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Der israelitische Lehrer · 1868-06-03 · 23 (3.6.1868) · p. Seite 75

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
23 (3.6.1868)
Date
1868-06-03
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Kündigung) «ntqeqensehen; daß au» nicht-sagenden persöilichen Motiven die vorzüglichsten Männ r so ihrer Stelle entsetzt wurden. Ich vemerke die» mur, um die Solidarität der I ilereffen beider S ände, die bei einem eklatanten Falle au» d.r R ibbinen zeschichte der Neuzeit in diesen Blättern in einer größeren Reihe von Art kein betont wurde, auch in diesem Be reffe hervorzuheben. Und nun, meine Herren Vorstände und Repräsentanten, erlauben Sie m r in einem nächste» Briefe-, Ihnen einige plausible Gründe snr m ine Forderungen anzudeuten. Bis dahin aber, Gatt besohlen I Ihr ergebenster L. O. am Borabend des Wachenfestes 5628 n. E d. W. Wochenbericht Alzey im May 6, ist bekannt, daß die Sitt« bei Kcpfbed.ckung in der Synagoge auf orientalischer Landeositte beruht. Nur der freie Mann hatte daS Recht, unbedeckten Hauptes sein zu dürfen. Der Despotismus des Orients ließ aber nirgends und bei Niemanden den Gedanken der Freiheit aufkommen. Gatt - gegenüber fühlte sich selbst der Jude in sklavischem Verhältnisse. Auch!m Oriente gingen die Sclav-n bedeckten HaupteS, der freie Mann aber unbede kten. P iulus (Cor. 1, 11) läßt die Sitte für Alle zu, unbedeckr.n Hauptes vor Gatt im Gebote zu erscheinen. Offenbar predigt er damit unter den Heiden für das jüdische Princip der Gleichheit aller Menschen und das Verbot der Sklaverei i« Jadenthum. Aber gleichzeitig macht er damit auch den Sitten der Heiden eine Concession» rechtfertigt dies« aber vom jüdischen Standpunkt« aus, indem er erklärt: „Der Mensch^ ist ja im Ebenbilde Gottes g-schaff.-n", steht also nicht im unterthänigen Sclavenvcrhältnisse zu ihm. Hierdurch avurde eine neue Abweichung von jüdischer Sitte geschaffen nnd eine auffällige Unterscheidung jüdischer und christlicher Betweise hervorgerufen. Möglich ist c«, daß Paulus diese bezweckte, möglich auch, daß man seine Hinweisung auf die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott christlich fand, indem man daraus eine Gottähnlichkeit des Menschen mit Gott nach dem Borbilde Christi herleit.te. Somit würde diese Sittenickt b!os formell, sondern auch prinzipiell als Chukath Hagoim gelten. In Rücksicht hierauf gewinnt der Ausspruch deS Talmud Derftändniß, womit man die Kopfbedeckung beim Gebete unter den Juden zu rechtfertigen suchte, indem man Gott die Worte in den Mund legt: „Ich habe Euch (Israel) nicht einmal bemüht, daS Haupt vor mir im Gebete zu entblößen.- - R. Alzey im Mai. Geiger veröffentlicht im ersten diesjährige« Hefte feiner Zeitschrift einen Auffatz: „Unser Gottesdienst-, welcher auch in besonderem Abdrucke erschienen ist. Seine Anschauungen und Vorschläge find nicht neu, aber er dringt ans/mehr Entschiedenheit in der Reform de« Gottesdienste-. Mit Recht betont er, daß sich in ursirrer Züt allein das religiöse G sammtbewnßtsein der Gemeinde zum Ausdruck bringe, und dennoch hält er Concessionen für unumgänglich. Denn diese» Gesammtbewußksein hat sich oben no h nitt so fest ausgebildet, befindet sich noch in der Entwickelung, so daß j'tzt nur ein Comor»n:ß, ein gegenseitiges Zugeständniß der G g-nsätze, möglich ist. Wrs G. dafür vorschlägt, ist im P inzipc allseitig anerkannt. nur in dem Maße, auch indem. welches G. fordert,- findet eine Abweichung Statt. Erstens: Die SorachdeS Gebets soll deutsch sein n:ben den h brätsch:» Gebeten. Geiger will nach der Weise des Berlinr R formkemptts von letzterem nur das 8od'm» un» di«/ Lollnida zulaffn. Die deutschen Gebete soll n nicht stereotyp sein. In B idem ist da» Miß überschritten. Dis wenige Hebräisch charakterisirt den jüsischen Gottesdienst nicht, und mit den deutschen Gebeten wird nicht jeder Cnlkusbeamte die Fähigkeit haben, allfabbatlich zn wechseln. G. hat wohl dabei nur die größeren Synagogen im Auge. Aber eS war bisher im » r Fehler der Reform, die kleinen Gemeinden unbe» rückächtigt zu laffen. Daher der Stillstand, ja sogar Rückschritt, denn die Juden ziehen vom Lande in die Stä»te, von den kleineren Städten in die großen und v rstärken da. weil ste den voranzeeilten A ischauunzen der Reform nicht nachko nmen können, weit ihnen diese fremd geblieben sind, das Lager der Orlhodorie. Zweiten»: Die Abkürzung des Gottesdienstes ist an sich und durch den Hinzutritt der neuen deutschen Elemente, wie auch um des Ge'angs und OrzelspielS willen, um so mehr ein dring ndes und allgemein werdendes Bedürfniß. Im Princio ist man einig, in der Ausführung weicht man ab. G. macht keine bestimmten Vorschläge. Drikt-ns: Reformen' der Gebete. G. htt Recht, daß er die Beseitigung der Opferzebeke. die Umänderung der Beziehungen zu Jerusalem, wie den uns umgebenden VS-kern, also unsere B ziehungen zur Vergangenheit. Gegenwart und Z ikuuft entschiedener durchgeführt wiffen will, als dies bicher gefch hen. G. will daher Ausmerzung von Stellen, wie 8ed'lo osoan im Aiemr-Gebet.-, Atah be» chartann und tadelt überhaupt den Seitenblick auf dir anderen Völler und Religionen. Wenn auch nicht Ausmerzung, eine Umbildung jener Stellen dürfte geboten s in, obgleich der erwähnte Seitenblick immer noch rine Art von Rechtfertigung hat. Als neu ist hervorzuheben, daß G. d-sonders auf B seitigung der Akeäab-Gebete dringt. G. hat diese Anschauung bereits am andern Orte*) begründet. Er sieht in der Opferung JfaakS ritze Aufhebung der Menschenopfer durch daS Judenthum, welche ihm durch die Aksäab-G bete nach Art de» christlichen SohneSopf.-rS wieder einzeführt zu fein scheinen. Wir haben an jenem Orte**) der biblischen Erzählung wie de« betreff nden Gebeten zwar eine andere Erklärung und Begründunq zu geben versucht. G. läßt «ine solch« Abwei- *j «cd. Gegenwart. — *•) daselbst. r

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