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Der israelitische Lehrer · 1868-05-27 · 22 (27.5.1868) · p. Seite 70

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
22 (27.5.1868)
Date
1868-05-27
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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auch Lehrer eingeladen »varen; es fehlte nicht an Toasten, die mehr oder weniger dir Hebung der Volksbildung zum Gegenstand hatten. Bei dem furchtbaren Parteikampfe, der sich bei uns in Ungarn vorbereiiet, auf der einen Seite der Glaubenswächter mit dem Rabbinencollegium, ans der andern Seite Magyar Jsraelita Közlöng (i) mit der ForlschrittSfahne, ist Vorsicht am Platze, obwohl ein emsiges Hervortreten denstoch mit der Zeit erwartet wird. Will man die große Masse für Bildung heranbilden, will man eS nicht bei dlofen Phrasen lassen, so ist es hier zu Lande gerathen, mit.der Orthodoxie nickt eigentlich uno thatsächlich zu brechen, da der Jude in Ungarn nun einmal Alles, selbst daS Sitzen 'mit bedecktem Hanpte in seinem Wohnzimmer, als Religion ^betrachtet; hat man es mit solchen verdorben, so ist allerEinfluß dahin, von Fortschritt nichts zu erwarten. Wie wir.vernehmen, wird der Lehrer aclivcs und pasiiveS Wahlrecht beim Eongreß erhalten, auch hören wir, daß so manche Lehrer Aussicht haben, gewählt zu werden. — Enicth. Bukarest, 16. Mai. Das, was jetzt hier vergeht, ist ein so prorccirendrs Gaukelspiel, daß die Mächte un möglich länger zusckaurn können, wenn sie sich nicht selbst läckerlich machen wollen. Zuerst sprach man davon, daß das Ministerium verändert werden sollte; aber »nr in so fern, als Bratiauo und GoleSco ihre Plätze wechseln; dieser Minister' des 'Auswärtigen, jener Minister der Justiz oder des -Innern werden sollte. Dabei gehen aber 1>ie' Verfolgungen imnwr fort. Ter „Ercudard" empnn'g eine Depescheauö Bukarest, welche von neuen Unruhen in Bake«' und von Sendungen von Truppen zur Herstellung der Ordnung berichtet. Trotzdem auch der russisch« Generakconsul energisch gegen die Barbareien der Behörden protestirte, wurden an -der unteren Donau neue- Mißbandlungen an - östreickischen Israeliten verübt. Die Zusammensetzung des neuen'Kabinets ist noch nicht verösienllicht; es scheinen also noch Strömungen in demselben vorhanden zu sein, die den Maßregeln der Regierung lheilweise entgegen sind. Im Senate wurde dieselbe heftig von Zonesko angegriffen, welcher die Vorlage der diplemaltschen Correspoudeuz über die Judenfrage verlangte. Ter Senat nahm mit großer Majorität Jonesko'S Antrag an.—Terra meldet, dieNationalgardeia Bakcu, welche, sich früher der Aufnahme von Truppen widersetzte, sei mit großem. Aufwand militärischer Kräfte entioaffuet worden. Die „Alliance" tährt in ihrer energischen Betreibung dieser Angelegenheit'fort, was Bratiano zu einer lächerlichen Demonstration verleitete. Am 28. April versammelte diese Ercellenz die Notabeln und noch eine größere Anzahl Bukarest er Juden und veranlaßt« diese zu einer Adreffe an die »Alliance iSr. univers.," worin sie ihr Glück, ihre Ruhe und Zufriedenheit unter der gegenwärtigen rumänische» Regierung preisen und bitten, ben von anderen Seiten ausgestreuten Gerüchten über Bedrückungen und Verfolgungen keineir Glauben beizumeffen. Ob die- Stückchen glückte, ob die Adreffe angekommen und welche Eommentare nebenher folgten, ist unbekannt. Jedenfalls dürfte sie ihreS Zweckes verfehlen, und weder die Alliance noch die Mächte irre führen oder cinschüchtern. Bukarest, 19. Mai. In Folge des BekanntwerdenS der auS Anlaß der Judenverfolgungen vom östreichischen Gencral-Consul an de» Minister GoleSco gerichteten Note verlangte der Senat die Vorlage der ganzen diplomatischen Correspondenz mit den» Ausland« und bereitet ei» Mißtrauensvotum gegen die Regierung vor, weil die Würde des Landes verletzt und die gute» Beziehungen zum Auslände gestört feie». D o n an für st e n t hümc r. Der polinfche "Agent des Wiener HofeS in Bukarest, Generaleousul Baron Eder, weist in einer Note die Beschuldigungen uiriid, welche der rumänische Minister, Stephan GoleSco i» seinem diplomatischen Rundschreiben vom 22. April d. I. insbesondere gegen den östreichischen Eonsular-Ageuten in Jaffb, Hrn. Wohlfahrt, ausgesprochen hatte. DaS Eder'schc Aiuwortschreiben, welches, vom 24. April dalirt, gleichzeikig in Paris, London, St. Petersburg u»d Berlin zur Kcnntniß der betreffenden Regierung gebracht worden ist, sucht ausführlich di« Beschuldigungen des Ministers zurückziiweisen.. Der Generaleousul sagt darin: „In Folg« drr wiederholte» Schritte, welche ick im Jnlereffe der in der Moldau verfolgten Israeliten bei Ihnen zu thun die Ehre hatte, haben Sie am 22. l. M. eine Rote an mich gerichtet, worin Sie gegen Anschuldigungen protestiren, deren zäher Fortdauer — wie Sie sich äußern — nur ihre Falschheit gleichkomme. Die Nachricht von den neuesten' Bersolgungen der Israeliten in der Moldau ist mir Anfangs durch den Telegraphen zugegaugen. Diesen sehr kurz gefaßten und unvollstän-- digen Mittheilungen. setzten Sie förmliche, aus Bericht« des Herr» Präfektur von Baken gestützte Ablcugnungen gegenüber. - Ich mußte di« Ankunft der Briefe und Schriftstück« abwarten, deren Absendung man mir angezeigt hatte. Erst gestern hat mir die Post umständliche Berichte gebracht; diese haben mich in den Stand gesetzt, die Wahrheit festzustcllen und die traurigen Einzelheiten, von welchen di« gegen die Israeliten in der Moldau ergriffenen Maßregeln begleitet waren^ in unwiderleglicher Weise zu constatircn. Ich habe gegenwärtig eine Reihe von Documenten, in Händen, die bis zur Evidenz beweisen, daß di« Maßregel der Austreibung der Juden aus ben Landgemeinden beinah« im ganzen Bezirk« Baken zur Anwendung gekommen ist. Die wenigen isr. Familien, welche sich daselbst noch aufhalien dürfen, haben diese Duldung mit schwerem Geld« erkaufen müffen.

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