Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 es wiederholt vorgekommen, daß sich eine größere oder kleinere Anzahl von Israeliten in und außerhalb Al- - zey's für die Angeklagten interestirte und sie durch Erlegung oder Beschaffung der geforderten Cautionsgelder auf freien Fuß zu bringen juchte. Am jüngsten Sabbath warnte der Rabbiner vor der falschen Richtung einer so menschenfreundlichen Gesinnungsuud Handlungsweise. Ersprach von dem Grundsätze jüdischer Brüderlichkeit und Bürgschaft, daß derselbe in der Religion und dem Leben Israels vorhanden sei, aber sowohl Seitens Israels wie Seitens der Andersgläubigen oft mißdeutet werde. Seitens der letzteren, indem man für die Fehler Einzelner in Israel die Gesammtheit in . Anspruch nehme, zumal in der Vorzeit, wo eS dabei auf allgemeine Gelocrprepungen abgesehen war, und Seitens der ersteren, indem bei jedem Angeschuldigten dieGcsammlheit in Mitleidenschaft gezogen werde, und man diese für verpstichlet Halle, die Lossprechung und Befreiung desselben durch persönliche oder Geld-Ber- . Mittelung zu bewirken. Als in-, früherer Zeit Juden —oic unter falscher Anklage und ungerechter Verfolgung und schuldloser-Einkerkerung zu-leiden gehabt haben, sei die Befreiung der. gefänglich Eingezogenen gleich einer Lebensreitung und deßhalb vor Allem und für Alle geboten gewesen. In unserer Zeit der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung aber können die Inden durch io che uub.rufcne Gemeinschaft mit den angegeschuldigten und dctcrnincn Glaubensgenossen, wie durch ungerechtfertigte Verwendung für sie oft nur Mißdeutungen unterliegen. Es 'solle damit die Liebcsthütigkcil'nicht ausgeschlossen sein, welche sich selbst des verbrecherischen, um so mehr des noch nicht verurrheilten, sondern blos verdächtigten Bruders erbarmt; aber es müsse davor gewarnt-werden, in alten Fällen für den Juden luid .n u r für den Inden moralische und materielle Bürgschaft zu leisten. Alzcu, April. Tie hebr. Zcitschrisl „Lmmacid" veröffentlicht interessante Berichte des berühmten Reisenden T'chnerni über die Juden des Kaukasus, Rach deren Vollendung behalten wir uns vor; Auszüge aus denselben initzucheileii. Königsberg/ 13: 2lpril. Der „Staatsanzeiger" bringt die 'Ernennung des hiesigen practischen Arztes Tr. .Heinrich Jacobson, eines in hiesigen Kreiien hochgeachteten Mannes, zum außerordentlichen Proiesior in^der medicinischen Facultät unserer Universiläk. Di? Ernennung ist insofern von allgemeinem Interesse, als derselbe der erste Israelit ist, der ein Lehramt an unserer Albertina bekleidet. Bekanntlich war dies, vor Kurzem durch das Universitätssiatut untersagt, welches bis zur Wahrung deS protestantischen Charakters der unter Herzog Albrecht inmitten der ReformatiönSkämpfe gestifteten Hochschule die Anstellung nichtprokestäntischer Docenten untersagte. Der betreffende Paragraph ist erst rm vorigen Jahre > nach jahrelangem Ankämpsen aufgehoben worden. Die Ernennung deS Genannten ist somit hie ErstlingSblüte von diesem Baume der Erkenntniß. F. I. T r i e r, 15. Apr. Von hiefigerOberbürgermeisterei, so wie auch demLandrathsamte wurde mir eine Aufforderung au die hiesige Königl. Regierung von Seilen des Oberpräsidiums der Rheinprovinz zugeschickt, dahin lautend, durch die Herren Landräthe den Vorständen der Synagogengemeinden die Förderung der Unternützungskasie des Vereins israelitischer Lehrer Wcsthalens und der Rheinprovinz,, und den israelitischen Lehrern die Betheiligung an demselben nochmals empfehlen lasten zu wollen. Auch im Jahre 1865 schon erging eiue ähnliche Aufforderung von dieser hohen Behörde an die hiesige Negierung, die auch damals mir zugeschickt wurde, mit dem Ersuchen, auf die Förderung der -Unterstützungskaste wirken zu wolle». Wie Sie, geehrter Herr Redakteur, misten, wurde ich auch öfters von dem-Vorstände des „Achawa"- Vercins aufgefordert, für diesen Verein in meinem Bezirke zu wirken, und habe ich auch Ihre Zuschrift, nach Kräften, verbreitet! Ebenso habe ich schon früher aut die Betheiligung mehrerer Lehrer im hiesigen Bezirke an dem Vereine für Westphalen und Rheinprovinz nr wirken gesucht. Da ich nun beide Vereine für sehr gut halte, so suchte ich denn auch, so viel ich konnte, beide der Unterstützung durch die Theilnahme zu empfehlen. Ta mußte ich denn öfters die Anfrage vernehmen: Warum bestehen denn zwei Vereine, die den einen und denselben guten Zweck haben? Könnten diese sich denn nicht vereinigen, und würden alsdann die Unterstützungen nicht reichlicher.demselben zufließen? Ick gesteh', daß ich diese au mich gestellten Anfragen nicht bcanlwortcn konnte, da auch ich der Meinung bin, daß ein Zusammenwirken dieser beiden Vereine bester wäre. Hierbei ist gewiß nicht Dok --b'naim meecbod, da diesem das lo thisgoddadu lo thasu agudos agudos entgegen steht. Weil ich jedoch nicht so ganz in das Wesen dieser Vereine cingeweiht bin, so will ich m>ch nicht weiter in die Erörterung dieses gewiß sehr wichtigen Gegenstandes einlastcn, hielt mich jedoch verpflichtet, - durch Vorsteberdes diese Sache einmal anzuregen, hoffend, daß die Herren Vorsteher der Vereine diese weiter besprechen und erläutern werden, l'maan oschif l'schoale dobhor! K. Trier, 16. April. Wegen einer längeren Ab- , Wesenheit von hier und der vielen Beschäftigungen , des Pi stachsestes, konnte ich den „Israelitischer Lehrer" ' nicht regelmäßig durchlesen. Heute komme ich erst