Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1868-03-24 · 13 (24.3.1868) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
13 (24.3.1868)
Date
1868-03-24
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4896751-5428714-5431839--1871-4898284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 51 nils zur Schulpraxis verwendete Schnlvienstaspirante», letztere aus Grund fleni',aenbi.*r Vorbereitnngszengnisse. Bon den ersieren U Prüfungskandidaten haben 9 die Haupinote i und :i2 die Hauptnote II erhallen; von den audereu 12 Kandidaten /erwarben sich 1 die Hauptnole I, 1" die Hauptvotc II; einer derselbe» trat noch am Schlüsse der Prüfung zurück. - Sie sehen bier, das; Ihre bayerischen Eorresponkenlen denn doch nickt so ganz Unrecht hatten, wenn sie der Würzburger Lehrerbildungsanstalt.entgegentraten und sie als der allgeineinen Bildung durchaus nickt förderlich bekämpften. Ist dies Prüfniigsergebniß au und sür sich ein ungünstiges, so erscheint es noch im nngünstigeren Lickte, wenn man seben und hören mnsi, wie die großen befolge der „gebenschten" Anstalt in Parteiorganen ausgelroniinell, und welche £pfer demselben gebracht werden. Während von den anderen Eandidaren tnebr als einer unter ."> die Haupinote i bekommt, erlitten unter den Zöglingen der isr- Lebrerbildungsansiall, auch wenn wir die einmal nuf die 12 Kandidaten entfallende Haupinote I einen solchen zu rechne», diese nur Einer unter *! Das in kein gutes Prognosiikon! Ebemais, vor vielen, vielen fahren gehörten die jüdischen Zöglinge des kalb. Seminars sieis zu den Ersten und Besten. Ern in deit lebten Iabrcn war dies auch leider nicht inebr der Kall und wir würden Herrn Rabbiner Bainberger' inil voller Seele zngestiuinll baben, wenn er den jüdtsche» Zöglingen des kotligen Seminars Stipendien verschafft, sie tüchtig in jüdischen Fächern geschult und ihnen zu diesem Behufc einen besonderen x.nspeklor tind Führer, dev vielteickr auch Md» und Wohnung geboten, gegeben hätte. Aber diese TrZbbansgesiallen sind keine jüdischen Lebrer für dieZnkunfl. Diese können ihre Aufgabe unter Veit Stürme» nuferer Zeit ninimerinebr erfülle». Der Her^rRabbiner' batte ebenso die Herabdrückung der allgemeinen Bildung*) der Rabbiner angestrebt p aber das wäre ein Unheil für das Inden lbni», für die Synagoge felbsi. 'Weiß der Herr Rabbiner nicht, daß der Rabbiner der gebildetste Man» in der Gemeinde sein' und im altgenieineu Wisieii jedem Einzelnen in derselben also auch de» Aerzlen, Juristen. tüchtig geschulten Kaufleuteii :e. - mindestens gleich sleben mnß, wenn kiese ibu nicht verachte!^ nnd rer Synagoge den Rücken kebren sollen? Und müssen sie nicht, 'um ibre Achtung zu erbalten, auch den christlichen Geistlichen als Berufsgenosfeu gleicksteben'? Sind sie nicht die berufenen Berrbeidiger der Judenbeit, des Judembtims'? Kann man das 0b»c genügende Aeunlniß auch des gesaninnen Bissens, das die heutige Zeit von alten höheren Ständen fordert? Herr Bainberger sagte, der jüdncke Geistliche habe dazu nicht Zeit, wenn er das gejamnitc einschlägige talinukische Wissen erlangen soll! Glaubt der Herr Rabbiner vielleicht, daö berufliche Wissen eines Arztes etwa sei nicht eben so weil und groß und gewichtig, als das eines Rabssiners? Und dock, müssen diese auch l>)yinnasialbildung, d. b. eine allgemein huinanwissenschaftliche Grundlage sür ihr Fachwiste» fick enverben! Dock, wir bi'echcn ab. Gottlob, dieser Alp ist gebrochen. — Aber die Lehrerbildungsanstalt besieht noch und sie sendet jetzt schon ibre traurigen Pflänzlingen in die Genieinden! Welche'Zukunft siebt diesen bevor'?! Berlin, ll. März. Die bisherige starre Weigerung de« Preußischen Eulius-Ministeriuins, der Berfassnng ungeachtet Juden an städtischen, sogenannten christlichen1'?) Schnlansialten als Lehrer aufzustellen, hat in etwas der Macht des drängenden Zeitgeistes nachgeben müssen- Man hat nunmehr einen 'solchen Lehrer, wel¬ *) Der Herr Eorrespondcnt meint wohl die Befreiung vom Militärdienste auch für nichtstudirte „Rabbina'scandidaten?" Red. cher viele Jahre bereits in einer solchen Anstalt mit rühmender I Aneckennung seiner Leistungen als Hilfslehrer unterrichtet bat, für I dessen Anstellung die städtische Behörde bereits wiederholt, aber I vergeblich sich verwendet bat, für dessen Reckt auch wiederholt daS .Haus der Abgeordneten cingetrelen isr, endlich in Rücksicht darauf, daß ihm nur solche Fächer zngewiesen seien, welche mit der christ- I licken Religion in Berührung zu treten nicht geeignet sind, aus-! nabinsweise (!) angesiellt, obne jedock damit ein Präjudiz für an- I dere Fälle gegeben haben zu wollen (!. Wien, 26. Februar. An den Abgeordneten Dr. Kuranda und an den Prediger Dr. Jellinek sind in den letzten Tagen mehrere Schreiben aus einigen an der! österreichischen Grenze gelegenen Orten Serbiens von dort lebenden k. k. österreichischen Unterthanen israelitischen Glaubens eingelangt, in welchen um schnelle Verwendung bei der k. k Regierung gegen die Verfolgungen, welche die dort wohnhaften Juden zu erdulden haben, dringend gebeten wird. Seit Kurzem sind nämlich die Juden daselbst ohne jede Ursache nicht nur den ärgsten Mißhandlungen ausgesetzt, falbem cs wurde in mehreren Häusern auch bereits geraubt und geplündert. Selbst in Belgrad sind derartige > Vorfälle vorgekou.men und wird der Schaden, welchen die Verfolgten erlitten, auf mehr als 50,060 fl. angegeben. (Abendland.)- Wien. Rachdeni in Oesterreich auch die Geistlickkeir cm gefangen bat, der weltlichen (Yerichtöbarkeil unterworfen zu sein, niebre» sich die Sittlichkeits-Prozesse gegen die katholische Geistlichkeit in erschreckender Weise. Ein hiesiges Blatt bemerk: hierzu: Die kirchlichen Organe enthielten früher eine Rubrik: „Aus dem Ghetto", in welcher die schlechten und unsittlichen Handlungen einzelner Juden der ganzen Genossenschaft aufgebürdct wurden. Sollte man nun nickt auch in den Dagesbläuern eine Rubrik"eröffnen: .J'lns dem Pfarrbanse", um, nach der Menge der Sittlichkeilsprozesse zu schließen, in ähnlicher Weise die schlechten und nnsittlichen Handlungen einzelner Geistliche» auch hier der ganzen Genossenschaft anszubürven? Wir Juden prorestiren gegen eine solche Bergeliungsniaßregel, denn unser Gott ist kein „Gott der Racke." Da r n vw. Der hiesige Rabbiner Rapapori, bekannt durch den Bann, welchen er jüngst über ein Mitglied seiner.Gemeinde aussprach. bat jetzt durch Proklamation in der Synagoge die riaufläden aller Mazzos-Bäckereien in Acht erklären lasten, welche nicht eine von ihm beglaubigte Person zur Beaufsichtigung anstellen. Man fragt mit Reckt, ob eine solche religiöse Verdächtigung unbescholtener Personen nach dein jüdischen, und ob eine solche Berküninierung der Gewerbesreibeil nach den Lanöesgesetzen gerechtfertigt sei. Buckarest. Die Opposition hat sckchrse Anträge gegen die Israeliten gestellt, welche zu unterstützen die Regierung sich geweigert bat- Die össentlicke Meinung ist also doch eine Macht! Die Regierung bat zwar schon vordem angesangen, ibr Gebör zu geben: jedock zugestandener Maßen damals nur. um nach Außen den guten Schein'zu wahren-. Möge das Benehmen der Regierung jetzt eine wirkliche Wendung;um Guten und eine Umkehr znm Bester» bezeichnen! Das walre Gon! Es wäre für unsere armen rumänischen Brüder am bevorstehenden Passab-Feste auch eine Erlösung von der Knechtschaft zur Freiheit, und zwar ebenfalls durch die Hand uvd Gnade Gottes, da die Macht der Menschen. selbst der Könige und Völker hierzu bis jetzt sich als ohnmächtig erwiesen hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.