Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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50 si on furch diese Blätter einem größeren Leserkreise zuzusührcn. Wir hcfftit dadurck zunäck st die Ausmcrksumkeit der Lehre rwclt aus. das eben so lehrreiche wie interessante Buch des Herrn Grünebanm zu lenken und dann auch diese zu veranlassen, zur Lecrüre desielben in ihren sünscken und chnstlicken Kreisen anzurcgen. Tenn hier wie dort thutes Roth, iur religiös' Aufklärima zu wirken und gegen religiöse Vorurtheile anzukämpsen. Unsere bezügliche Rccension lautet: Im Munde des Christen ist die Phrase noch immer nickt erstorben: „Seitdem die Zu den den Messias -gekreuzigt haben d. i. 'eit'der Entstehung des Ehristcntbums, bat das Jubentkum- Bedeutung und Berns verloren." Sogar unter.den Juden gib" es iolcke, welche ans Ui keni:tnin ibrcr Religion und der Geschickte ihres Volkes, vo.r der Macht der Thatsacheu sich beugend, laut oder im Stillen diese Behauptung unterstütze». Allen diesen ist der, iaciiichc Fortbestand und die wunderbare Ei Haltung des Iuvenihnms vnl egreistick und ein ungelöstes! Räthiel; den welthistorischen Einfluß des Judentbnnis äui die religiöse, wissemckastliche. politische und »ociale Gestaltung der Welt und Bildung der Menschheit durch alle Jahrhunderte erkennen ne nickt an. und die sicktliche Mitwirkung des JudentbiimS bei der Loiung -rller Taaessragen in Benin aus Gleichberechtigung, rclrgiöse und politische Freiheit aller Manschen.gaitz abgesehen von den allgemein philosophischen,-politischtu'und socialen Fragen unserer Zeit, welche von Anfang an auch jüdische waren und theilweise im Jnbeiitbume bereits ihre Lösung gefunden haben, leugnen sie 0«-offenen Augen. Tas Jndcnthum dagegen .hat ffas Eliristenthum nie seindielig beurthcilt und behandelt. Am. wenigsten in -der eisten Zeit ''einer Entstehn» 'wo -e'nc Stellung noch eine bedenuingsloie oder dock wciriastens keine dem Jndenthnni gegensätzliche war. Dem Judenthum ist überhaupt eine ketzergerichtlicke Glaubeneverioloung stets fremd gewe'en, und alssie in spateren Jahrhunderien . Maimonides gegenüber . zum ersten Male . mm Vorschein kam. geschah d:cs in Nachahmung christlicher Vorbilder un'i durch den Einstuß der 'panischen Jnanisition. -Selbst die Geschichte , des . -Elischah b. Aous.-b, Acher genannt, und die Einfuhr-! ung des B um:1 > Cherein i zeugt nicht.von einer eigentlichen Glaubensverwlgung, und' selbst bierbei ist der Einstuß des Edristentbums nicht bedeutungslos. Es liegt hierin init c:u Beweis, daß die Verfolgung sowie die Tödlnng des christlichen Re'.igionssti'lers nicht einen religiösen (strnnd hatte nnd nicht von Juden ausgegangen ist. Aus d»m Boden des Judenthums, und des damaligen zumal, wäre eine >vlch>'Erscheinung unerklärlich. Das > Judenthum hat zu keiner Zeit feindselig über das ■ Ehristenthum geurtheilt trotz aller dogmatischen Gegen- > ätzlichkeit, worin beide zu einander standen, und trotz s . . Der feindseligen Verfolgung, welche crsteres von letzte- . rem zu erdulden hatte. Man war sich jüdisch'r Seit» immer doch der gleichartigen Elemente bewußt, worauf Juden- und Ehristenthum ihren reli.,iösen Bau gemeinsam errichtet batten, oder, um genauer nnd der historischen Entwickelung gemäß Freden, welche das Ehristenthum vom Judenthum erborgt hat. Man begriff aber auch, daß durch die Berührung des Christentbums mit dem Heidenthume jenes der heidniscken Elemente nickt entrathen konnte, welche es in sich aufnehmen mußte und dieses in einen Gegensatz zum Judenthnm drängten. Es war dies gleichsam ein Eompromiß, welchen das Ehristenthum ein- , ing, um die heidniscken Völker für die religiös-sitt-! lichen Ideen des Judenthnms zu gewinne». Ein solcher Eompromiß lag schon in der Entstehung und dem Wesen desEbuthäer- oder Samaritanerthums, welches, dem Judenthum von Ansang an feindselig, ickon dem Urchristenthnm sich willig ansckloß und ihm mit die ersten Anhänger lieferte.. Wir erkennen, daß es ans diese Weise nur dem Judenthnm vergönnt war, sich in seiner urpsrünglichen Reinheit, frei von heidnischer Berührung, zu erhalten, indem die Rolle, die jüdisch-religiösen Lehren und Anschauungen den heidnischen Völkern zu übermitteln, dem Christeitthunr zu- #d. Daraus folgte aber ebenso wenig, daß das.Judentbnm seine welthistorische Mission aufgcgeben und verloren, als daß es im Ehristenthum seinen feindlichen Gegensatz erblickt habe. Das Judenthum erkannte vielmehr in sich immer noch das eine und höhere Ideal, dem die religiösen Bestrebungen der Völker entgegenstrrben müffcn nnd sah dem Ehristenthum die Aufgabe zngetheilt, die Völler diesem Ziele entgegenzunihren. Dem Judenthum war es freilick aus ne e Weise möglick gemach', wenn auch nicht in Wirklichkeit, doch der Idee nack vielfach noch bis aus unereTage in seiner national-palästinensischen Abgeschlossenheit *n verbarren, Beziehungen zu seiner palästincnsiscken Vorzeit festzuhallen nnd deren Wiederherstellung zu ersehnen und zu erbelen. Dadurch ist der Anschluß der Völker an das Judenth um erschwert oder gar unmöglich gemacht. Dem Judenthnm ist daher eine Reform in dieser Beziehung nothwendig. Aber auch fitr das Ehristenthum entstand die Rotbwendigk it. sich allniäl g seinem jüdischen Ursprünge ui nähern, wozu in der That durch seine Reformationsbestrebungen der Anfang gemacht ist. Zwar ist noch lange nicht an eine vollständige Vereinigung beider Religionen und an ein Ausgehen derselben in einander zn denken, aber es ist doch noth wendig, sich des Ursprungs und der Ziele beider Religionen bewußt zu werden, um ihre Stellung und ihre Bewegungen in derselben zu begreifen nnd richtig zu beurt heilen. Das Judenthum ist christlicherseits seinem Wesen nnd Streben nach immer noch zn wenig