n S e m i n a r o b n c U c d » n g s- «nd M u st c r s ch u l c i st wie eine ärztliche Lehri anstatt ohne Anatomie und Klinik, wie-! eine landwirtschaftliche Lehranstalkobne^ Versuchsfeld. In dieser Mustcrschule müsst» die Seminaristen täglich mindestens einige Stunden unter- . richte». - 1 Ei» solches Seminar kostet Geld, viel Geld. Wir haben die feste Ucberzeugunz, daß auch nicht eine der jetzt bestehenden Anstalten die Aufgabe, | die wir ihr stellen, und von welcher man burchans nicht abzugebcn im ktairde sei» wird, zu erfüllen im Stande ist. - Die Mittel aller dieser Anstalten reichen vereinzelt nicht hin zur Erfüllung ihrer Zwecke. Darum haben sie, so wie sie jetzt find, keine Lebensfähigkeit, ja nicht einmal das! Recht zu leben, da sie mehr schaden, als nützen. Van i all den bestehenden Anstalten ist auch nickt eine so stark > dotirt, daß sie auch nur die nöthize Anzahl von Lehrern j hinreichend besolden könnte. Oder glaubt das Currtoi toriui» der MarkS-Haindors'schen Stiftung im Ernste, j man könne für Münster mit Rthlr. 800 —1000 einen j Seminardircktor gewinnen und erhalten, der lior!> ribilc dictu, ein theoretisch und praktisch gebildeter PLs dogoge 'ersten Ranges und zugleich anerkannter! Rabbiner fein soll V Wird ein solches Phänomen j nicht bald anderwärts ein deffer dotirtcs Plätzchen findend j Run braucht man aber noch zwei Lebrer mindestens mit? einem Gehelte von je 600 Rthlr. — Denn die Lehrer an einem Seminare müßten doch von ihrem Gehalte leben können und dürfen nicht auf Nebenbeschäftigung angewiesen sein; nnd die Fachlehrer werden ebenfalls noch ihre 5(10—'600 Rthlr. erfordern. Man hat also das hübsche Sümmchen von 3000 Thlr. nahezu erreicht und noch kommen hie Ausgaben von Mahnung, Licht, Heizung, Lehrutensilicn, überhaupt Unterhaltung der Anstalt nicht in Betracht; au Stipendien ist nicht zu denken. Diese Ausgaben werden aber nötbig für ein Seminar, in welchem ein halbes Dutzend Seminaristen sind, ebenso gut, W in einem solchen, wo ihrer 40, 50 oder 60 sind. Dieselbe» Lehrer, welche 6 Seminaristen unterrichten, können auch 00 unlerrichlcu, und umgekehrt müffcn ebenso viele Lehrer bei sechs wie bei siebzig Seminaristen vorhanden sein, wenn, die Anstalt ihre Aufgabe erfüllen soll. ES würde uns zu weil führen, wollten wir dier erweisen, daß vom pädagogischen Standpunkte au« eS erwünschter nnd füraden Geist und daS Streben der Zöglinge jördersamcr erscheint, ivensi die Zahl derselben eine größere, wenn auch gemessene ist; 5,0—60 Zöglinge (3 . Jahrgänge) dürste die richtige u»S wünschenswcrthe Zahl fein. Das ist unsere Ansicht. Wir glauben sic genügend begründet zu haben. Und nun die einfache Schluß sölgerung, die sich hieraus ergibt: es möchten ein-; flußreiche Männer dahin streben, baß die verschiedenen jüdischen Scininarien, inSbe sondere die von Kassel ugd Münster-vereinigt werden! Wenn irgend wo Vereinigung Roth! thut, so ist eS hier der Fall. Während'beide Scminaricn . durch die geringe Zahl ihrer Lehrkräfte, ihrer Zöglinge * nnd zumeist durch Mangel an ausreichenden Mitteln erwiesener Maßen ihre Aufgabe nicht erfüllen, könnten die vereinigten Anstalten nach allen Seiten hin desriedi- > gen und bei gutem Willen Vorzügliches erstreben und! erwirken. Hoffen wir. daß unsere bescheidene Anregung nicht fruchtlos bleibe. Berlin, 5». Juni. Unsere »erchrliche „Kreuzzeirung" chossle bisher vergeblich, daß die interconfesfionellen Gesetze in Oesterreich die Sanktion de« Kaiser« nich^ I i,