Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 14 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 kann und zwar bald. Gegenüber brr Mitthcilung auS Königsberg (diwir unftn folgen lasten R.d.) n-.üfs-n wir allerdings annehmen, daß di- Rotb dcr Israeliten im angren,enden Rußland noch wcitgrößer sei, da in diesen Ländern, wie man hört, von Seiten der Bürger rbensowenig wie von Seiten der Behörden Etwas gegen die gränzenlkfe Roth geschiept, wäbrend wir annehmcn wüsten, daß die Israeliten in Ostpreußen an öffentlichen Sammlungen, wenn auch weniger, doch immerhin theilweise berücksichtigt werden. Gott bewahre nnS, daß wir darum auf die Sammlungen.auch für diese einen nachtheilig.n Einfluß auSüben möchten. Wir wollen nur andeuten, daß die israelitischen Samnilungen mit großer.Kraft betrieben werden muffen, um der ungeheuren Roth u»ter den GlaubcnSgenoffen der betreffenden ruffischeu Kreise zu steuern. Warum aber dort kein Comitü.zu Stande kommt? Weil es eben an j der äußeren Zusammengebörigkeit, an jedweder staatlichen Organisation u. avohl auch an der nötbigen Intelligenz gebriä't, denn nur Intelligenz und Bildung erzeugt Energie, die gegeil da» Elend ankämpft. Dummbeit und Unbildung macht stumpf und gleichgültig. Dcr Gebildete strebt und kämpft, der Ungebildete hungert und stirbt. — Wohinaus sich also für die Zukunft das Strebe» zu richten habe, ist wohl ersichtlich. Für den Augenblick aber gebrich t es an — Brcd. Für die betreffenden Kreise sind zur Empfangnahme und Dertheilnng von Gaben bereit: Herr Dr. Rülf, Prediger in Memel und daS Comite zur Unterstützung notbleidender Israeliten in Sch'ippenbeil. Worms, 33. März. Man ist der Person, welche jüngst in der hiesigen Synagoge als unberufeneri Pre-^; diger aufzutrct n gelvagt hat, habhaft geworden. Dieselbe soll geisteskrank sein. AuS Rhein dessen, im März. Auck Ihr geschätztes Blatt berichtete jüngst von den Streitigkeiten Jastrow'S und de« Amerikanischen Rabbinern. Uns ist eine dieser Slreiischrifte», und zwar diejenige des Dr. Samnel Hirsch in Philadelphia, vordem in Lur.mbnra, zu Gesichte gekommen. So viel haben wir erkannt: Weder Personen noch S.rckie gewinnen durch eine solche Streitführung. Wir rathen beiden Parteien, in andere Dahnen rinzulenken. Streitigkeiten baden I. auch von WrrmS entführt; durch Predigten polemischen Inhalts hat er sich auch dort ausgezeichnet. Wir bedauern, daß er jenseits des OceanS in gleicher Weise sich auszuzeichnrn scheint. Ti« von ihm angegriffenen Coll gen mögen schweige», so lange cü sich um ihre beleidigte Person und nicht um dir gekränkte Wahrheit handelt. Diese aber mögen sie dann «in« ira et »tuckio vertheidigcn. Berlin, 22. Mär;. DaS Centralblatt für die gefammte Untcrrichteverwaltnng dringt inter» staute Entscheidungen betreffs dcr Zulassung jüdischer Lehrer an den Realschulen in Preußen. Tie Bergünstigung, daS Probejahr an sogenannten christlichen Anstalten halten zu dürfen, wird den jüdischen Lehrern selbst verkümmert Man verweist sie cigcnthümlicker Weise nach Frankfurt wo der jüdischen Realschulen zwei beständen (!). Wenn irgendwo ausnahmsweise die Rothwendigkeit vorliege, jüdische Lehrer an christlichen (?) Anstalten zu verwenden und die Unschädlichkeit ihrer persönlichen Einwirkung und der von ihnen vertretenen DiSciplinen auf christlich-religiöse Anschauung und Sitte außer Zweifel sei: so möge es doch verhütet werden, der jüdischen Lehrer zu viele an Einer Anstalt wirken zu lasten, »m den Charakter derselben als einer christlichen weder zu verwischen, noch zu gefährden. Wir wissen, daß Handel und Industrie unter den Christen stets die Concurrenz der Juden gefürchtet, Kunst und Wissenschaft die Capacilät derselben stets beneidet hat; fängt nun auch das Cbristenlbum an, jüdische GeineSmacht zu fürchten oder zu beneiden? AuS Norddcntfchland, im März. Schinid'S En - ehllopädie des gcsammten Erziehungö- und UnterrichtSwe- - fench Heft 56 u. 57 Art. Realschule warnt mit Recht znr Borsickt bei der Bchandluug natnrwiffenschaflsicher Gegenstände, wo diese an das Gebiet des Religiösen streifen. Auch darin kann man noch zustimmen, daß man bei dem naturwissenschaftlichen Unterrichte die Pas« sende Gelegenheit wahrnehmen soll, den religiösen Geist zu wecken und zu der richtigen religiösen Anjchanung zu erziehen. Aber falsch, ja gefährlich ist «S, wenn man dabei zu der christlich - pietistische» Anschauung erziehen zu n.üsse» vergibt. Eine Gefahr liegt gleich offen zu Tage. Denn cp beißt weiter: „Dah.r ist die Wirksam-, -samkeit eines Juden an christlichen Schulen (und das sino bis jetzt alle Realschulen), wie tüchtig und ehrcnwerth er auch sonst sein mag, durchaus unstatthaft, indem dies de», innersten Lebensprincipe widerspricht. Falsch ist cS auch, hierin einen Unterschied zwischen Gymnasien und Realschulen zu machen, und bei der durchgängigen Abhängigkeit der letzteren von den städtischen Behörden und bei der für die Bcurtheilung dieser Fragen bedenklichen Znsammcnsehnng derselben droht diesen eine Gesabr. T ie Schwierigkeiten für religiöse Erziehung und Gewinnung ,i,uT religiösen Ueberzcuguug ist größer, wenn jüdische Elemente selbst in de» indifferentesten Fächern, wie Mathematik und Naturwiffenschastcn, Mitwirken." Berfaffer dieses Artikels ist Kramer» Direktor der Franke'schen Stiftungen in Halle. Das preußische G-setz vom 23. Juli 1847 und noch früher daS Gesetz von 1812 gestehen eben Juden schon die Fähigkeit zur Anstellung für dicj indifferenten Fächer zu. Welch ein Rückschritt gibt sich da kund! Wir würden nicht darüber reden, wenn diese Ansichten nicht jetzt leider die herrschenden in Preußen wären. Da nützt eS nicht, auf einen Ministrrwechsel zu hoffen. Bücher wirken länger nach. > -