Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 25 (19.6.1868)
- Date
- 1868-06-19
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 krlenntniß und des BerstänvnisseS der Bibel geschehen:; die wichtigsten Regeln der Hermeneutik sollten populär dargestellt in weiteren Kreisen verbreitet werden. Hierzu - einen Beitrag zu liefern, ist der Zweck der folgende» Abhandlung. Ohne mich in eine Polemik über die - seit Jahrtausenden ausgetretenen Jnterpretationsweisen einzulaffen, stelle ich den gewiß allen Vernünftigen . einleuchtenden, unbestreitbaren Grundsatz an die Spitze: daß nur der in der.Bibel gefundene Sinn der richtige - ist, den der Urheber der betreffenden Worte und Sätze mit diesen verbunden hat und daß die hermeneutischen Regeln zur Auffindung und Auffassung dieses alleinig richtigen und wahren Sinnes verhelfen müssen. Bemerken will ich noch, daß ich in dieier Abhandlung nicht den biblischen hebräischen Urtext sondern die in's Deutsche übersetzte Bibel im Auge habe, denn daß auch noch diese der Erklärung und Auslegung bedarf, »avon kann uns fast jeder Psalm überzeugen. 1) Um sich oder Andern die Bibel richtig erklären und verständlich machen zu tonnen, richte man sich vor Allem nach dem biblischen Sprachgebrauch». — Der Sprachgebrauch ist die Art uud Weise, wie ein größerer Verein von Menschen, ein Volk nnd seine Schriftsteller, die Wörter nnd Sätze seiner Sprache zur Bezeichnung der Gefühle» Vorstellungen und Gedan ken anzuwenden und - zu gebrauchen pflegt. Und da der Sprachgebrauch der Bibel verschieden ist' von dein der abendländischen Schriften, so muß man sich mit dem Gebrauche der in derselben vorkoinmcudcn War- Er und ihrer Verbindungen recht bekannt machen, will man ihren Sinn 7o auffassen/wie ihn die heiligen Schriftsteller nnd Redner gedacht haben. Ru» . lebten allerdings die Piblischen Scbri'lsieller in dem langen Zeitraum von mehr als I0<>0 Jahre voneinander, und im Lause der'Zeit kann die Bedeutung eines Wortes oder einer Redensart, durch veränderte Verhält».sie und Anschauungen, manche Veränderungen erleiden. Allein alle Schriftsteller der Israelitischen Rarion sind Geisteskinder Moses, ihres gemeinschaftlichen Lehrers, und schöpfte» au» ibnl als ihrer gemeinschaftlichen Quelle. Alle, entsprossen aus demselben Volke, sind Mit^ieder einer und derselben ftatnU lie, die sich untereinander ven'randen und gewisse Familienausdrücke und Wendungen miteinander gemein batten. 1 Mos. I, t;. Uiid Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung «eigentlich: ein Ausgedehntes, AuSgebreitetes) inmitten der 'Wasser und scheide, zwischen Wasser und Wasser .'c. Was bedeutet hier das Wort „Ausdehnung". oder, nach Luther „Veste"? Der damaligen AnschauungS- und Sprachwcise hvar dieser Ausdruck in dieser Verbindung bekannt und muß derselben ge- ' maß erklärt werden. — I Mos. 10, S. Er (Rimrov» war ein Held derZ Jagd vor dem Ewigen :c. Nach dem damaligen Sprach- , gebrauch soll hier das Satzglied, „vor dem Ewigen" nur die Stärke und Gewalt des Rimrod mit lieberschwäuglichkeit bezeichnen. Ps. 16, 10. Du übeilässest meincSeete nicht der Unterwelt. — Was bedeutet dieses? — Offenbar hat der Begriff des Wortes „Unterwelt" im Lause der Zeit Veränderungen erlitten. Tie Genesis dieses nnd ähnlicher Begriffe zu erniitleln und de» Kindern beim Unterricht mitzutheile», ist sehr ansklärend und bildend. -— 2.) Mos. 20, 17. Furchtet euch nicht; denn Gott ist gekommen, euch zu versuche». — Ter biblische Sprachgebrauch verstand unter „versuchen' sicherlich etwas Anderes als unserer.— lForlsehung folgt.'. SÖpdjciibrricb t.?l n_$?<;ui' mi j; tn, im Mai. — < Schluß.> Wenn wir da», was wir im Vorige» angedenlet haben, fest im Auge behalten, so erkennen wir daran, was zu einem Seminare erforderlich m. E> ist vor Altem ein Lehrer nöthig, der n » r nnd a >i s sch ließiich Pädagoge, d. i. ein Mann ist, der das Slueium der Pädagogik, da» Gebiet der Polleschnle zu ieiner Lebensaufgabe gemacht hat. Bei tec allgemeinen deutschen Lekeerversammluug in Easiet konnte der, der es »och nicht wuß-e, vcriiebineu, wie Anthropologie, Psvcholezic und Logik, wie Pädagogik und Methodik eie cigentlicheu ,r.cbstudieu de» Lehrer» und; „»d wie -in Seminar, auch wem» es sonst „im Wisse»" das Tüchtigste wäre, do.d seine Aufzabe mcht er fällt, wenn e' nicht durch die Einfühlung-der Lel»- autiszöglingc in die g.naniileii Fächer das „Können" fördert. Das Seminar kau» ohne dies eine recht gute S u! e teilt; eine L e h rerb i l d u » g S,a u >1 a l l in cd »immrrmekr. — Man hal auf de» Umstano aufmerksam gemacht, daß oft gerade die besten Scminiristc.i dem Lehr lernte Valet sagen, und einen anderen lohnendere» Beruf ergreiseir. Wir glauben mit Sicherheit, die» dem Umstande zuschreibe» zu dürsen, daß die Seminaristen ihren Berus eben nicht kennen, weil sic von Pädagogik nicht? höre», und verstehen; und das: sie darum eben ihn auch nicht lieben lernen, ihn nicht zu lieben im Stande sind. WaS man nicht kennt, da» liebt man nicht. Die Pädagogen von Gottes Gnaden kainitcirnichts Höheres, als ihren Beruf. Es folgt daraus, daß die junge» Lehrer rathlos in die Schule treten, ratblor vor den Kinder» Neben, von deren Nakuranlage» uud EntwickelungSgaug. von deren Seelenleben sie keinen Begriff haben. Ihre Erfolge können sic weoer erfreuen, noch ermuthigeii. Aber man gründet doch (in Seminar nur, um tüchtigerLehrerund guterSchulen willen. Doch genug; was wir. verlangen, ist: daß im Seminar vor Allem rin tüchtiger Pädagoge, ein Volksschullehrcr, der die einschlägigen TiSciplinen kennt, angestellt werde.