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Der israelitische Lehrer · 1868-05-27 · 22 (27.5.1868) · p. Seite 66

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
22 (27.5.1868)
Date
1868-05-27
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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beutenbfte. Mit Recht wird der Grundsatz an die Spitze gestellt, daß das Christenthum in Bezug auf Gottes¬ und Sittenlehre weder vom Judenthum habe abweichen wollen, ncch darübet habe hinausgehen können; es habe vielmehr nur die Verbreitung der jüdiscken Gruiwlebren unter den Heiden angestrebt. Wo dieser Grundsatz nicht anerkannt, wo der neuen Lehre der Beruf einer höheren Entwickelung des Judeathums eingeräumt werde, geschehe es nur, um dem Christenthum aut Kosten des Judentbums Bedeutung und Geltung zu verschaffen. Dabei wäre aber nicht zu verschweigen gewesen, daß-die Abweichung von den jüdischen Grundlchren für das Christenthum in Erfüllung seines religiösen Berufs und in historischer Entwickelung durch die Berührung mit den sich vorsindenden! heidnischen Anschauungen rmd Sitten und aus vor- | läufigen Zugeständnissen gegen dieselben herbeige'ührt i worden ist. Sabald christlicherseits.diese Ueberzeugmig I gewonnen sein wird-, kann es nicht fehlen, daß man auch das richtige Verhältniß des,Judenthums zum Chrisicnthum nicht verkennen und verleugnen wird.; Zur vollständigen Erkenntniß .und Würdigung dieses Verhältnisses ist.eine Klärung über Enistehnng und i Bedeutung des Phvrnaismus, wie sie hier vorliegt, unerläslich. Tie Akten darüber sind noch nicht ge-; schloffen, darum war wobl die gelehrte Forschung, welche über da»? Wesen und die Stellung der Pharisäer hier angeftellt mordest-ist, nichts su umgehen. Sonst hätten wir eine vevnlärere Tarstellnng gewünscht, um das größere christlick« Publikum zunächst aufzuklären und befeind) die Gelehrten zu Notlügen, auch derartiges zu berücksichtigen, d.enn diese lassen sich einmal ungern und schwer aus der Position vertreiben, welche sie zum Jukenthum eingenommen-haben, und wahr Ist cs nickit, daß sie immer die besten und nothwendigsten Eanäle sind, uit eiitk ärende und berichtigende Ideen in der Welt zu rnbreiten. Für daK Verstöndniß des Chrisunthums ist die Hauptn irisamkeit der Pharisäer in ihrem Kl nwte gegen die herrschende Priesterpartei der Eadueäcr zu suchen*). Eine religiöse Sekte bildeten beite Parteien nicht. *1 6in> a-Ciic Sciif pharjitziscker Wirksamkcü bildete da« Ankänixfen a.gcn des kirdringcn bridi ffch-reliffiöier und sociel«r EU werte. T<ß sich Jesus di«s,r Richtung mit ansckloß, — und er ifiat es, w e dies sein - Ausspruch : „Gebet Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist" beweist, um die Auseii aneerhaliung des Göttlich-Religiösen und Heidnisch« Weltlichen zu betonen — läßt uns erkennen, daß die Bezieh« uugen zuni vcidenlknim dem Urchristenthum fern lagen. Wir erfahren ober auch sowohl, daß d,n, 'schroffen Jubenthum eine Hinneienng zum Heidentbum, wenn auch nur auS Connivenz. nicht n östlich gewesen, wie daß dos Chri'ienthum durch seine Berührung mit dem Heidenthmn die übeikommenen Grundlebarn in ursprünglicher Reinheit nicht bewahren konnte. Welcher Unterschied giebt sich da nicht »wifchen ESra und Paulus kund! Evra löste znr Reinigung deS Judenthums ron den eingedrun- Es ist bedeutungsvoll, dieS heroorzuheben, um bei den, Nachweise, daß Jesus der pharisäischen^ Richtung folgte, von vornherein daran zu erinnern, daß er keine religiöse Abzweigung und Stiftung einer abweichenden Kirche erstrebte. Was vom Kampfe Jesu gegen die Pharisäer erzählt wird, bezieht sich nur auf die heuchlerischen Auswüchse des Pharisäismus, gegen welche innerhalb des Judenthums und Talmuds in gleicher Weise angrkämpst wird. Tenn die Säducäer hatten durch ihren abschließenden aristokratischen Hochmnth, wie durch ihren Anschluß an die herrschende Römer-Partei in jener Zeit, und schon lange vorher, aufgehört, wahre Perireter und Förderer des Juden thnms zu sein. Tie pharisäische Voklspartei, mit Berufung ans das von Moses her gestislete allgemeine Priesterthum, das Priesteithum des ganzen Israel, hatte gesucht, den Saducäcrn das Heft aus den . Händen zu winven. Diesem Kampfe hat sich Jesus angeschloffen, und sogar noch mehr, als dies bisher geschehen, das eigentliche Volt amhoorez in denselben hineingezogen. Letzteres geschah nicht in llebereinstimmimg mit den übrigen Pharisäern, welche, ein priesterlich - ceremonielles Leben uackahmcnd und sogar wie die Esiäer, ein ascelisches Leben führend, ebenfalls eine kastenartig abgeschlossene Brüderschaft fChcbra) bildeten. Es ist indeß heroorzuheben, daß die Herrschsucht der jüjbiscken Priesterpartei niemals in den Fehler des christlichen Elerus gefallen ist, um principiell Fanatismus und Ketzergerichte zur Maxime zu machen. Ter abgeschlossene Priestersiand, obgleich von Moses in Berücksichtigung der Zcitumstände eingeführt, war eine Mische Institution, ein Zugeständniß für die damaligen Vcrbältnissc. Moses wußte cs aber dcnuoch. zu verhüten, den Priestern Macht und Herrschaft einzuräump. Tie späteren politischen Verhältnisse waren nur tnotzdem den Priestern hieriür günstig. Theils liegt cs einmal im Wesen der Menschen, daß er eine ihm j psriönlich vorthcilhafte Position zu Gunsten der Ge- . scimmtheit nicht gern opfert, theils lassen sich durch die ' Jahrhunderte einmal geweihte Jnsti utionen und historisch gewordene Rechte nicht' so leicht wieder beseitigen; endlich waren es auch nicht einmal immer die wirk- - lichen Nachkommen der Priesterfamilie in Israel, welche nach Herrschschaft strebten, sonder» die von Herodes und i den Römern aus den Priesteistuhl gedrängten feilen Cteaturcn. Aber dennoch, — und wir verstehen auch hiernach, warum? — bedeutete ihre Herrschschaft nicht di« der Priester und der Kirche, sondern der Römer genen htidnischkn Clminilfn die gemischten, heidnisch - jüdischen Ehen auf, — und d>rs Bestreben war der Beqinn de« Phari- . saismu«, der sich selbst nach dieser Seite hin bti in die makkabäischen Zeiten fortsetzte — während PauluS beim AufbäU seine» HeidenchristenthumS in denselben kin Hinderniß fand ll. Kor. 7. 12—14.).

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