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Der israelitische Lehrer · 1868-04-29 · 18 (29.4.1868) · p. Seite 34

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
18 (29.4.1868)
Date
1868-04-29
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 heutigen Torahwortes: .»Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gotl.^ Möge der Herr, der uns heiligen will, durch unsere Betrachtung heiligende Gedanken in unserm Innern wachrufen, uns in reinem Glauben und löblichen Thun zu seinem rechten Dienste hinsühren. I. „Heilig sollt ihr sein ic.1* Einen Lehrsatz der Lebenr Weisheit von größerer Tragweite, erhabenerem Schwünge bat fid cr kein Gesetzbuch irgend einer 'Nation auf Erden auftuwcisen. „Werde heilig, vollkommen, ganz untadelig (t. B. M. 17, l), denn der Gott, den du anbeicst. Er ist heilig, ohne Fehl, vollkommen <5 B. M. 32, 4)." Liegt aber nicht darin eben ein herber Wider;ruch? Ist doch Heiligkeit das höchste Preiserwort', in dem wir de« Höchsten Herrlichkeit Ausdruck zu geben wisicu, und wenn wir den himmlischen Hccrschaaren glcicb.das T reimal-Heilig feierlich im Ehore rufen, so ist darin alle Hoheit zni'ammengefaßt, die wir niit unergründlichem Begriff des Uncndllchen zu verbinden im Stande. Nlingt es darum nicht wie Vermessenheit, wenn der Staubgeborene, dem Staube wieder Verfallende il. B. M- 3,-t!>> an solch' göttliche Erhabenheit l,inanreichen, mit ihr den Wettlaus einngeben möchtet „Was ist der schwache Sterbliche ec. >H. l .">, 14—1«i>." Betrachteten es nach der sinnigen Legende der Alten diese Himmelsdoten, auf die.Hiob's freund binwei'er, doch als ungebührliche Zudringlichkeit, vast ein Moieh selbst in ihren Kreis einzuireten wagte, tind bedurfte cs des ausführlichen Machtgebots ihres und feines Senders, uni. ihren darob regen Unwillen zu beschwichtigen. «Mdr. iRab. CL'minh 28) wie wollten wobl wir Alltagsieelen zur Höhe denen binauiklimmen, vor dem jene heiligen Geister mit verhülltem Angesicht l Ies.->!, 2i nach der' Tiefe gcrichtekeui Blicke dernutbsvoll stehen d Und lst's wohl den Helden im i'ieich der Tugend pnd Fröniinigkcit 'gelungen , die Stufen göttlicher Heili, keil hinanznstei- :en? Sind nicht Abraham, Mosih, David in's Sünden Netz gegangen und haben so des Predigers Wort i Koh, 7,2««) ancki mit ihrem Bei- Wiele besiegelt? Wie wäre al'o göttliche .Heiligkeit dem Erdensohn nicht unerreich bar? Unsere Weisen, deren Adlerblicke eine Frage von solcher Bedeutung nicht entgehen konnte, haben uns denn auch einen bedeutsamen Wink -n ihrer. Löiimg gegeben. (Midr. Nab. Wajikra 2', EndeBon dem „Ich", das Pharao zu Iosepb gesagt.ll. B. M. 41, 44», sagen sie, können wir auf das „Ich", gn dieser Stelle einen Schluß ziehen, so wie jener sdas. V. 40) seine Würde höher als die des Jos. stellt, so ist auch die göttliche Heiligkeit der des Menschen weit überlegen. Tie ganz steckenlose, ötherglciche Reinheit und Heiligkeit ldies Sinn ibrcr Worte) sie ist fürwahr nur des Einig-Einzigen Tbeil und Besitz, und der Größten Größter hjenieden. der Edelsten Edelster konnte solchen Weges Ziel nur aus weitester Ferne erspähen; aber das Spiegelbild der Heiligkeit, das ein matter Abglanz der himmlischen, (wie der Mensch überhaupt ein schwaches Abbild des göttlichen Vorbildes in seiner Anlage und Bestimmung) ist uns erreichbar, und nach ihr zu ringen mit allen Kräften und Schwingen unseres Geistes, es ist das Hochziel, das unser Gott uns vorstecken wollte, da Er sprach: Heilig sollt ihr:c.; dies ist der reichste, vollste Segen, den der Glaube an Ihn und Seine Verehrung uns einträgt, daß wir, dem Allheiliaen nur in Heiligkeit zu Seinem Wohlgefallen dienen zu können^ zu nuferer innersten llcberzcugung machen. Fragen wir nach den hierzu hinleitenden Pfaden: die in Seiner Torah uns vorgezcichneten Rechte, Gesetze und Tugendlehren sind die mannigfachen Wegweiser an den Kreuzwegen unseres Lebens, doch auch in wenigen Worten zeichnet sich die ganze Bahn uns vor: „Wandle in den Wegen deines Gottes, hange ihm an", was die Alten trefflich erklären: tbue wie Er, hange Seinen «uns gcoffenbartcn) Eigenschaften an, wie Er barmherzig, so sei auch du :c. Machst du diesen einen Grundsatz zur alleinigen Richtschnur deines Lebens und Streben», so hast du die Himmelsleiter, wie sie Jakob im Traumgesichte erscbante, dir angesept, die auf Erden stehend bis zu des Himmels Höhen reichet und auf der-die Engelschaarcn der Weisheit, Tugend und Frömmigkeit in göttlicher Verklärung ans- und r iederstcigcn. II. ^Heilig sollt ihr :c. Ties hehre Wort, dessen Sinn mir uns nun in seinen Hauptzügen veranschaulicht, das demnach den Wahlspruch und das Lcbensprincip der israciitischen Religions- und Sittenlehre in sich schließt, es war, sagen wir nun zum Zweiten, die Schutzmauer, hinter der sich das geknebelte, geschmähete, von der menschlichen Gesellschaft ausgestoßene, leständig angegriffene jiidische Volk sicher barg, die eS gegen alles Toben und Anstürmen von Anßen unüberwindlich machte. Alle die feindlichen Gwsckiosic. io tiefe, auch jetzt noch nicht ganz vernarbte Wunden sie immerhin in seinem Fleische zurück! iesten, sie prallten wirkungslos ab an dem undurchdringlichen Panzer, der nicht aus, sondern in der Brust der Israeliten hastete, und in dem Bewußtsein gelöthet, gefestigt war: ich bin ein dem-heiligen Gott geheiligtes Voll, eine Seiner Ehre uiid Verherrlichung geweihete Nation «Ies. 42, 1—7. 43, 2l), bleibe ich nur diesem hohen Berufe treu, ich kann nicht wanken und fallen, stürniten auch Mecreswogen in brausendem Orkan auf mich los: ich gehöre meinem Freunde und mein Freund mir (Hes. 1. t>, 3), Er ist und bleibt mein Fels, Hort re. (Ps. 18. 3). Auf diesem felsenfesten Grunde baute sich dann, sowie das sittliche, also muh das rein religiöse Leben des jüdischen Geschlechtes in all' seinen Einzelheiten aus. Wenn der Sabbath einkebrte zu feierlicher

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