Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 13 (24.3.1868)
- Date
- 1868-03-24
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Rechnen. 4 Stundend Hier sind drei gesonderte . Klaffen erforderlich, wenn nicht gar vier, wenn die K>nder jeden Alters beisammen in einer Schule sitzen. Der ein- . sichtsvolle Lehrer wird Uebung und Unterweisung in gehö- - riger Ordnung und Regelmäßigkeit folgen lassen, und so die Klaffen abwechselnd selbstständig beschäftigen. Ein näheres Eingehen erfordert^inen Lehrgang, den wir hier nicht schreiben wollen. 2 L>tundm Hausaufgaben wöchentlich dürften nothwendig werden, wenn etwas Ersprießliches geleistet werden soll. Die jüdischen Kinder rechnen gewöhnlich gut. Ihr wahrscheinlicher Lebensberuf macht ihnen hier ein k weitergehendeS-Ziel erwünscht. k 7. Aufsatz (mit Rechtschreibung). Drei Stunden!' wöchentlich. Wir halten die Anfertigung vieler und ver- | schiedenartiger Etplübungen für einen der wichtigsten Zweige » des Schulunterrichts. Wir räumen ihm deßhalb 3 Stunfben ein. Es werden wohl diese 3 Stunden nöthig werden, um je -e i n e gute Arbeit in der Wachs durchzuarbeiten. Hausaufgabe: Reinschrift, wohl '2 Stunden wöchentlich.! 8. Deutsche Sprache, 1 Stunde wöchentlich. Hier s ist ein Fach, an dem Zumeist herumgekünstelt worden > von Berufenen und Nichtberufenen. Die Einen verbinden! diesen Unternchtszweig mit dem Lesen, der Lesistunde, die Andern mit dem Aussätze. In beiden kann ein zeitweiliges; Herüberstreifen auf dies Gebiet wohl nicht vermieden werden. Beide bieten Uebungsstoffe und machen den theoretischen Unterricht erst lebendig und fruchtbar. Eine besondere Stunde aber zur Kenntüißnahme und Einübung der Sprachformcn, der Logik der Volksschule, kann nicht entbehrt werden. Keine Hausaufgabe. \ 9. Geographie — Weltkunde. Ein interessanter und unentbehrlicher Unterrichtsgegenstand. Die genaue Kenntrnß des Vaterlandes, nähere Bekanntschaft mit allen europäischen Ländern und selbst Einiges von den übrigen Erdtheilen, Verständniß der geographischen Grundbegriffe und Bezeichnungsweisen, Lesen der Karte und einige durch Anschauung zu gewinnende Vpistellungen von den Beziehungen der Himmelskö-per zu einander und zur Erde ist ein Wiffensmaß. das keinem Dolksschüler vorenthalten werden darf. Vom 10. bis 12. Jahre 1 Stunde, von da an 2 Stunden wöchentlich Mehrstunden, welche dem Schreiben in dieser obersten Abtheilung abgenommen werden mögen. 10 Naturkunde. Ein bedeutungsvolles Wiffen, das vielen Lehrern große Schwierigkeiten-b-reitet, so sehr auch seit vielen Jahren gerade dieser Gegenstand in den Vordergrund gedrängt wurde 'Den weinen Lehrern dünkt dieser Unterrichtszweig besonders darum so sehr schwierig, weil ihnen selbst die genügende Vorbildung fehlt; weil in den Eeminarien nur äußerst wenig, und dazu unanschaulich und darum unklar genommen wurde. Nun haben wir wohl eine Masse von Schriften für dieses Gebiet. Aber gerade hierin kann nur anschauliches Lernen vorwärts dringen; was man nicht-probirt und nicht gesehen hat, kennt man nicht, weder ip der Physik, noch in der Chemie, noch in der Botanik. Da heißt es also umschauen, üben, studieren, suchen, streben.! „Jeder Lehrer ein Naturkenner, jeder Landschullehrer ein Paturfo scher." (Diesterweg) Der Lehrer wird gut thun, sich hier immer nur ein - Gebiet innerhalb eines Jahres zu wählen und dies sowohl zum Gegenstände seines Studiums als auch seines Unterrichts zu machen. Eine Stunde wöchentlich ist wohl wenig, sehr wenig, aber sie muß hinreichen. In einem Zeiträume von vier Jahren kann doch wohl manche Pflanze, manches Thier, manches Natnrgesetz angeschaut und besprochen werden. l Es bleibt uns noch eine Stunde für den Gesangunterricht, der, wo nur immer möglich, nicht übergangen werden darf.! Sonstige; Unterrichtsgegenstände gehören nicht in die Volksschule. Sie gehören aber auch uoerhaupt nicht für Kinder im Alter der Volksschule, mindestens nicht bis zu 12 Jahren. Wo, wie es in vielen Schulen geschieht, z. B. Französisch vor diesem Alter begonnen wird, da ist dies eine arge Versündigung der Eltern am Geist und Körper ihres eigenen Fleisches und Blutes, die in tausend Fällen in oft schauerlicher Weise, gestraft wird. Und dab^i kommt nicht einmal'für das Wissen in diesem Zweige etwas heraus, und es ist nachweisbar, daß das gut elementarisch vorgebildete Kind, das mit 12 Jahren den einmal beliebten fremdsprachlichen Unterricht beginnt, zu 14 Jahren ebensoweit ist, als das, das man etwa vom 7. Jahre, wie es — schauerlich! — Vorkommen soll, damit plagt, ehe es noch irgend welchen Begriff von Menschen haben kann, die eine andere Sprache sprechen als seine Muttersprache. Wo die Schulen — Privatinstitute, insbesondere Töchterschulen — es wagen, dieser Mode zu hnldigen, da ist es eine Herabwürdigung des Erzieher- und Lehrberufes zur Speculation, die nicht scharf genug verurtheilt werden kann. Man straft Diejenigen, die ungesunde Nahrungsmittel verabreichen. Warum nicht auch Die, so den Geist entnerven durch Ueberreigung und die Blüthe des Menschenlebeus zer- ' stören durch Ueberbürdung und ungesunde Geistesnahrung? Alexander p Humboldt,sagt: „Man sollte diese Art von Bildung!mit dem Nudeln der Gänse vergleichen; es setzt sich bloSi Fett an, aber kern gesundes Fleisch. An Wachsthum ist nicht zu denken." Wir schließen unsere Abhandlung mit der Mahnung: Wachet, daß Eure Kinder werden: weise zum Rath, kräftig zur Thal. Wochenbericht. Odern beim, l.">. Mär;. Wir enipsa'igeil soeben den Bericht über die Tbärigkeil der „.riUsuev i-r. ,ruiv-r->.»«- im zweiten Semester 1807 und die tAeneralversammlung in Paris. Wir werden dielen Bericht in den nächsten Nummer» unseres Blattes bringen. Aus Bayern*, im Mär;. M) übersende Ibnen hiebei die bayr. Lebrerzeicung Nr. ll Wie Sie sehen, veröffentlicht dieselbe das auch anderwärts in bayr. Blättern veröffentlichte Ergebnis; der vorjährigen Hauptprümng am königl. Schullehrerseminar zu Würzburg. Den Eintrittskurs des Seminars bildeten .'»1 Katholiken und :i Zsraeliren. Bon denselben erhielten bei der Schlußprüfung 12 die Hanptnole l, 11 die Hauptnole n, 1 die Hauptnote in. Wie die isr. Seminaristen sich;u diesen Roten verhielten, ist uns unbekannt. Zur Äuslrittsprüfung daselbst waren zugclaffen 11 Seminaristen, ferner 8 Zöglinge der israelit. Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und 4 weitere be- ') Nicht von unserem gewöhnlichen Correspondenten. Red.