Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 13 (24.3.1868)
- Date
- 1868-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen^Lehxerstandes. , Organ für den Verein „Acha^ü." J\§ 13* Mainz, den 24. März. 1868. (Achter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. — Thlr. und den Betrag des Portos. Anzeigen zu I Sgr. die Petitzeile. Bei srankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 1 jl. 2 Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhanw 1 jl. 2 . kr.—24 Sgr Mit der nächsten Nummer beginnt ein neues Quartal unserer Zeitschrift, und bitten wir die Abonnements zur Post gefälligst rechtzeitig aufgebcn 311 wollen. j Odcrnheim in Rheinhesscn. Der Herausgeber. Das Zuviel in der jüdischen Schule. (Schluß.) In alter Zeit, wo nichts als Talmud gelehrt wurde, wo man ebensowenig die Gesetze der körperlichen, wie die der geistigen Entwickelung kannte, mochte das Talmudstudium auch bei Kindern hingehen; konnte wobl die Furcht vor Ueberladung nicht so sehr Platz greifen. Aber jetzt, wo auch in den allerorthodoxcsten Anstalten jedes weltliche Wissen in ausreichendem Maße gepflegt werden soll, kann ein Studium des Hebräischen in solcher Weis-, des Talmud (Mischnob, Raschi und drgl.) nur Platz greisen auf Kosten der dem Kinde zur freien körperlichen Bewegung durchaus und unumgänglich nöthigen Zeit, mithin auf Kosten der Gesundheit des Leibes und der Seele. Wir geben zu bedenken noch die Fremdheit der Materien, die dem kindlichen Geiste so ferne liegen und daher eine mrthodlsche Behandlung nicht zulaffcn; die Fremdheit der Sprache, ja selbst oft das nach unser»« sittlichen Anschauungen Unzuläsiige und Anstößige einzelner, ja sogar vieler Partien, was neben der Ueberipannung und Ueberreizung*) einzelner Seelenkräfte — deö Witzes und der Phantasie — eine Ablenkung von anschaulichem, elcmentarischem Lern-n, das solchen überreizten Kindern gewöhnlich langweilig und kleinlick erscheint, — und eine schädliche Frühreife zur Folge batJ Dieser Gegenstand gäbe Gelegenheit zu den vielseitig sten pädagogischen Betrachtungen.' Wir seckten hier nicht mit Windmühlen. ES gebt solche Lebranstalten, die dies? Gegenstände, wie, Talmud, Raschi und Anderes dergleichen auf dem Lebrplane stehen haben, und diese Fächer mit Knaben traktiren, dw daneben noch Französisch und Englisch und jedes andere Wissen in sich auinehmcn sollen Es wäre interessant, den Gesundheitszustand in solchen Anstalten mit demjenigen anderer Schulen zu vergleichen, wclcke nack'richtigen pädagogischen *) Auch hier möchten wir auf einen Umstand Hinweisen: aus das zu frühe Hcirathm in solchen Ländern, wo das .Lernen^ noch in seiner vollen Blüthe steht. und sanitätischen Prinzipien . geleitet werden, inSbesontzeke wenn man dabei noch die späteren Folgen in Betracht ziehen konnte. Sie wollen diese Fächer gelehrt haben — aus Religion, wie sie sagen. Kann das, waS der Natur widerstreitet, religiös sein? Und wenn wir die Zahl derjenigen überblicken, welche in ihrer Jugend solchen Unterricht erhalten haben. — sind sie wirklich die Frömmsten? Erreicht man damit seinen Zweck? Ist nicht die Mehrzahl der „Talmud-Gelehrten" selbst unter Denjenigen zu suchen, welche sich vom religiösen Leben, von den traditionellen Satzungen.losgesagt traben? In der Beschränkung zeigt sich der Meister! Wir verlangen vom Lehrer Unterricht im Hebräischen, weil derselbe zur Erhaltung und Fortbildung unserer gesammten religiösen Institutionen durchaus unentbehrlich ist. Aber im Ranken alles Desien. was denk Lehrer heilig ist, im Jnteresie der naturgemäßen Entwickelung aller körperlichen uns geistigen Kräite, im Namen selbst der Religion und Sittliche kest fordern nur «in „bescheiden Maß", Beschränkung ans das, was der Kind^snatur angemessen und heilsam ist. 4. Schreiben. Schönschreibnbungen. wöchentlich eine Stunde durch alle Klaffen gleichzeitig. , Jed^S Schreiben ist Schönschreiben I Keine Hausaui.rabe! / 5, Lesen, wöchentlich zwei" Slunden. den maß-; gebenden M-thodikern. Lesen, blos um.leien und verstehen : zu lernen, was man liest. Keine Nebenzwecke! Fallt etwas, wie es selbstve, ständl'ch und insbesondere /in kleinen Schuten natürlich ist, für andere Unterrichtsgegenstanve ab, so ist das gut und ang»'nehm. Aber beim Lesest dark nichts Anderes, als richtiges und schönes Lesen rmd Berstänoniß des Gelesenen das Ziel sein. Ene schön? Leseflunde ist eine Weihestunse siir die Schule. Sie 'erweitert den Gesichtskreis des Kindes allseitig und läßt den Legrer die tiefsten psychologischen Elsahrungen machest. Aber sie muß i Leiestunde bleiben. Hausaufgabe — wöchentlich eine Stunde. Ein tüchtiger Leseunterricht erzeugt Leselust, die zuweilen , aber ebensowohl zu unterdrücken, als zü kördern isi.