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Der israelitische Lehrer · 1868-05-27 · 22 (27.5.1868) · p. Seite 71

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
22 (27.5.1868)
Date
1868-05-27
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71 TaS Organ der Regierung, der Herr Präfect Lecca, ist c3, welcher zuerst das Beispiel dieser Verfolgungen gegeben hat, indem er von seinen eigenen Besitzungen die sieben jüdischen Familien vertrieb, welche sich daselbst befanden. Im Districte von PaSIui sind 22 Familien rcrjagt worden, die sämmtlich auf Grundlage von Verträgen , welche durch die Bürgermeister der betreffenden Ortschaften lcgalisirt waren, WirthShZuser, Gasthöfe, Mühlen, Brücken und Brauntwcibrcnnereien in Pacht hatten. Im Districte von Foltitscheni baden die Unterpräfectcn den moldau'schen Gut-ebcsitzern den Befehl zugchen lassen, von Georgi ab ihre Pachtverträge mit den Juden nicht mehr zu erneuern, und sic zugleich' angewiesen, diesem Befehle auf daS strikteste nachzukommen, wenn sie sich nicht Maßregeln der Strenge aussetzen wollen. In Baken bat sich die Nationalgarde, welche aus Anlaß de-5 Osterfestes versammelt war, hinrciße» lassen, grobe Ausschreitungen gegen österreichische llnterthanrn mosaischer Religion zu begehen, und hat man sich nicht darauf beschrankt, die Lebenden zu insultiren, sondern auch die Grabstätten der Verstorbenen in der schmachvollsten Weise .verunehrt. Die Schritte deö österreichischen Starosten bei den OrtSbebörden sind erfolglos geblieben. Nm Sie noch besser in Betreff der stattgefundenen JudrnauStreibungcn eufzuklären und Ihnen Beweise in die Hand zu geben, habe ick die Ehre, Ihnen hiemit drei vom Bürgcrmcistcramte zu Bereschti .auSgegangene Befehle in Abschrift mitzutheilen. Eben so hatte ich eine von 71 ans den Landgemeinden vertriebenen jüdischen Familien Unterzeichnete Beschwcrdeschrift, eine andere vom israelitischen Ausschüsse zu Baken, dann ciize.Namensliste, auf welcher eine große Anzahl aus den Landgemeinden von Bake» verjagter isr. Familien verzeichnet ist, sowie endlich eine Liste von 22 auö dem Districte von BaSlui vertriebenen Familien zu Ihrer Verfügung. Ich besitze ferner Abschrift cineS an Herrn I. Bratiano von dem vormaligen Präfekten Hrn. Cracti gerichteten Telegramms; dieser Letztere beschwert sich gegen die in Betreff der Israeliten ergriffenen und von der fürstlichen Regierung in Abrede gestellten Maßregeln. DeS Weiteren benachrichtige ich Sie, Hr. Minister, daß die Vorstände der Konsulate von Oestreich, England, Frankreich, Preußen, Rußland und Griechenland zu Jaffy, nachdem dieselben zusammengetreten waren, um die Aussagen der vornehmsten Israeliten und verschiedene amtliche Berichte über die beklagenSwerthe Ereigniffe im Distrikte von Baken entgegenzunehmen, die Wahrheitswidrigkeit der Ableugnungen, welche von den Organen der Regierung selbst an das Ministerium gerichtet worden waren, eonsiatirt baben. Ich habe hier nur die wichtigsten Dccumente angeführt; ich besitze deren noch andere, welche ich mich beeilen werbe, vorzulegen, sobald Sie mir das Verlangen Hienack werben ausgedrückt haben. Nach Durchlrsung dieser Schriftstücke dürste eS, glaube i ich, schwer sein, noch länger in Abrede zu stellen, daß j der Gesetzentwurf wider die Israeliten seine thatsächliche i Ausführung in der Moldau gefunden habe. In de r Nott j vom 22. April klagen Sir den k. k. östr. Hern. Gene- ralconsul zu Jassy an, sich mit der Verbreitung ron — i wie Sic cS nennen — Erfindungen, und was ich alsdie! getreue Darstellung, die sich in voller Wirklichkeit zuge- : tragen haben und heute in unwiderlegbarer Weise conj statirt sind, bezeichnen muß » befaßt zu haben. ES ist! mir sehr peinlich gewesen, Herr Minister, daß Sie; auf ungenaue, und ohne alle Reserve entgegen^ enomj mene Informationen hin Anklagen gegen einen kaiser- ' licken Funktionär erhoben habe», dessen Eh enhastigkeit j nicht in Zweifel gezogen werden kann; und der im gegebenen Falle von einem Eifer Zeugniß abgelegt bat, der Ihre volle Anerkennung verdient hätte. In Wahrheit hat dieses Organ der kaiserlichen Regierung zuerst den Beginn der Ausführung eines Gesetzentwurfes angezeigt, welchen die fürstliche Regierung selbst von der Tribüne herab gebrandmarkt hat. Sie haben sich nicht beschränkt, Herr Minister, mir Ihre Ansichten nzitzuthei» len, welche ick mchlanstehe, als irrthümlichc zu bez ichnen. Sie/rnd noch weiter gegangen: Sie haben sie in amtlicher Weise den Vertretern der Schuhmächte in Bukarest eröffnet. Ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß Sib heute, besser unterrichtet über den wahren Stand der Dinge in der Moldau, sich beeilen werden, jene ebenso ungenaue als verletzende Mitlheilunz zu berichtigen. Es genügt nicht, Herr Minister, die Gewaltihaten und bebördlichen Ausschreitungen zn Ihrer Kenntniß zu bringen, welche in der Moldau stattgefunden haben, eS ist auch meine Pflicht, bei Ihnen darauf zu bestehen, daß Sie bei der Regierung Sr. fürstl. Hoheit Ihre Verwendung in dem Sinne zur Geltung bringen, damit sofort den fürstlichen Behörden peremptorische Befehle zugesendet werden, die gegen die Israeliten gerichteten Verfolgungen cinzustellen; daß zu Bakeu energische Maßregeln ergriffen werden, um die Ordnung und Ruhe in der Stadt "Und im Districte zu sichern; daß Diejenigen welche sich der Handlungen, die ich Ihnen zu signalisiren die Ehre gehabt, schuldig gemacht, vor Gericht gestellt und nach den Forderungen des Gesetzes bestraft werden; daß endlich die ans den Landgemeinden vertriebenen Familien in ihren Besitz wieder eingesetzt und für die Verluste entschädigt werden, welche ihnen ihre gewrltthätige und ungesetzliche Austreibung zugcfügt hat." Genehmigen Sie u. s. w. Cincinnati. Dr. Lilienthal hat den Ruf nach Ncwyork abgelehnt; er bleibt seiner hiesigen Stellung erhalten. Seine Gemeinde hat den Neubau eines Tempels beschlossen, zu welchem der Baufonds steiwillig gezeichnet wurde.

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