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Der israelitische Lehrer · 1868-04-29 · 18 (29.4.1868) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
18 (29.4.1868)
Date
1868-04-29
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 Ruhe und Weihe so finster draußen der Gesichtskreis eingehüllt war, die Lichter des Tempels und des eignen HauseS oder der ärmlichen Hütte strahlten WoNne und Seligkeit in jegliches Herz, und da man ihn begrüßte: am Abend als gottgekrönte Braut, am Morgen als j Pracht, Lust, Zier der Tage, so durchzuckte alle Nieren! und Fiebern der Gedanke: er ist ein Wahrzeichen — > daß der Höchste mich heiliget (2. B.' M. 3, 13). Die Jahresseste: nächst der besonderen, jedem sür sich ein-! wohnenden Bedeutung und Bestimmung umschloß sie alle das eine beseligende Bewußtsein: es ist ein moed 1 adonai eine Crneuerungszeit der Selbstheiligung, der Ausrichtung aus dem Alltagsleben, der Erhebung zu Gott, dem Allerheiligstcn (ato deeliartonu). Die Reinheit des Körpers wie der Speisen bezweckende Gesetze, wie öfters zu ihrer Begründung hervorgehoben, in der bewußten Absicht geübt, sich zu heiligen und vor jeder äußeren oder inneren Entheiligung und Verunreinigung zu hüten. Also bildeten die religiösen Pflichten mächiige ,LiebesbandciHos. .11, 4), durch, die unsere viclgeängstigtcn Ahnen, wie sie mittelst ihrer zu einem goi eohod einer untrennbar verbundenen Glaubeusgeiueinschast sich zuiammenschlossen, ingleichem unlösbar gekettet wurden an den ewigen, heiligen Gott, dem allein, zu dienen ihr einziger Stolz und Ruhm, - dessen Nanien und Verehrung unverfälscht durch die Geschlechter hindurch zu tragen, sie als ihre höchste Lebensaufgabe betrachteleit und als solche unwandelbar festhielten. Dies Hochgefühl gürtete ihre Lenden mit jener Riesenkraft und Heldenstärke, der wir die reine Erhaltung unseres ewig angeseindeten Glaubens, dje unverkürzte Ueberlieserung des Erbes Jakobs'zu danken haben. Doch der .Horizont am Völkerhimmel ward heller, unseres Volkes Lage auch klärte sich, Druck und Ausschließung ließen nach, hörten in manchen Ländern ranz, •» ander» zum Theil auf, da bröckelten bald Liebe zur Beqnemlick keit, bald Genußnnd Gewinnsucht, bald Eitelkeit nnd mißgeleiteter Ehrtriek, einen Stein nach dem andern von dem Gebäude religiöser Obliegenheiten ab. der Eine sagte sich mehr oder weniger von Reinheits- und Speisegesetzen los, der Andere erlaubte sich Ruhe- und Festtag heimlich oder össentlich zu entweihen, ja! eine große Menge entband sich aller dieser und sonstiger Heiligungsmittel unverhohlen, so daß eine Zeit lang der Bin des Jndcnchums in seinen Grundfesten zu wanken schien. Viele auch den Glauben der Väter, um dcssentwillen diese alles Leben^glück srendig auf Gottes Altar hingeopfert, leichtfertig abschwnren und, wenngleich meist nur dem Anscheine nach, in's feindliche Lager übertraten. (Richter 2:) In dieser unruhigen, auflößenden Gährung sind auch wir noch größtentheils befangen — doch der Weg des Besseren ist bereitswieder beschrittcn: Forschung der Gelehrten, Unterweisung in Schriften, Synagoge,» und Schulen haben den getrübten Gesichtskreis wieder geklört, man wird dessen einestheils mehr und mehr inne, daß Herzenshciligung und Geisteserleuchtung Wesen des JudenthumS seien, (Ps. 19, 9), aber diese innere, sittlich-geistige Läuterung einen mächtigen Hebel finde in den Satzungen äußerer Heiligung, und diese, wenn in rechtem Sinn erfaßt und geübt, dem israelitischen Leben, seinem geschichtlichen Berufe uub dessen dauernder Erhaltung unerschöpflichen RahrungS- und Krästigungsstoff zuführen, während bei ihrer kaltblüügcn Nichtbeachtung der Quell der Hingebung für . Gott und Seine Heilslehre allmälig zu versiegen drohe. -! Möchte denn dieser Quell im Boden des weitverzweigten israelitischen Stammes von nun an immer heller, klarer und voller rinnen und strömen, und j lasset es darob eines Jeglichen von uns eifrigste Sorge sein, daß in seinem Bereiche die Heiligung, die der Ewige, unser Herr und Vater, uns zur höchsten Pflicht gemacht, in weitestem Umfange zilr Wahrheit werde: daß, wie es der erste Theil der Betrachtung uns gelehrt, mir nach der geistigen und sittlichen Heiligung, die uns dem Allheiligen nachzueisern attspornt, mit' rüstigen Kräften ringen und streben, daß wir aber auch,» wie deren zweiter Theil uns nahe gelegt, die Heiligung im Aeußeren, durch liebevolle Pflege und ver nnnftige (!) Beobachtung der religiösen Vorschriften, die zu jener am sichersten hüileitet,~ nimmer außer Augen (etzeu; daß ein innerlich und äußerlich göltgeweihter Wandel die Leuchte sei, mit der wir unfern Kindern, . Enkeln und Hausgenossen hellstrahlend vorangehen, das ' köstliche Erbe, das wir bei unserem dereinstigen Weggange von hinnen als ewig unveräußerliches Vermächt i niß zurücklassen, dann werden mir ein wahrhaft, im rechten unb vollen Sinne des Wortes, israelitisches Leben führendas uns und unserem ganzen Volke zum Heile und Gedeihen, unserem Gotte und seiner heiligen Sache, die wir als Israeliten vor" Allen auf Erden zu vertreten haben, zu Ruhm und Verherrlichung gereichen wird. Zu solchem Wollen und Vollbringen gib Du, Allwaltender, Gott Israels! der Du nur zu Deinem Dienst nnd Eigenthum für immerdar ausersehen, Deinen mächtigen Beistand und himmlischen Segen. . Frkil. a. 0. I o eh e tt b c r i ch t Alzey, 22. April. Das hiesige Bezirksgericht hat auch bisweilen über jüdische Jiiculvaren zu urthei len, und das hiesige Bezirksgeiängiliß birgt demgemäß auch biSiveilen jüdische Jnsasien. In letzterer 'Zeit ist i

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